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Premiere vor 50 Jahren - Wie in Davos das Weltwirtschaftsforum entstand

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Seit 50 Jahren treffen sich Entscheider und Wissenschaftler in Davos und sprechen über globale Probleme. Für diese Idee ist 1970 ein Mann ein ziemliches Risiko eingegangen.

Blick in das Congress-Zentrum in Davos
Blick in das Congress-Zentrum in Davos: Am Anfang hieß die Veranstaltung "European Management Forum".
Quelle: EPA

Als vor 50 Jahren der 31-jährige Klaus Schwab das erste Management-Treffen in den Schweizer Bergen aus der Taufe hob, gelang ihm das nur mit finanzieller Unterstützung seiner Eltern, die an seine Idee glaubten. Der junge Wissenschaftler nahm zusätzlich einen Kredit bei einem Möbelunternehmen auf. Die Bedingungen seien speziell gewesen, verriet Schwab kürzlich in einem Interview mit der Schweizer Boulevardzeitung "Blick".

Im Falle eines Scheiterns sollte er in der Firma eine hohe Position einnehmen und den Kredit "abarbeiten". Aber das Forum wurde ein Erfolg. 300 Gäste folgten 1971 der Einladung in die Davoser Bergwelt, um dort ganze zwei Wochen über die "amerikanische Herausforderung" zu diskutieren. Henry Kissinger gehörte zu den ersten Gästen.

Vernetzung sollte die Welt verbessern

"European Management Forum" nannte Schwab die ersten Treffen. Schon damals hatte er die Vision, durch die Vernetzung unterschiedlicher Interessengruppen die Welt verbessern zu können. Und er war überzeugt, dass Unternehmer nicht nur dem kurzfristigen Gewinn, sondern auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden müssten.

Die Schirmherrschaft übernahm die Europäische Kommission, deren damaligen Präsidenten Jean Rey der junge Harvardabsolvent angeschrieben und um Unterstützung gebeten hatte. Die Brüsseler schätzten an seiner Konzeption, dass er wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Nachhaltigkeit zu verbinden suchte. Schwab blieb den Brüsseler Institutionen bis heute eng verbunden.

Wegweisend war das erste Forum aber auch in persönlicher Hinsicht. Auf die erste Assistentenstelle bewarb sich eine junge Schweizerin, die schon ein halbes Jahr später seine Ehefrau wurde und bis heute als seine engste Beraterin gilt. Hilde Schwab ist es zu verdanken, dass das spezielle Programm für Ehefrauen früh abgeschafft und das Konferenzproramm auch für Ehepartner zugänglich wurde. Auch finanziell gelang schon 1971 der Start. Schwab konnte seinen Kredit zurückzahlen und gründete mit den 27.000 Franken, die ihm als Gewinn blieben, eine Stiftung. Heute ist sie das Lebenswerk des Ehepaars Schwab.

Gespür für brennende Zeitfragen

In der Rückschau entwickelte sich das Forum nahezu kontinuierlich zu einer Erfolgsgeschichte. Schwab hatte ein nahezu untrügliches Gespür für brennende Zeitfragen. Noch vor der Ölkrise in den siebziger Jahren thematisierte er die Frage der begrenzten Ressource. Globale Fragen prägten mehr und mehr die Agenda - 1987 wurde das europäische Treffen in "Weltwirtschaftsforum" umbenannt, es wurde zu einer internationalen "Globalisierungswerkstatt". Nur einmal gab es in Davos einen handfesten Skandal.

2001 sollte zwischen Palästinenserführer Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Perez ein Friedensabkommen unterzeichnet werden. Arafat hielt jedoch eine so feindliche Rede, dass der Plan scheiterte.

Archiv: Hilde und Klaus Schwab am 22.01.2018 in Davos (Schweiz)
Hilde und Klaus Schwab beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum.
Quelle: Hilde und Klaus Schwab

Staats- und Regierungschefs aller Länder trafen sich - ausschließlich auf Einladung - in Davos, um in erhabener Bergkulisse und ungestört zu diskutieren. Die Teilnehmerzahl wurde auf 3.000 begrenzt. Der elitäre Rahmen führte zu wachsender Kritik, die Schwab aufzugreifen versuchte. Er gründete das "Open Forum", das für ein breites Publikum zugänglich ist. 

Kritikern gegenüber betont er zudem immer wieder, dass es ihm immer wichtig war, unterschiedliche Ansichten in Diskussionen zusammen zu führen. In sein Netzwerk für "Young Global Players" für  Führungskräfte unter 40 Jahren wurde vor bald 25 Jahren auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgenommen.

In Davos versammeln 500 Milliarden Dollar

Ein Treffpunkt für die Reichen und Mächtigen ist es aber unbestritten. Laut Bloomberg kommen auch 2020 19 Milliardäre nach Davos. Dort versammelt sich dann ein Vermögen von rund 500 Milliarden Dollar.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Weltwirtschaftsforum auf die Tage in Davos begrenzt. Doch die Stiftung in Genf ist längst zu einem mittelständischen Unternehmen herangewachsen. Veranstaltungen ziehen sich durch das ganze Jahr. Die Schwabs gründeten eine Stiftung für "Soziales Unternehmertum", um die sich vor allem Hilde Schwab kümmert, die auch als das "soziale Gewissen" des Forums gilt.

Es gibt "Mini-Davos"-Foren in den USA, in China, zahlreiche Länderveranstaltungen. In San Francisco werden im Verbund mit zahlreichen Partnerunternehmen die Folgen der "vierten Industriellen Revolution" erforscht. Bereichsübergreifendes vernetztes Denken - hier liegt für den bekennenden Weltverbesserer der Schlüssel zur Lösung komplexer Probleme. Er wolle, hat er kürzlich in einem Interview gesagt, "keine Apps entwickeln, sondern möglichst viele zusammenbringen".

Ein Thema ist drängender als alle anderen

Doch noch nie erschien in Davos ein Thema so drängend wie der Klimawandel und seine Folgen, die immer konkreter werden. Das Zeitfenster zum Handeln sei klein, so Schwab in seiner Pressekonferenz zu den Schwerpunkten des Forums, es müsse gehandelt werden. Wohl auch deshalb hat er im Vorfeld der Jubiläumskonferenz auch an alle CEOs geschrieben und sie aufgefordert, klare Ziele zu benennen. Die Botschaft ist klar. Die Zeit der Ankündigungen ist vorbei. Jetzt muss geliefert werden.

Susanne Biedenkopf-Kürten leitet die ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Service, Soziales und Umwelt.

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