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Waldsterben 2.0 - Der deutsche Wald trocknet aus

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Der Wald in Deutschland stirbt. Das ist schon seit einiger Zeit so. Nun machen ihm zusätzlich auch noch Hitze und gravierender Regenmangel zu schaffen.

Wie Deutschlands Wälder sterben

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Die ersten drei Monate dieses Jahres waren laut Deutschem Wetterdienst in Europa das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren. Darüber hinaus hat es im März und April deutlich weniger geregnet als sonst zu dieser Jahreszeit.

Und ob es im Mai ausreichend regnet, muss sich erst noch zeigen. Ein zu warmer Winter und ein zu trockenes Frühjahr folgen auf die zu warmen und zu trockenen Jahre 2018 und 2019. Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar.

Hunderttausende Bäume vertrocknen, gehen in Flammen auf oder fallen Borkenkäfern, Pilzen, Bakterien und Viren zum Opfer. Dabei ist gerade der intakte Wald einer der wichtigsten Gegenspieler des Klimawandels.

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Riesige Flächen gehen verloren

Karl-Heinz Kaiser, Leiter des Forstbetriebsbezirks "Kuhhelle" in Lennestadt im Sauerland, hat seine 2.500 Setzlinge aus der Baumschule abgeholt. "Aber nur, weil ich sie vorbestellt habe." Ob sie dieses Jahr auch anwachsen werden - völlig ungewiss.

Dabei ist der Bedarf an nachwachsenden Bäumen im südlichen Sauerland sehr groß. Die Trockenheit der letzten Jahre hat zu einem extremen Borkenkäferbefall geführt. Experten schätzen, dass bis zum Ende dieses Jahres in Deutschland ein Waldfläche von 400.000 Hektar unwiederbringlich verloren sein werden - das ist eine Fläche fast zweimal so groß wie das Saarland.

Die Zukunft des sauerländischen Waldes kann man nach Meinung von Karl-Heinz Kaiser auf dem Standort eines ehemaligen Fichtenwaldes besichtigen, der 2007 durch das Sturmtief "Kyrill" zu Fall gebracht wurde. Alle Aufforstungsversuche und auch die natürliche Aussaat durch benachbarte Bäume schlugen fehl. "Das ist Steppen-Buschlandschaft, wie es sie in anderen Erdteilen gibt", kommentiert Kaiser die kahle Fläche auf der Bergkuppe.

Auch der Mischwald stirbt

Doch nicht nur der deutsche Wirtschaftswald mit seinen Monokulturen steht auf der Kippe. Matthias Köller von der Försterei Maienpfuhl im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist stolz auf seinen naturnahen Mischwald, den er seit 30 Jahren nachhaltig bewirtschaftet.

Zwei Drittel seines Waldes machen Buchen und Eichen aus. Unter großen, zum Teil mehrere hundert Jahre alten Bäumen, wachsen kleinere heran - ganz allein, durch natürliche Aussaat. Die Artenvielfalt und die nachhaltige Bewirtschaftung stärken den Wald gegenüber Krankheiten und anderen Stressfaktoren wie dem Klimawandel.

Unter Waldökologen ist das die gängige Meinung, und so dachte auch Köller - bis vor kurzem. In diesem Winter begutachtete er wie jedes Jahr seinen Waldbestand. Das Ergebnis: 80 Prozent seiner Eichen und 50 Prozent der Buchen kämpfen ums Überleben.

Trockenheit als Todesurteil

"Wenn Bäume schreien könnten, hätten wir im Wald ohrenbetäubenden Lärm", sagt Manfred Großmann, Chef des Nationalparks Hainich, auf Exkursionen durch einen der größten Buchenwälder Deutschlands, der - mitten in Thüringen gelegen - zum Teil noch über Urwald verfügt.

Wenn Bäume schreien könnten, hätten wir im Wald ohrenbetäubenden Lärm.
Manfred Großmann, Chef des Nationalparks Hainich

Noch vor zwei Jahren war Großmann angesichts der Schäden in den Thüringer Fichtenwäldern, die mit standortfremden Bäumen auf reine Wirtschaftlichkeit hin ausgelegt sind, der Meinung, dass die Buchen im Nationalpark Hainich der Trockenheit trotzen können. Nur einen Sommer später sind rund 300 Hektar seines Nationalparks nachhaltig geschädigt - mitten im August 2019 Jahres warfen viele Buchen die Blätter ab. Und jetzt im Frühjahr 2020 stellt Großmann fest, dass ein großer Teil der Buchen, die im letzten Jahr frühzeitig ihr Laub abwarfen, tot sind.

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