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Verwirrung um Ex-Sowjetrepublik - Warum Weißrussland plötzlich Belarus heißt

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Noch bei den Olympischen Spielen sprachen alle von "Weißrussland", nun wird das Land in der Öffentlichkeit fast nur noch "Belarus" genannt. Welche Bezeichnung ist denn nun besser?

Flagge von Belarus (Weißrussland)
Quelle: publicaddress

Die meisten Deutschen verwenden den Namen "Weißrussland" ganz selbstverständlich. Es ist nun mal das deutsche Wort für das Land, das sich selbst "Belarus" nennt. So, wie wir auch Frankreich sagen statt "la France" oder Spanien statt "España".

Dabei ist "Belarus" nicht die genaue Übersetzung von "Weißrussland", wie es auf den ersten Blick scheinen mag: "Bela" heißt zwar übersetzt weiß, doch "Rus" steht für ein mittelalterliches Gebiet in Osteuropa, Vorläufer der Staaten Belarus, Ukraine und Russlands - "Rus" ist eben nicht gleichbedeutend mit Russland.

Umgangssprachlich okay, politisch fragwürdig

"Umgangssprachlich ist es sicherlich okay, von 'Weißrussland' zu sprechen", erläutert Sven Gerst, Kings-College-Doktorand im Gespräch mit ZDFheute. Doch der Belarus-Experte plädiert dafür, sich lieber an die Empfehlung der belarusisch-deutschen Geschichtskommission zu halten, die den offiziellen Namen vorzieht. Medien, Politiker, offizielle Stellen und auch die Bundesregierung verwenden heute in der Regel nur noch die offizielle Bezeichnung.

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Der Grund: "Das Land war in seiner Geschichte immer Teil größerer Regionalmächte", so Gerst. "Spricht man von 'Weißrussland', klingt das immer noch so, als wäre das Land irgendwie ein Teil von Russland." Das sei für viele Belarusen problematisch, die sich nie auf Identitätsfindung hätten begeben können, so Gerst.

Und gerade Präsident Lukaschenko stehe noch immer für eine größere Nähe zu Russland - doch der Opposition gehe es um Unabhängigkeit.

Deshalb ist es gerade jetzt, wo das Land zum ersten Mal im Zentrum der Weltöffentlichkeit steht, für viele Belarusen schwer erträglich, wenn ihr Land 'Weißrussland' genannt wird. Belarusen sind ja keine Russen. Sie haben ihre eigene Identität.
Sven Gerst, Belarus-Experte

Fazit: Umgangssprachlich ist der Begriff "Weißrussland" okay, politisch ist er problematisch - viele Belarusen haben ein Problem damit, wenn sie als Teil von Russland angesehen werden.

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