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Bilanz der Wahlkampfwoche - Strich drunter: Zurück in die Zukunft?

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23 Tage bis zur Bundestagswahl. Strich drunter: Was bleibt von der Wahlkampfwoche? Umfragen machen nervös. Es gibt wieder rote Socken. Geht's zurück in die Zukunft? Ein Rückblick.

Armin Laschet und Olaf Scholz
Kanzlerkandidaten unter sich: Armin Laschet und Olaf Scholz.
Quelle: ap

Vielleicht wird diese Woche im Bundestagswahlkampf im Nachhinein als ein Kipppunkt bewertet werden. Als Wende, die sich nicht mehr aufhalten ließ. Noch nie waren die Umfragen so miserabel für die Union. Am vorigen Freitag: gleichauf mit der SPD. An diesem Freitag: Zum ersten Mal überholt die SPD im ZDF-Politbarometer die Union.

Bleibt das so? Wer weiß das schon. Drei Wochen sind es noch bis zur Wahl. Vor drei Wochen noch hätte niemand daran geglaubt, dass Olaf Scholz die Chance haben könnte, Bundeskanzler zu werden. Außer natürlich die SPD, die hat das angeblich immer gewusst. In drei Wochen könnte die Union wieder vorne sein. Oder die Grünen.

Offensichtlich ist: Die Umfragen machen nervös. Und scheinen zugleich zu befreien.

Die SPD liegt in den Umfragen des ZDF-Politbarometers erstmals seit 19 Jahren vor der Union. Und auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz baut seinen Vorsprung weiter aus.

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Bundestagswahl: Union probiert neue Strategien

Innerhalb von sieben Tagen hat die Union gleich drei neue Strategien ausprobiert. Erster Versuch: Kanzlerkandidat Armin Laschet ist jetzt aggressiver. Genervtes "Ach, Frau Baerbock …" oder böses "Sie, Herr Scholz haben ...", damit fiel er beim ersten Triell, der Fernsehdebatte der Kandidierenden für das Kanzleramt, auf. Für seinen Auftritt bekam er dafür viel Lob aus seiner Partei und der CSU.

Wie es überhaupt darum zu gehen scheint, die eigenen Reihen vor und hinter sich zu schließen. Die Kritiker am Wahlkampf verstummen zu lassen. Das Praktische ist ja auch, wenn man mehr Menschen einbindet, verteilt sich eine Niederlage leichter. Am Montag präsentierte Laschet ein Kompetenzteam zu den erneuerbaren Energien. Diesen Freitag ein "Zukunftsteam", eine Art Schattenkabinett.

Unionswahlkampf - Laschets Team für den Endspurt 

Es soll helfen, die Union aus dem Umfragetief zu holen: Kanzlerkandidat Armin Laschet präsentiert ein "Zukunftsteam" für den Wahlkampf-Endspurt.

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von Tai Becker

Das Zukunftsteam: "Warum tust Du Dir das an?"

Das Team, sagt Laschet, stehe für "neue Ideen für die Zukunft". Das ist für eine Partei, die seit 16 Jahren regiert, nicht einfach. Friedrich Merz ist dabei, Dorothee Bär als einzige von der CSU und seit vier Jahren Staatsministerin für Digitales, für das sie auch im Team Laschet steht. Jetzt, sagt sie, soll beim Digitalen "ein neuer Turbo" entzündet werden.

Echte neue Köpfe gibt es auch: den Musikmanager Joe Chialo oder den Terrorismusexperten Peter Neumann. Viele, erzählt dieser offen, hätten ihn gefragt: "Warum tust Du Dir das an?" Neumann sagt bei seiner Vorstellung, das werde sicher einige "überraschen": wegen Armin Laschet.

CSU-Chef Markus Söder ist übrigens nicht dabei. Auch nicht Jens Spahn. Dem Mann, der einst im Team mit Laschet antrat, scheint die Zukunft irgendwie abhandengekommen zu sein.

In der Vergangenheit haben zwei große Parteien die Geschicke der Bundesrepublik gelenkt. Nun aber sind CDU/CSU und SPD in Umfragen regelrecht abgestürzt.

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Merz: "Lagerwahlkampf, das müssen wir jetzt machen"

Von "Zurück in die Zukunft" hat auch die dritte Strategie der Union etwas. Plötzlich sind die roten Socken wieder da, auch wenn alle in der Union sagen, dass es mit der alten Wahlkampagne von 1994 und ihren x Versuchen, sie wiederzubeleben, nichts zu tun habe. Tatsächlich warnt die Union jetzt ständig vor einer Koalition zwischen SPD, Linke und wem auch immer. Dafür müssen sogar noch ältere rote Socken herhalten: Bilder im Stil von Lenin, Marx und Engels, schön in Rot getaucht.

"Es geht in Richtung Lagerwahlkampf, das müssen wir jetzt machen", sagt Friedrich Merz. Was hatte gleich Laschet eine gute Stunde vorhergesagt? "Jetzt geht es um Inhalte."

Die Merkel-Raute 2.0

Wenn ein Wind sich dreht, trifft das selten nur einen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz war bislang mit seiner Strategie - ruhig bleiben, keine Fehler machen, nicht zu konkret werden - gut gefahren. Kein Interview, indem er Merkel nicht lobte. Dass er es sei, der das Merkelige in die nächste Legislaturperiode retten kann. Sogar mit Merkel-Raute ließ er sich ablichten. Ein Spaß. Na klar.

Zur Distanzierung Angela Merkels von Olaf Scholz, der eine mögliche „Rot-Rot-Grüne“-Koalition nicht ausschließe, erklärt ZDF-Studioleiter Theo Koll: Bisher habe sich die Kanzlerin aus dem Wahlkampf weitgehend herausgehalten, das habe sich nun geändert.

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Merkel hat sich diese Woche dagegen gewehrt. Damit hat sie aber auch die Nerven ihrer Partei offengelegt: Die SPD wird wieder im Spiel um die Macht ernst genommen. Scholz wird im ZDF-Politbarometer mit Abstand mehr Kanzlerfähigkeiten zugetraut als allen anderen. Ein Bündnis mit den Linken schreckt weniger, als die Union vermutlich gehofft hatte.

Und das Schreckgespenst selbst, die Linken, freuen sich derweil nicht nur heimlich. Wer hat über eine notorisch zerstrittene Partei, die die fünf Prozent schon riechen kann, vor drei Wochen eigentlich gesprochen? Jedenfalls nicht ernsthaft als Regierungspartei.

In der Debatte um ein mögliches Bündnis der Sozialdemokraten mit der Linkspartei betonte SPD-Chefin Saskia Esken, der Parteitagsbeschluss von 2013 beziehe sich nicht allein auf die Linkspartei. Die Linke sei derzeit jedoch nicht regierungsfähig.

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Drei Wochen noch - und alle Richtungen sind möglich

Aber vielleicht wird es ja auch alles anders. Kipp-Punkte lassen erst einmal die Richtung offen. Und vielleicht sitzt Scholz schon mit seinen Beratern im Willy-Brandt-Haus und sucht nach einer neuen Strategie, weil Merkel 2.0 nicht mehr zieht. Weil es noch drei Wochen bis zur Wahl sind. Dann wäre es wie in all den anderen Kampagnen zuvor, als Martin Schulz, Peer Steinbrück, Frank-Walter-Steinmeier stark anfingen und mit den schlechtesten Ergebnissen für die SPD endeten.

Spannend, ob ein möglicher Erfolg die SPD genau so nervös macht wie ein drohender Machtverlust die Union. Und wenn zwei sich streiten, könnte Platz werden für die dritte: Annalena Baerbock. Der Vorsprung der Grünen ist verspielt. Sieht man ihren Auftritt beim ersten Triell, scheint das zu befreien. Drei Wochen bleiben auch für die Grünen. Plagiate, Lebensläufe? Wähler sind manchmal genauso vergesslich wie Politiker, die sich nicht mehr an Treffen mit der Warburg-Bank erinnern können.

Wellen im Netz: Alle gegen einen

Und was gab es noch diese Woche? Wellen gingen durch die sozialen Netzwerke. CDU-Politikerin Wiebke Winter wird nach ihrem Auftritt bei "Lanz" teils so sexistisch angegangen, dass einige sich daran erinnern, dass ein Wahlkampf nun so wichtig auch wieder nicht ist. Auch Grüne verteidigen Winter.

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Und als dann ein grüner Finanzminister Steuerhinterziehung auch digital anzeigbar machen will, bekommt das konservative Netz Schnappatmung. Steuersünder zu finden, ist plötzlich vergleichbar mit der Staatssicherheit der DDR. Das hat die Stasi, mit Verlaub, nun wirklich nicht verdient, die suchte schließlich echte Staatsfeinde mit ziemlich menschenverachtenden Methoden.

Und noch ein Hinweis kommt diese Woche oft. Am 26. September werden Parteien gewählt. Nicht direkt ein Kanzler oder eine Kanzlerin. Ach was. Wie gut, dass es seit dieser Woche den Wahl-O-Mat gibt. Und wenn dabei am Ende gar nicht Laschet, Baerbock, Scholz als Ergebnis herauskommen, sondern vielleicht die Grauen oder die Tierschutzpartei: Nicht nervös werden. Kann man auch wählen.

Heute startet der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung mit neuen Anwendungsmöglichkeiten und in neuem Design. 38 Thesen sollen Unentschiedenen bei der Wahlentscheidung helfen.

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