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Klimaneutral bis 2050 – wie gelingt das?

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Studie zur Klimaneutralität - Klimaneutral bis 2050 – wie gelingt das?

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Im Pariser Klimaabkommen ist festgehalten: Bis 2050 soll Deutschland Klimaneutral werden. Was passieren muss, damit das gelingen kann, zeigt jetzt eine neue Studie.

Schüler kämpfen für das Klima der Erde
Quelle: dpa

Etwa 800 Millionen Tonnen. So viel Treibhausgas wird in Deutschland jährlich ausgestoßen. Das entspricht etwa dem Gewicht von 140-mal der Cheopspyramide in Ägypten. Bis 2050 sollen diese 800 Millionen Tonnen auf nahezu null reduziert werden. Deutschland soll klimaneutral werden.

Die heute veröffentlichte Studie der "Stiftung Klimaneutralität" und der Denkfabrik "Agora Energiewende" befasst sich mit diesem Thema: "Wie kann Deutschland bis 2050 Klimaneutral werden?" Ein Überblick.

Energie

In der Studie ist die Energiewende die "Hauptsäule des Klimaschutzes". Bis 2050 soll kein Strom mehr aus fossilen Brennstoffen, also Kohle, Öl und Gas gewonnen werden. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagt Umweltministerin Svenja Schulze: "Ich gehe davon aus, dass wir 75 Prozent Ökostrom bis 2030 brauchen."

Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt. Archivbild
Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt.
Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Bei dem jetzigen Handeln der Umweltministerin sei das "nicht mal im Ansatz realistisch", sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Es brauche einen "kompletten Politikwechsel", so Graichen gegenüber ZDFheute. Laut der Studie muss der Ausbau an erneuerbaren Energien im Vergleich zu heute verdreifacht werden. In Deutschland wurden 2019 so wenig Windräder gebaut wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Landwirtschaft

Hier gehe es vor allem darum, Methan-Emissionen aus Gülle zu verringern. Zum Beispiel durch Vergärung der Gülle in Biogasanlagen und das Verringern von Massentierhaltung. Anders als in anderen Studien geht diese Studie nicht davon aus, dass in Zukunft exponentiell weniger Fleisch gegessen wird. Es führe kein Weg an der Speicherung und Abschiebung von nicht vermeidbaren Emissionen vorbei, heißt es dort.

Verkehr

Die Studie skizziert ein Szenario, das folgende Voraussetzungen sieht:

  • bis 2035 müssen Elektroautos die Verbrenner von den Straßen verdrängen
  • der Anteil an Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln muss sich verdoppeln
  • die Zahl an Autos insgesamt muss bis 2050 um 30 Prozent sinken
  • Autos mit Verbrennungsmotor verschwinden ganz.

Für das Verkehrsministerium ist allerdings "nicht die entscheidenden Frage", Benziner und Diesel zu reduzieren, wie es auf Anfrage ZDFheute mitteilt. Es ginge vor allem darum, möglichst viele E-Autos auf die Straße zu bringen. Das offizielle Ziel: sieben bis zehn Millionen E-Autos auf der Straße zu haben. Graichen widerspricht:

"Das reicht nicht mal im Ansatz. In unserer Studie gehen wir von dem doppelten aus: 14 Millionen E-Autos
Patrick Graichen

In Deutschland gibt es heute etwa 130.000 E-Autos. Um alleine das Ziel des Verkehrsministeriums zu erreichen, bräuchte es also in zehn Jahren rund 53 mal so viele E-Autos wie jetzt.

Und Corona?

Entgegen vieler Erwartungen wird Deutschland wahrscheinlich sein Klimaziel für 2020 erreichen. Der Grund: die Corona-Pandemie. Weniger Reisen, weniger Wirtschaft, weniger Konsum. Damit sich nicht nach der Pandemie genau die gegenteilige Entwicklung zeigt, brauche es ein "grünes Konjunkturprogramm", sagt Patrick Graichen. "Klima-Investitionen müssen ins Zentrum rücken."

Corona kann also auch eine Chance sein, die Klimapolitik grundlegend zu ändern. "Die nächsten zehn Jahre werden entscheidend sein", sagt Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität und Mitherausgeber der Studie. Die in der Studie vorgeschlagenen Maßnahmen seien nicht alternativlos. Aber: "Wer in einem Sektor spart, muss eben woanders schneller sein", so Baake.

Dem Autor auf Twitter folgen: @nils_hgm

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