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Zu wenig Wildnis in Deutschland

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Rückkehr der Natur? - Zu wenig Wildnis in Deutschland

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Deutschland ist eine der mächtigsten Industrienationen der Erde. Nahezu jeder Quadratmeter des Landes wurde umgegraben oder bebaut. Kann es hier Wildnis geben?

Deutschland ist eine der mächtigsten Industrienationen der Erde. Nahezu jeder Quadratmeter des Landes wurde umgegraben oder bebaut. Wie viel Raum bleibt da für Wildnis?

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Für ursprüngliche Natur ist bei uns kaum noch Platz zwischen Autobahnen, Siedlungen und Agrarflächen. Dennoch möchte Deutschland bis 2020 zwei Prozent der Landesfläche als Wildnis sichern - das hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2007 in ihrer nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Dafür ist zu wenig passiert, mahnt Manuel Schweiger:

Im Moment haben wir einen Wildnis-Anteil von 0,6 Prozent in Deutschland, das heißt von extrem wenig haben wir fast nichts erreicht.
Manuel Schweiger, Initiative Wildnis in Deutschland

Deutschland ist Waldland

Die häufigste natürliche Vegetationsform Mitteleuropas ist Wald. Und den gibt es reichlich in Deutschland, noch immer ist rund ein Drittel des Landes von Wald bedeckt. Ökologisch wertvoll sind jedoch nur kleine Bereiche, denn heute überwiegen bei uns Wirtschaftswälder zur Holzproduktion.

Oft stehen Bäume derselben Art und gleichen Alters in Reihe und Glied, ohne Unterwuchs oder natürliche Dynamik. Nur wenige Tier- und Pflanzenarten können solche Forste als Lebensraum nutzen. Ökologisch wertvoller werden sie, wenn sie sich wild entwickeln dürfen.

Besondere Chancen dafür bieten sich auf ehemaligen militärischen Übungsgebieten. Sie sind zum Teil mit Munition verseucht, wirtschaftlich kaum interessant, schwer zugänglich und groß. Das macht sie zu interessanten Freilandlaboren und zukünftigen Wildnisgebieten. Stürme und Feuer gestalten hier die Landschaft, nicht der Mensch.

Die Bestände von bedrohten Tierarten wie Seeadlern erholen sich spürbar. Der Wolf, der als Innbegriff von Wildnis gilt, feiert ein unerwartetes Comeback. Einzelne Tierarten sollen aber nicht gezielt gefördert werden, sondern die Entwicklung ganzer Systeme, erklärt Schweiger: "Bei Wildnisgebieten geht es nicht darum, irgendeinen Zielzustand zu erreichen. Das Ziel von Wildnis ist lediglich, alle natürlichen Prozesse wieder zuzulassen - der Mensch ist hier nur zu Gast und darf beobachten."

An eigenen Zielen gescheitert

Das Ziel, bis 2020 auf zwei Prozent der Landesfläche wieder Wildnis entstehen zu lassen, hat Deutschland klar verfehlt. Über Jahre hat die Bundesregierung nichts unternommen, um den Plan in die Tat umzusetzen. Derzeit fehlen noch rund 5.000 Quadratkilometer.

Um die eigenen Vorgaben zumindest verspätet erreichen zu können, hat die Bundesregierung einen Wildnisfonds ins Leben gerufen, der ab 2020 jährlich 20 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Jetzt müssen sich nur noch geeignete Flächen für den Kauf finden. An der Natur liegt es jedenfalls nicht. Man muss sich nur dafür entscheiden, ihr mehr Raum und Zeit zu geben. Dann kann die Wildnis zurückkehren - auch in Deutschland.

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