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Bilanz der Wahlkampfwoche - Strich drunter: Man sagt ja nix, red ja bloß

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16 Tage bis zur Bundestagswahl. Strich drunter: Was bleibt von der Wahlkampfwoche? Vor allem viel Gerede. Mal mit mehr, mal mit weniger Inhalt. Ein Rückblick.

Wahlplakat mit weißer Rückseite
Wahlkampagnen sagen viel. Aber eben nicht alles.
Quelle: dpa

Stumm ist noch niemand in den Bundestag, geschweige denn in das Kanzleramt gekommen. Klappern gehört zum Geschäft, das gilt besonders für Parteien im Bundestagswahlkampf. In dieser Woche wurde so viel geredet wie nie.

Fast vier Stunden Dauerwerbeblock bei der letzten Sitzung des Bundestages. Dann kommen die Parteien diese Woche häufig zu ihren Wählerinnen und Wählern nachhause, via Fernsehen bei diversen Runden. Und dann sagt man auch noch vieles lieber über-, statt zueinander. Viel Gerede! Geschwätz war auch dabei.

Linksbündnis: Eine Frage des Glaubens?

Dauerthema bleibt: Würde die SPD, wenn sie die Wahl gewinnt, mit Grünen und Linken eine Koalition bilden? Und die Grünen sich mit den Linken an den Kabinettstisch setzen? Am Mittwoch warnte auch die Kanzlerin im Bundestag deutlich vor einem "Linksbündnis", wie die Rechten die Koalition nennen. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak warnte sogar: Sollte Olaf Scholz ins Kanzleramt einziehen, "dann zerreißt es Europa".

Noch zwei Wochen bis zur Bundestagswahl und langsam verfestigt sich der Trend: Die SPD liegt im ZDF-Politbarometer vor der Union. Viele Wähler sind jedoch noch unentschlossen.

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Und Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz hat auch Angst vor einer linken Regierung. Kurz ist der, der mal mit den Rechtspopulisten in seinem Land regierte.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat zumindest einen kleinen Rückzieher von diesem Linksbündnis gemacht. Er ist nett zu FDP-Chef Christian Lindner. "Man kann sich auf ihn verlassen", sagte er diese Woche. Und er verlangte von den Linken "Bekenntnisse". Zur Nato, zu Europa, zur Bundeswehr und überhaupt. Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock verlangte diese auch. Nur ernst werden sie damit nicht genommen.

Bei der letzten Bundestagssitzung vor der Wahl haben alle drei Kandidierenden fürs Kanzleramt einander attackiert. Auch die anderen Parteien nutzten das Parlament für Wahlkampf.

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"Bekenntnisse legt man in der Kirche ab", sagte Dietmar Bartsch von den Linken. Was sei damit überhaupt gemeint, fragte sich Bartsch. "Sollen wir zum Nato-Hauptquartier fahren und dort niederknieen?" Die Tageszeitung taz hätte da eine Idee.

Sie druckte auf der Titelseite ein Bekenntnis-Vorschlag ab: "Ich glaube an die Nato, das Bündnis, das Allmächtige, den Schöpfer der KFOR und ISAF … im Marschflugkörper aufgefahren in den Himmel ... Ich glaube an das Zweiprozentziel …" Vielleicht mag das jemand für die Unterschrift unter den Koalitionsvertrag schon mal auswendig lernen?

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Söders Mantra vom "Trend brechen"

Natürlich ist das höchst blasphemisch. Das würden sich die Parteien mit dem C im Namen nie erlauben. Sie nutzen andere religiöse Praktiken. Das immer gleiche zu wiederholen, kann helfen, dass es gehört wird. Irgendwo. Oder im Idealfall sogar schon im Diesseits real wird. CSU-Chef Markus Söder übte diese Woche das Trend brechen-Mantra.

Sonntag Söder im ZDF: "Nächste Woche ist entscheidend, da muss der Trend gebrochen werden." Mittwoch im Deutschlandfunk: "Jetzt gilt es, den Trend zu brechen." Donnerstag zur Deutschen Presseagentur: "Wenn es noch eine Chance gibt, den Trend zu brechen, dann an diesem Wochenende."

Es gehe jetzt um Gemeinsamkeit in der Union und darum, nächste Woche den "Trend zu brechen", so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Wenig angriffslustig bleibt Söder bei der Frage, ob die Union mit ihm als Kanzlerkandidat gerade anders dastünde.

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Nächste Woche, jetzt, am Wochenende. Falls also das Triell zwischen Laschet, Scholz und Baerbock am Sonntag in ARD und ZDF nicht irgendwie positiv für die Union ausgeht, steht zumindest für die CSU der Grund schon längst fest.

"Natürlich stünden wir mit Markus Söder besser", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume dem "Spiegel". Und Alexander Dobrindt findet im Bayerischen Rundfunk, Laschet "muss die Möglichkeit nutzen, seine Persönlichkeitswerte deutlich zu verbessern".

Vorsicht vor Schweißperlen und Floskeln

Ja, zusammenreißen müssen sich alle für das TV-Triell. Wenn da etwas schief geht, dann bleibt das. Wie oft ist Merkel ihr Satz "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben" im TV-Duell 2013 mit Peer Steinbrück vorgehalten worden. Legendär die Schweißperlen von Richard Nixon, der 1960 gegen den gebräunten John F. Kennedy irgendwie alt aussah.

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von Robert Meyer

Wenn es so wie in den TV-Runden mit den Wählern wird, könnte es lustig werden. Scholz würde jedes mal, wenn er dran ist, sagen: "Danke für die Frage!" Und dann: "Erstmal bin ich für, teile ich, unterstreiche ich …"

Baerbock wäre ähnlich höflich: "Schönen guten Abend, war ja schwierig anzureisen, oder?" Nun, da kann man nur hoffen, dass sie die Frage nicht an Laschet weitergibt. Denn er antwortet gerne mit einem langen "Jaaa" oder "Neeeein", wahlweise auch "Jaja" oder "Neinneinnein".

Positives? Herrliches Paris!

Noch etwas Positives diese Woche? Aber ja. Scholz und Laschet waren in Paris! Herrlich, endlich wieder reisen und ein Besuch bei Freunden. Laschet allerdings reiste nicht zu Staatspräsident Emanuel Macron, um den Gang in den Elysée-Palast zu üben. Sondern in seiner Funktion als "deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter". Als Kulturbevollmächtigter hat er einen eigenen Twitter-Kanal, auf dem auch seine Wahlkampf-PR-Frau Tanit Koch zu finden ist. Sicher nur Zufall.

Vor der Bundestagswahl werden viele Umfragen veröffentlicht – die Medien nutzen sie für Schlagzeilen, Politiker als Wahlkampftaktik. Wie aber sind Umfragen einzuordnen? Als Momentaufnahme, betonen Experten, nicht als Prognose für den Wahlausgang.

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Und noch etwas Beruhigendes: Wenn Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am 26. September als Bundestagsabgeordneter für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf in den Bundestag einzieht, dann, sagte er der "Morgenpost", mache ich "jedenfalls keine Weltreise, ich kaufe mir auch kein Klavier". Auch keinen Hund.

Wie sich sich der deutsche Michel das Leben eines Bundestagsabgeordneten so vorstellt. Nichts für ungut: Man sagt ja nix, man red' ja bloß.

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