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Das rechte Leben des Stephan Ernst

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Mordfall Lübcke - Das rechte Leben des Stephan Ernst

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Im Prozess um den Mord an Walter Lübcke hat der mutmaßliche Täter Stephan Ernst den tödlichen Schuss gestanden. ZDF-Recherchen geben Einblick in sein Leben.

Im Prozess um den Mord an Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke räumt der Hauptangeklagte Stephan Ernst den tödlichen Schuss ein. Er ließ seinen Anwalt das Geständnis verlesen.

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Der Mord an dem Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in der Nacht zum 2. Juni 2019 erschütterte ganz Deutschland. Eine Hautschuppe auf der Kleidung des Opfers bringt die Ermittler auf die Spur von Stephan Ernst.

Der legt nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab. Er führt die Polizei zu einem Waffendepot und zur Mordwaffe. Später widerruft Ernst sein Geständnis und beschuldigt seinen langjährigen Weggefährten Markus H., versehentlich den tödlichen Schuss abgeben zu haben. An diesem Mittwoch hat Ernst vor Gericht dann aber sein Geständnis wiederholt und den tödlichen Schuss eingeräumt.

Die Vergangenheit von Stephan Ernst

Ernst war jahrelang NPD-Mitglied. In der Kassler Neonazi-Szene ist er tief verankert. Schon früh fällt er durch Alltagskriminalität und extreme politische Gewalttaten auf. 1995 wird er zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren Haft verurteilt. Im Urteil, das dem ZDF vorliegt, diagnostiziert der Gerichtsgutachter bei Ernst eine Borderline- Persönlichkeitsstörung. Die Merkmale: emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle.

Flatterband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung». Archivbild

Chronologie -
Der Lübcke-Prozess: Was bisher geschah
 

Stephan Ernst steht im Fall Lübcke unter Anklage. Nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten findet der Prozess gegen insgesamt zwei Verdächtige statt. Eine Chronologie.

Rückzug und bürgerliche Existenz

Stephan Ernst hadert angeblich nach einer Schlägerei in Dortmund 2009 mit der rechtsextremen Szene. Über seinen Anwalt beantwortet er exklusiv die Fragen des ZDF. So schreibt er:

Ich spreche mich nicht frei, denn auch ich habe an umstrittene Thesen geglaubt und daran mitgearbeitet. Dennoch konnte ich wesentliche Ansichten nicht mehr nachvollziehen und teilen.
Stephan Ernst

Ernst baut sich in Kassel eine kleinbürgerliche Existenz auf, der rechtsextreme Gewalttäter wird Familienvater. Laut hessischem Verfassungsschutz sei Ernst bis zu den Ermittlungen im Mordfall Lübcke nicht mehr in Erscheinung getreten und stand wohl auch nicht mehr im Fokus der hessischen Behörden.

Warum wird Stephan Ernst mutmaßlich wieder zum Täter?

Stephan Ernst und Markus H. kannten sich noch aus der Szene, bevor Ernst sich zurückgezogen hat. Im Schützenverein Sandershausen und auf der Arbeitsstelle von Ernst treffen beide nach Jahren wieder aufeinander. Sie verbindet schließlich eine Freundschaft, in der H. den Ton angegeben haben soll.

Der neue alte Freund H. soll eine zentrale Rolle bei der Beschaffung der Waffen von Stephan Ernst gespielt haben. Frühere Weggefährten aus der rechtsextremen Szene sehen die Person H. kritisch. Sie beschreiben ihn als Agitator, als einen der andere aufstachelt und instrumentalisiert. Im Leben von Stephan Ernst war H. jetzt allgegenwärtig. Hat er Ernst re-radikalisiert?

Im Mordprozess Lübcke ist einer der beiden Verteidiger des Angeklagten Stephan Ernst abberufen worden. Das teilte das Oberlandesgericht Frankfurt mit. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Anwalt und seinem Mandanten sei nachvollziehbar zerrüttet.

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Rechtsextremes Netzwerk oder Einzeltäter?

Es ist immer wieder die nordhessische Neonaziszene und immer wieder dieselben Personen. Beobachter gehen davon aus, dass es sich um ein gewaltbereites rechtsextremes Netzwerk handelt. Ernst bestreitet das im Prozess.

Tatsächlich aber gibt es gewichtige Hinweise auf weitere Mitwisser oder Mittäter. Nach bislang unveröffentlichten Ermittlungsunterlagen der Bundesanwaltschaft, die dem ZDF vorliegen gab es vor der und nach der Tat auffällige Anfragen bei der Suchmaschine Google, die nicht von Ernst oder H. stammen können.

In einer Bewertung der Ermittlungsbehörde heißt es: "Es besteht daher der Verdacht, dass sich ein Mittäter oder ein Auftraggeber […] informieren wollte." Außerdem schreiben die Ermittler, nur jemand, der "zum Zeitpunkt der Abfrage" schon wusste, dass Dr. Walter Lübcke durch einen Kofschuss getötet wurde, die "Suchanfrage gestellt haben" könne. Also gibt es doch Mitwisser oder sogar Komplizen?

Im April 2020 hat die Bundesanwaltschaft Anklage erhoben, seit dem 16. Juni wird der Mordfall Lübcke vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verhandelt.

Der gewaltsame Tod von Walter Lübcke im Juni 2019 erschüttert Deutschland. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird ein Politiker mutmaßlich von einem Rechtsextremisten ermordet.

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