Sie sind hier:

Parteien plakatieren - Wahlplakate 2021: Image ohne Inhalt

Datum:

Auch im digitalen Zeitalter spielen Wahlplakate für die Parteien weiter eine wichtige Rolle. Die Plakate im Bundestagswahlkampf 2021 sollen Images vermitteln - keine Inhalte.

Wahlplakate der Parteien Die Grünen, FDP und SPD stehen in der Innenstadt von Magdeburg.
Am 26. September ist Bundestagswahl - die Wahlplakate der Parteien hängen bereits.
Quelle: dpa

Sie signalisieren: Es geht los mit der heißen Phase des Wahlkampfs. Wahlplakate überall, mit Politikern und Parolen: Modernes Deutschland, Respekt, Zukunft - unscharfe Begriffe, ganz absichtlich.

"Ich erinnere mich an keine Slogans, die so markant sind, dass sie zu einer Diskussion geradezu auffordern", sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen. Das entspreche auch dem bislang weitgehend inhaltsleeren Wahlkampf.

Wahlplakate der SPD, die Kanzlerkandidat Olaf Scholz zeigen.
Die SPD setzt in ihrer Wahlkampagne auf Kanzlerkandidaten Olaf Scholz.
Quelle: dpa

Zieht die Person die Partei mit - oder umgekehrt?

Bei der SPD dominiert der Kandidat. Olaf Scholz verspricht abwechselnd "Kompetenz" oder "Respekt", grafisch streng anmutend, schwarz-weiß auf stechendem SPD-Rot.

Man kann an den Plakaten durchaus erkennen, ob das Parteilogo groß ist oder klein und eher verschämt. Ob die Person die Partei mitzieht oder umgekehrt.
Karl-Rudolf Korte

1994 kam Helmut Kohl auf Großflächenplakaten ganz ohne Slogan und Parteilogo aus, zeigt eine aktuelle Ausstellung über Wahlplakate im Bonner Haus der Geschichte. Damals sollte allein das Bild des Kanzlers der Einheit in einer Menschenmenge überzeugen.

Ein Wahlplakat der CDU zeigt den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Menschenmenge, 1994
Zur Bundestagswahl 1994 setzte die CDU auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl - ganz ohne Slogan und Parteiname.
Quelle: dpa

Persönlichkeiten und Slogans

Der Blick in die Geschichte zeigt noch etwas: "Wahlplakate sind seit den 50er Jahren bis heute sehr konstant, was ihren Aufbau und ihre Bestandteile angeht", erläutert Museumsdirektor Thorsten Smidt vom Haus der Geschichte in Bonn. Persönlichkeiten sollen um Vertrauen werben, Slogans das Image der Partei auf den Punkt bringen.

Die Personalisierung des Wahlkampfes setzt schon mit CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer ein: "Keine Experimente" lautet damals seine Botschaft. Die Grünen zogen 1983 mit "Rettet den Wald" in den Bundestag ein – Slogans spiegeln Zeitgeist wider.

Eine Ausstellung zeigt historische Wahlplakate verschiedener Parteien.
Konrad Adenauer mit dem Spruch "Keine Experimente!" ist das wohl bekannteste Wahlplakat der bundesdeutschen Geschichte. Mit ihm holte die CDU 1957 mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Quelle: dpa

Genau wie die Bildsprache. Manches, was einst als provokativ galt, ist längst gewohnt: Zwei schwule Männer auf einem SPD-Plakat aus den 90er Jahren etwa. Der Frauenpo in hautenger Jeans mit "CDU" und dem Slogan "Passt" gilt heute als sexistisch.

Für ein "modernes Deutschland" wirbt die CDU heute mit ihrem Vorsitzenden Armin Laschet, der lächelt dazu mit leicht hängenden Mundwinkeln in schwarz-rot-goldener Umrandung. Die Grünen haben auf viel Grün gesetzt und auf gleich beide Vorsitzende auf den Großflächenplakaten, die "zuhören und zutrauen" wollen - Annalena Baerbock allein schien offenbar zu riskant.

nnalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin, steht zur Enthüllung eines Großflächenplakats der Grünen vor dem Plakat mit der Aufschrift "Unser Land kann viel, wenn man es lässt".
Auffallend bei der Kampagne der Grünen: die Nicht-Inszenierung ihrer Kanzlerkandidatin.
Quelle: dpa

Auffallen, aber nicht polarisieren

Die CDU zeigt auch, dass Parteien im digitalen Zeitalter mit großer Transparenz jedes Risiko scheuen: Sie hat gleich das Personal aus der Parteizentrale als Polizistin oder Pflegerin verkleidet - statt Models sind jetzt also Mitarbeiterinnen auf den Plakaten.

Begründung: Man habe Polizistin und Pflegerin nicht die Zeit stehlen wollen. Stimmig ist das nicht, Wählerinnen und Wähler haben schließlich ein Gefühl dafür, ob sie ernst genommen werden.

Plakate 2021 sollen auffallen, aber nicht polarisieren: Die meisten Wähler seien in der Mitte zu finden, sagt Politikwissenschaftler Korte. Daher zielten die Parteien meist dorthin und in der der Mitte gebe es eben wenig Polarisierung.

Die Satirepartei "Die Partei" bietet da den Wahlplakategenerator für alle an, die selbst mal mit Begriffen wie "Deutschland", "Zukunft" oder "Kompetenz" hantieren möchten. Das eigene Wahlplakat kann hochgeladen werden und wer Glück hat, sieht es dann auch auf der Straße - "Die Partei" will das beste Plakat auswählen, drucken und aufhängen.

Dorthe Ferber leitet das ZDF-Studio in Nordrhein Westfalen.

Deutscher Bundestag und ein Liniendiagramm zu historischen Umfragen
Grafiken

Stimmung in Deutschland - Bundestagswahl: Wie steht es in den Umfragen? 

Welche Partei liegt vorne? Wen wünschen sich die Deutschen ins Kanzleramt? Welche Themen sind am wichtigsten? Die Zahlen zur Bundestagswahl immer aktuell im Überblick.

von Robert Meyer
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.