Sie sind hier:

Netz-Autorin Paßmann zum 8. März - "Viele Frauen machen sich gegenseitig fertig"

Datum:

Alte weiße Männer, frauenverachtende Rapper - Autorin Sophie Paßmann nimmt es mit ihnen auf und erklärt zum Weltfrauentag bei heute.de, warum Urfeminismus nicht angeboren ist.

Sophie Passmann
Influencerin Sophie Paßmann zum Weltfrauentag: "Die meisten Frauen fänden es einfach super, wenn ihnen keine Gewalt angedroht wird, einfach weil sie Frauen sind."
Quelle: Julia von der Heide

heute.de: Frauen werden überproportional häufig Opfer von Gewalt – insbesondere jene, die sich für Entwicklungsprozesse in der Gesellschaft einsetzen. Zu dem Ergebnis kommt eine international angelegte Studie. Was löst so eine Nachricht in Ihnen aus?

Sophie Paßmann: Ich finde es wichtig, so etwas wissenschaftlich zu untersuchen, persönlich überrascht mich das Ergebnis aber nicht besonders, weil ich ja eine dieser Frauen bin, die sich für Entwicklung einsetzen, und ich erhalte deshalb oft sehr ablehnende Reaktionen. Das demoralisiert mich an manchen Tagen, an anderen macht es mich aber noch krawalliger.

heute.de: Wie erleben Sie die Situation bei uns für Frauen in Deutschland?

Paßmann: Am lächerlichsten finde ich es, wenn irgendwelche Männer, die sich grundsätzlich nicht für Frauenrechte interessieren, dann in feministischen Diskussionen die Situation der Frau im Iran anbringen, mit dem Versuch, beide Diskussionen zu beenden. Nach dem Motto: "Erika, halt‘s Maul – es gibt Frauen, denen geht es noch viel schlechter als dir!" Sie untermauern damit schlicht ihr Desinteresse an Frauen überall.

Werden die Zwanziger das Jahrzehnt der Frauen? Dieser Frage geht dieses Video nach:

heute.de: Woher, glauben Sie, rühren Desinteresse und Aggressionen?

Paßmann: Frauenhass gibt es seit vielen Jahrhunderten. Hinzu kommt, dass man in der Öffentlichkeit immer noch Frauen mit intellektueller Meinung schlechter erträgt als Männer.

heute.de: Haben Sie das persönlich so erfahren?

Paßmann: Ja.

heute.de: Trifft Ihre Einschätzung Frauen und Männer gleichermaßen?

Paßmann: Ich denke, bei Frauen ist die Bereitschaft, andere Frauen als intellektuelle Wesen anzuerkennen, wesentlich höher als bei Männern. Aber: Viele Frauen machen sich auch gegenseitig fertig.

Frauen kommen nicht auf die Welt und sind sofort urfeministisch.

Wir werden alle durch unser Umfeld, unsere sexistische Gesellschaft geprägt. Das heißt: Auch Frauen haben ganz viele Dinge verinnerlicht, die frauenfeindlich sind. Das klingt erstmal absurd, aber ist gar nicht so überraschend. Nehmen wir Frauen, die sich gegen eine Frauenquote aussprechen, und zwar, weil sie wissen, dass sie dafür Anerkennung bekommen, vor allem von Männern!

Kultur | Dein Buch -
Alte weiße Männer
 

Ein Buchtipp von Jo Schück

Videolänge
1 min

heute.de: Wie sieht ein kluger, durchsetzungsfähiger Einsatz für die Rechte der Frauen und Gleichberechtigung für Sie heute aus?

Paßmann: Das Patriarchat lässt sich nicht in wenigen Jahren abschaffen, weil es ein auf vielen Ebenen existierendes System ist. Aber es beginnt zum Beispiel damit, auch der Mann regelmäßig die Spülmaschine einräumt … und nicht nur zwei Monate in Elternzeit geht. Außerdem sollten bestimmte Dinge einfach nicht mehr zur Diskussion stehen.

Nehmen wir die frauenverachtenden Texte einiger Rapper: Die verdienen sehr viel Geld damit, öffentlich darüber zu fantasieren, wie genau man am besten eine Frau vergewaltigt.

Wenn es dann heißt "Kunstfreiheit" und "Selber schuld, wenn ihr euch angegriffen fühlt", deprimiert mich das intellektuell. Die meisten Frauen fänden es einfach super, wenn ihnen keine Gewalt angedroht wird, einfach weil sie Frauen sind. Frauenverachtung wird durch manche Rapper und Comedians unglaublich etabliert. In der Politik wünsche ich mir Parteien, die Frauenrechte tatsächlich ernstnehmen und nicht einfach als Zeitgeistinstrument im Kampf um Wählerstimmen verstehen.

heute.de: Was haben Sie eigentlich an diesem Sonntag vor?

Paßmann: Ich bin am Weltfrauentag grundsätzlich und aus Überzeugung unfreundlich zu Männern. Das ist mein einziges Vorhaben.

heute.de: Nicht wirklich, oder?

Paßmann: (lacht laut) Nein, Quatsch. Ich mach nix und ich lass mir auch weder einen Kuchen backen noch Blumen überreichen. Ich verbringe diesen Sonntag wie jeden Sonntag: Ich lese Zeitung und bin wütend.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

Archiv: Das Bild zeigt die Beine von vielen Männern in Anzughosen und die Beine von einer Frau mit Strümpfen und Pumps.

Frauen in Führungspositionen -
Fünf Jahre Quote - Erfolg oder Ernüchterung?
 

Vor fünf Jahren beschloss der Bundestag eine Frauenquote für Aufsichtsräte in Unternehmen. Tatsächlich gibt es heute mehr Frauen in Führungspositionen - mit einem großen Makel.

von Katja Belousova
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.