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Lüscher: "Nobelpreis ein Signal an die Welt"

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Welternährungsprogramm geehrt - Lüscher: "Nobelpreis ein Signal an die Welt"

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Jubel über den Nobelpreis, Sorge um die Zukunft: Corona plus Klimawandel, "das ist ein furchtbar gefährlicher Cocktail für die Ärmsten", sorgt sich WFP-Sprecherin Lüscher im ZDF.

"Tausende von meinen Kollegen riskieren in sehr gefährlichen Ländern ihr Leben", sagt Bettina Lüscher vom Welternährungsprogramm. Millionen Menschen leiden an Hunger, die meisten in Kriegsgebieten. Corona und der Klimawandel verschärfen die Situation.

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Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie hier die zentralen Aussagen von Bettina Lüscher.

Der Nobelpreis ist wichtig für das WFP, denn...

"...er ist ein Signal an die Welt. 690 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger und die meisten von denen sind in Kriegsgebieten. Es gibt einen furchtbaren Kreislauf zwischen Krieg und Hunger. Darauf wollte das Komitee hinweisen. Dieser Preis geht vor allem an die Kollegen im Feld. Tausende riskieren ihr Leben, werden angegriffen, viele haben ihre Familien monatelang nicht gesehen, und das in Zeiten von Corona. Der Preis geht dahin."

Der Nobelpreis ist nicht nur ein Symbol, sondern ...

"...ein politisches Zeichen. Die haben diesen Kreislauf erkannt, wie schwer das ist. Wir müssen uns immer daran erinnern, für wen wen wir die Arbeit machen. Das sind hungernde Kinder, hungernde Mütter, alte Menschen, Zivilisten in Krisengebieten, die warten darauf, dass sie angehört werden."

Dieser Preis für das Welternährungsprogramm ist das Megaphon, um an die alten Männer mit Macht und an die Junge mit Waffen zu appellieren, diese Kriege zu stoppen.

Der Nobelpreis hilft, mehr Spenden einzusammeln, denn...

"...wir als Hilfsorganisation sind hundert Prozent auf freiwillige Zuwendungen angewiesen. Wir hoffen, dass die großen Länder noch mehr tun.  Dieses Jahr sah es gut aus, letztes Jahr sah es auch gut aus - aber wir machen uns große Sorgen, wo Gelder die nächsten Jahre herkommen und was in den nächsten Jahren passieren wird.

Das Welternährungsprogramm der UN erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis. Das WFP wird für seinen Kampf gegen Hunger und für Frieden in Konfliktgebieten geehrt.

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Allein in den nächsten sechs Monaten brauchen wir mehr als fünf Milliarden Dollar. Deutschland ist übrigens an Platz zwei der Geberländer. Das ist großartig. Aber wir machen uns Sorgen, wo die Gelder in Zukunft herkommen werden. Das, was wir brauchen, ist nur ein Bruchteil all dieser Milliarden, die jetzt für die Wirtschaft in Corona-Zeiten ausgegeben werden."

Wir dürfen die Schwächsten der Welt nicht vergessen.

Corona hat unsere Arbeit konkret verändert, denn...

"...wir mussten erst einmal einspringen. An einem Punkt waren wir die größte Luftlinie der Welt. Wir haben Flugzeuge engagiert, um Helfer in die schwierigen Gebiete zu transportieren. Die große Sorge, die wir jetzt haben ist, dass die wirtschaftlichen und die sozialen Konsequenzen von Corona noch viel größer und schlimmer sind als Corona selber. Wir wissen, dass 270 Millionen Menschen - fast doppelt soviele wie letztes Jahr - Hunger leiden werden. Das raubt uns den Schlaf."

Corona und Klimawandel sind schlimm, denn...

"...da kommt alles so zusammen. Unser größter Feind sind Konflikte, dazu aber kommen jetzt die Klimakrisen. Dürren über Dürren, Hurrrikans über Hurrikans. Wir helfen den Menschen vor Ort, besser damit umzugehen. Aber es ist ein furchtbar gefährlicher Cocktail, der für die Schwächsten dieser Welt hochgefährlich ist.

Corona ist keineswegs der große Gleichmacher, sondern das Virus zeigt die großen Differenzen zwischen denen, denen es gut geht und denjenigen, die im Jemen sind, im Sudan, in Syrien – denen also, die wirklich leiden.

Das Interview, das wir hier in gekürzter Fassung wiedergeben, führte Nazan Gökdemir.

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