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Energiewende : Wie es um die Windkraft in Deutschland steht

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Nach Russlands Angriff auf die Ukraine will Deutschland so schnell wie möglich unabhängig werden. Die Windkraft soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Aber wo steht Deutschland?

Archiv: Windräder in Niedersachsen am 23.10.2019
Die Windkraft spielt eine zentrale Rolle bei der Energiewende
Quelle: dpa

Der Ukraine-Krieg ist eine "Zeitenwende", gerade in Deutschlands Energiepolitik. Die Bundesregierung will weg von fossilen Energieträgern, muss weg von Abhängigkeiten. Dabei setzt Deutschland vor allem auf den Ausbau erneuerbarer Energien, wobei die Windkraft eine zentrale Rolle spielen soll. Aber wie weit ist Deutschland schon? Und wo liegen die Probleme? Ein Überblick in Grafiken.

Wie groß ist der Anteil von Windenergie in Deutschland?

Bereits jetzt ist Wind der zweitwichtigste Energieträger - und trug 2021 mehr als ein Fünftel zur deutschen Stromerzeugung bei:

  • Kohle: 30,2 Prozent
  • Windkraft: 21,5 Prozent
  • Kernenergie: 12,6 Prozent
  • Erdgas: 12,6 Prozent
  • Photovoltaik: 8,7 Prozent
  • Biogas: 5,8 Prozent
  • Wasserkraft: 3,6 Prozent
  • Sonstige: 5 Prozent
Die Grafik zeigt, dass ein Windrad im Schnitt 2.000 Ein-Personen-Haushalte beziehungsweise 800 3-Personen-Haushalte für ein Jahr mit Strom versorgen kann.
So viele Haushalte versorgt ein Windrad mit Strom.
Quelle: Statistisches Bundesamt

Dabei versorgt jedes Windrad Hunderte Haushalte, wie unsere Grafik zeigt:

Im Jahr 2020 war die Windkraft sogar der wichtigste Energieträger in Deutschland. Ein windarmer Frühling sorgte 2021 aber dafür, dass die aus Windkraft generierte Strommenge um 13,3 Prozent sank - obwohl es mehr Windräder gab als 2020.

Wie viele Windräder stehen aktuell in Deutschland?

Ende 2021 waren in Deutschland 28.230 Windenergieanlagen in Betrieb.

In welchem Bundesland stehen die meisten Windräder?

Die meisten Windräder stehen im Norden der Bundesrepublik, wie unsere Karte zeigt:

Die Grafik zeigt, wie viele Windräder in den einzelnen Bundesländern stehen.
Quelle: Deutsche Windguard

Im Verhältnis zur Fläche sind Bremen (0,21 Windräder pro Quadratkilometer) und Schleswig-Holstein (0,19) die Spitzenreiter beim Ausbau der Windenergie. In Berlin (0,01), Bayern (0,02) und Baden-Württemberg (0,02) ist die Windrad-Dichte dagegen besonders gering.

Warum ist das Gefälle zwischen den Ländern so groß?

Einzelne Regelungen der Bundesländer erschweren seit Jahren den Ausbau. Faktoren wie Windstärke, Naturschutz oder Abstände zu Siedlungen fließen in die Bewertung der Länder ein, ob ein Standort geeignet ist.

Besonders schwer war der Bau von Windanlagen lange Zeit in Bayern. Dort gilt für den Abstand zur nächsten Siedlung die sogenannte 10H-Regel. Die besagt: Ein neues Windrad soll zur nächsten Siedlung einen Mindestabstand vom zehnfachen seiner Höhe einhalten. Eine moderne Anlage, die bis zu 250 Meter hoch sein kann, muss also mindestens 2,5 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt sein.

Erst seit Ende April gibt es in Bayern Ausnahmen von der 10H-Regel, wodurch sich die potenziellen Flächen für Windräder vergrößern.

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Reichen die Flächen für Windkraft in Deutschland aus?

Aktuell sind bundesweit 0,8 Prozent der Landfläche planerisch für eine Nutzung durch die Windenergie festgelegt. Um die für 2045 angepeilte Klimaneutralität zu erreichen, würden allerdings zwei Prozent der Landfläche benötigt.

"Diese zwei Prozent sehen auf den ersten Blick total wenig aus", sagt der Forschungsleiter des Europäischen Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit, Frank Umbach. "Aber auch da muss man eben sehen, dass es kaum freie Flächen gibt."

Eine Chance könnte hier im technischen Fortschritt liegen. "Repowering spielt eine ganz wesentliche Rolle", sagt Umbach, "also die Modernisierung von bestehenden Windkraftanlagen, die sehr viel leistungsfähiger sind." Statt neue Flächen auszuschreiben, wird die Effizienz der bereits genutzten Flächen gesteigert:

Die Grafik zeigt, wie sich der maximale Energieertrag von Windrädern im Laufe der Zeit vervielfacht hat - von 35 MWh im Jahr 1980 auf 67.000 MWh im Jahr 2020.
Quelle: Bundesverband Windenergie

Stichwort Naturschutz: Schaden Windräder nicht der Natur?

Zwar müssen für neue Windräder oft Bäume gerodet werden. Durch eine Wiederaufforstung können diese Verluste aber ausgeglichen werden - auch wenn junge Bäume nicht so viel CO2 speichern wie alte. Entscheidend ist hier:

Es gibt Berechnungen, die zeigen, dass die CO2-Minderung durch Windenergie-Anlagen das CO2-Minderungspotenzial von Waldflächen übersteigt.
Elke Bruns, Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Ein Windrad vermeidet 2.162 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr im Vergleich zu konventionellen Energieträgern - ein Wald, der genauso groß ist, bindet dagegen nur 664 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.
Quelle: Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Den größeren Konflikt, so Bruns, fürchte man beim Artenschutz - dass Vögel und Fledermäuse mit den Windrädern kollidieren könnten.

Sind Windräder wirklich Vogelkiller?

Tatsächlich stellen Windkraftanlagen eine Gefahr für Vögel dar:

Geschätzt sterben jedes Jahr bis zu 100.000 Vögel durch Windräder, 70 Millionen Vögel durch Autos und 20 bis 100 Millionen Vögel durch Hauskatzen.
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Und: Während Hauskatzen und Autos vor allem kleine Vogelarten mit hohen Reproduktionszahlen gefährden, bedrohen Windräder "große, langlebige Vogelarten, die oft nur wenige Jungen pro Saison haben", sagt Ute Eggers vom Naturschutzbund.

Wenn da ein Tier stirbt, ist das für den Erhalt der Population und der Art viel relevanter, als wenn ein Kleinvogel stirbt.
Ute Eggers, Naturschutzbund

Die Kollisionsgefahr kann allerdings verringert werden, sagt Elke Bruns vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende. Wichtig sei, die Brutplätze und Lebensräume der gefährdeten Arten bei der Planung von Windrädern zu berücksichtigen. Ein gemeinsamer Beschluss von Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium hat dabei Standards für den "naturverträglichen Ausbau der Windenergie" festgehalten.

Das Märchen vom bedrohten Greifvogel

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Welche Probleme gibt es noch beim Ausbau der Windenergie?

Frank Umbach, der Forschungsleiter des Europäischen Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit, hebt neben der Suche nach geeigneten Flächen und den Kosten eine sehr praktische Hürde hervor. "In der Umsetzung gibt es ganz erhebliche Probleme", sagt Umbach, "weil wir schlichtweg nicht die Anzahl der Handwerker haben."

Umbach bezweifelt deshalb, dass das Zwischenziel der Politik für 2030 - die Leistung der Windkraft von 56 Gigawatt auf 115 Gigawatt anzuheben - zu erreichen ist. Auch wenn der politische Wille da sei: Die praktische Umsetzung sei eine gigantische Herausforderung.

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Und noch ein Problem existiert weiter: Auch wenn Planungsverfahren beschleunigt und Einspruchsmöglichkeiten von Bürgern und Kommunen eingeschränkt werden - der Widerstand von Bürgerinitiativen auf kommunaler Ebene bleibt.

Manche befürchteten einen erheblichen Wertverlust ihrer Immobilien, sagt Umbach - der da auch fehlendes "politisches Einfühlungsvermögen" derjenigen beobachtet, "die in der Stadt leben und über diese Dinge entscheiden, aber letztendlich davon nicht betroffen sind".

Redaktion: Kevin Schubert und Jennifer Werner
Design im Auftrag des ZDF: Jens Albrecht

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