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"Wichtig ist, dass Menschen nicht schweigen"

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Wahlen in Belarus - "Wichtig ist, dass Menschen nicht schweigen"

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Heute wird in Belarus gewählt. Alexander Lukaschenko, seit 26 Jahren Präsident mit eisernem Führungsstil, steht unter Druck. Ein Aufbegehren des Volkes will er bekämpfen.

In Belarus hat die Präsidentschaftswahl begonnen. Präsident Lukaschenko, der seit 26 Jahren das Land regiert, kandidiert für eine sechste Amtszeit.

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"Freiheit, Freiheit!", rufen wieder Tausende Demonstranten in Minsk. Obwohl die Versammlung der Opposition kurzfristig verboten und abgesagt worden war, gingen am Donnerstag in der belarussischen Hauptstadt wieder Menschen auf die Straße. Wer in diesen Tagen hier frei seine Meinung sagt, beweist viel Mut. Neben vielen anderen Themen haben sie ihrem Präsidenten zuletzt auch den Umgang mit Corona besonders übelgenommen.

Lukaschenko - Corona-Leugner, Corona-Patient

Lukaschenko hatte Covid19 immer wieder geleugnet, dann verharmlost. Kein Lockdown in Belarus, stattdessen im Mai noch die Militärparade zum Tag des Sieges über Hitler-Deutschland. Nach eigenen Angaben hat Lukaschenko Corona allerdings inzwischen sogar selbst überstanden. Erkrankt an einem Virus, dass es seiner Meinung nach gar nicht gibt.

Zurück zur Demo in Minsk. Dort treffen wir Maria. Sie ist 25, sie kennt nur Alexander Lukaschenko als Präsidenten ihres Heimatlandes. Ihr machen gerade vor allem die willkürlichen Festnahmen rund um die Wahl Sorgen.

Die Corona-Situation hat die Gesetzlosigkeit in unserem Land verstärkt. Das bewegt die Menschen. Sie haben kapiert, dass uns die jetzige Führung in wichtigen Momenten nicht schützt.
Maria, Demonstrantin

Die 25-Jährige betont weiter: "Wichtig ist, dass die Menschen nicht schweigen, sondern auf die Straße gehen." Die Wahlen an diesem Sonntag hält sie für nicht gerecht und nicht frei. "Alle wissen, wer die Wahlen gewinnen wird. Es ist schrecklich, aber das einzige, was wir machen können, ist ehrlich zu sich selbst zu sein."

Wahlkampf mit harten Bandagen

Die Demonstranten wollen keine Revolution, sagen sie. Sie wollen freie und faire Wahlen. Er will das nicht. Präsident Alexander Lukaschenko, der das Land seit 26 Jahren eisern führt. In den letzten Wochen hat er nichts unversucht gelassen, seine Gegner auszuschalten. Und er warnt: Wer gegen Gesetze verstoße, müsse mit einer sofortigen Reaktion und strikten Gegenmaßnahmen rechnen.

Lukaschenkos Regeln sehen so aus: Demonstranten werden festgenommen, Veranstaltungen verboten, Journalisten und Oppositionelle verhaftet. Präsidentschaftskandidaten wurden entweder nicht zugelassen, später festgenommen, oder mussten ins Ausland flüchten.

Übrig geblieben sind drei Frauen, die es mit Lukaschenko aufnehmen wollen. An ihrer Spitze: Swetlana Tichanowskaja. Eigentlich wollte ihr Mann, ein regierungskritischer Blogger, Kandidat werden. Doch als der im Mai festgenommen wurde, stieg sie ein ins Präsidentschaftsrennen.

"Die Behörden haben mich nur zum Spaß registriert, denke ich."
Swetlana Tichanowskaja, Präsidentschaftskandidatin

Tichanowskaja sagt weiter: "Lukaschenko dachte. Sie ist eine Frau, wer wird schon eine Frau wählen, eine Frau kann doch nicht Präsidentin sein."

In Belarus erhoffen sich viele Menschen einen politischen Wechsel von der Präsidentschaftswahl. Stärkste Konkurrentin des Langzeitpräsident Lukaschenko ist Swetlana Tichanowskaja.

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Erst hat Lukaschenko Tichanowskaja nicht ernst genommen, danach versuchte er sie zu diskreditieren. Für viele Belarussen ist sie nun zur Hoffnunsgträgerin geworden, auch wenn niemand daran zweifelt, dass Lukaschenko die Wahl gewinnen wird.

Opposition ruft zu neuen Protesten auf

Seit Dienstag können die Belarussen schon ihre Stimme abgeben, begleitet von Manipulationsvorwürfen. Für heute Abend hat die Opposition zu weiteren Protesten aufgerufen. Aber die Sorge wächst, dass Lukaschenko sie nach seinen Regeln beenden wird. Und doch glauben viele Beobachter, dass in Belarus grundlegende Veränderungen anstehen, in welche Richtung ist noch ungewiss.

Und Maria!? Sie liebt ihre Heimat, die Menschen hier, ihre Kinder sollen einmal hier aufwachsen, sagt sie. Doch mit der jetzigen Führung ist sie sich nicht sicher, ob sie Belarus irgendwann doch verlassen muss, für eine bessere Zukunft.

Nachrichten | heute 19:00 Uhr -
"Große Welle der Mobilisierung"
 

In Belarus sollen knapp sieben Millionen Wahlberechtigte entscheiden, ob Langzeitpräsident Lukaschenko an der Macht bleibt. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtet vom Wahltag.

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