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Was hinter den Waldkraiburg-Anschlägen steckt

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Angriffe auf türkische Läden - Was hinter den Waldkraiburg-Anschlägen steckt

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Geschäfte türkischstämmiger Inhaber sind in Waldkraiburg Ziel von Anschlägen geworden. Die Ermittler haben nun einen Verdächtigen festgenommen. Wer ist er - und was war sein Motiv?

Eine Serie von Anschlägen auf türkische Geschäfte in Waldkraiburg ist den Ermittlern zufolge aufgeklärt. Der festgenommene 25-Jährige hat mit der IS-Terrormiliz sympathisiert und die Tat gestanden.

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Was ist in Waldkraiburg passiert?

Seit April waren in Waldkraiburg die Scheiben mehrerer türkischer Läden eingeschlagen und in einem Fall ein Feuer gelegt worden. Als Erstes waren in der Nacht zum 17. April die Scheiben eines Friseurladens eingeschlagen worden.

Dann folgten ähnliche Attacken auf eine Gaststätte, zuletzt in der Nacht auf den 6. Mai auf einen Imbiss. Dort wurde jeweils eine Flüssigkeit verteilt, die wie Buttersäure stank. Um was es sich dabei handelte, war zunächst unklar.

Attacke gegen türkischen Imbiss in Waldkraiburg. Archivbild
Bei diesem türkischen Imbiss in Waldkraiburg wurden die Fenster eingeschlagen.
Quelle: Matthias Balk/dpa

In der Nacht zum 27. April ging ein Gemüseladen in Flammen auf. Dabei konnte Schlimmeres nur verhindert werden, weil ein Hausbewohner die Feuerwehr alarmierte, die sehr schnell eingriff. Die Flammen hätten sich mit rasendem Tempo ausgebreitet. In dem Haus lebten 27 Menschen.

Wie kam es zu der Festnahme?

Am Freitagabend wurde ein Mann überprüft, weil er in einer Regionalbahn keine gültige Fahrkarte dabei hatte. Bei der Kontrolle fand die Bundespolizei in seinem Gepäck zehn funktionsfähige Rohrbomben, später in einem Wagen und der Wohnung des Mannes Sprengstoff und weiteres Material.

Wer ist der Festgenommene?

Es handelt sich um einen 25-Jährigen, der in Deutschland zur Welt kam. Der Tatverdächtige ist den Polizeiangaben zufolge selbst deutscher Staatsbürger, seine Eltern stammen aus der Türkei.

Der festgenommene Mann habe sich selbst in den Vernehmungen als "Bombenleger" von Waldkraiburg bezeichnet, teilte die Polizei mit. Die Ermittler sprachen von einer narzisstischen Persönlichkeit. Der Mann habe offenbar die Aufmerksamkeit genossen, die ihm zuteil wurde.

Zuvor war er nur zweimal durch kleinere Drogendelikte aufgefallen. Er habe eine normale Entwicklung durchlaufen und eine Lehre als Einzelhandelskaufmann gemacht, sich dann aber zunehmend radikalisiert, so die Behörden.

Was sind die Tatmotive?

Hass auf türkische Mitbürger im Zusammenhang mit seiner Anhängerschaft zum "Islamischen Staat" hat der Festgenommene laut Ermittlern als Motiv geäußert. Ein Motiv in Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Türken und Kurden habe er "definitiv verneint", teilten die Behörden mit.

Die Ermittler zweifeln nicht, "dass es sich tatsächlich um diejenige Person handelt, die die vier Anschläge in Waldkraiburg begangen hat", sagte der leitende Staatsanwalt Georg Freutsmiedl.

Was wirft die Staatsanwaltschaft dem Verdächtigen vor?

Dem mutmaßlichen Täter wird neben schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung auch versuchter Mord in 27 Fällen vorgeworfen.

Hatte der Festgenommene weitere Anschläge geplant?

Ja. Konkrete Pläne gab es ersten Ermittlungen zufolge offenbar aber nicht. Bei dem Mann seien Rohrbomben sowie eine Pistole gefunden worden.

Ob der Mann Mittäter oder Mitwisser hatte, wird noch ermittelt. Das teilten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz mit. Es gehe nicht zuletzt um die Herkunft der Waffe, den Verkäufer sowie die weiteren Pläne, sagte Staatsanwalt Freutsmiedl.

Wir haben mit der erfolgreichen Festnahme eines gefährlichen Mannes am Freitagabend weitere schwere Gewalttaten, vermutlich sogar Anschläge verhindert.
Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayen Süd

Wie kam es zur Festnahme?

Der Mann war am Freitagabend am Bahnhof in Mühldorf am Inn von der Bundespolizei überprüft worden, weil er bei einer Kontrolle nicht im Besitz einer gültigen Fahrkarte war. In seinem Gepäck wurden den Angaben zufolge zehn funktionsfähige Rohrbomben gefunden.

In einem Wagen in einer Tiefgarage in Garching fanden die Ermittler 13 weitere funktionsfähige Rohrbomben sowie etwa zehn Kilogramm einer als Sprengstoff geeigneten Chemikalie. In der Waldkraiburger Wohnung des Mannes stellten die Beamten weiteres Material sowie die Pistole sicher.

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