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Scheitert die Windkraft in Deutschland?

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Energiewende - Scheitert die Windkraft in Deutschland?

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Trotz Klimaschutzpaket wird die Energiewende in Deutschland ausgebremst. 2021 gehen laut Fachagentur Wind wahrscheinlich mehr Windkraftanlagen vom Netz, als neu gebaut werden.

Ohne mehr Windräder scheitert eine kostengünstige Energiewende in Deutschland. Warum stockt der Ausbau der klimafreundlichen Windkraft in Deutschland?

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Bundesweit sind in der Windenergie-Branche innerhalb der letzten Jahre rund 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Weltweit boomt der Ausbau der Windkraft jedoch. Eine klimafreundliche Technologie, die in Deutschland entwickelt wurde und weltweit erfolgreich ist, hat hierzulande kaum noch eine Zukunft.

Damit dürfte Deutschland seine Klimaziele deutlich verfehlen.

Windkraft-Ausbau hat in Deutschland viele Befürworter

Laut einer forsa-Umfragen sind 80 Prozent der Deutschen für einen Ausbau der Windkraft in Deutschland. Auch dann, wenn sich in der Nähe bereits Windräder drehen.

Im Kreis Steinfurt im Münsterland etwa ist die Akzeptanz vor Ort hoch. Über 300 Windräder drehen sich bereits heute in der Region. Der Bürgermeister von Neuenkirchen, Franz Möllering (CDU), hat eine Erklärung: "Hier im Kreis Steinfurt gibt es eine Vereinbarung, dass Windparks grundsätzlich hier nicht Grundlage für Finanzinvestoren seien sollen, sondern, dass das Leute vor Ort machen. Und jeder kann sich an der Finanzierung beteiligen. Und wenn es Probleme gibt, dann kenne ich das Gesicht: Da muss ich hin, da muss ich sagen, das funktioniert was nicht."

Bürgerwindprarks sind problemlos realisiert worden

Finanzielle Beteiligung der Bürger, Ansprechpartner vor Ort, zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinden sind Instrumente die es ermöglicht haben, dass die über zwanzig sogenannten Bürgerwindparks in der Region ohne lange Genehmigungsverfahren und nahezu ohne Klagen realisiert wurden.

Für rund die Hälfte aller Anlagen dieser Bürgerwindparks läuft schon bald die Förderung aus. Dann müssen sie repowert, also durch neue ersetzt werden.

Was passiert mit der Abstandsregelung?

Die Bundesregierung plant jedoch eine neue 1.000-Meter-Abstandsregel zwischen Wohnbebauung und Windrädern. Die Entscheidung dazu will sie eventuell den Ländern überlassen. Viele Standorte der Windräder im Kreis Steinfurt könnten dann womöglich nicht mehr genutzt werden.

Ohne den Ausbau der Windkraft kann Deutschland seine Klimaziele unmöglich erreichen. Doch seit zwei Jahren schrumpft der Zubau von Windrädern, anstatt zu steigen - die Energiewende wird so nicht gelingen.

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Es ist durchaus möglich, dass dann in einer Region, in der die Windkraft voll akzeptiert ist, weniger Windstrom produziert wird als bisher. Und laut Umweltbundesamt würde eine Abstandsregel den Ausbau der Windkraft auch deutschlandweit erschweren.

Konflikte ergeben sich meist vor Ort. Energieminister Peter Altmaier (CDU) beschrieb die Situation auf dem Energiegipfel des Handelsblatts im Januar 2020 so:

Wer einen Acker hat, wo man ein Windrad hinstellen kann, der findet es ganz knuffig, weil damit Pachteinnahmen verbunden sind. Und wer ein Haus hat, das auf den Acker schaut, fühlt sich meistens beeinträchtigt und ist geneigt, in Bürgerinitiativen zu gehen.
Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmeier

Windparks werden von den Bürgern kontrovers diskutiert

In der Gemeinde Schwielowsee wurde eine solche Bürgerinitiative im Dezember letzten Jahres aktiv. Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU), engagiert sich mit mehreren Bürgern der Gemeinde für mehr Klimaschutz vor Ort. Entlang der nur wenige Kilometer entfernten A10 soll sich auf Gemeindegrund ein Windpark mit sieben Windrädern entstehen.

Am Abend bevor die Gemeindevertreter über das Projekt abstimmen, kommt es vor direkt vor dem Sitzungssaal zu einer Demonstration. Aufgerufen hat die Bürgerinitiative "Waldkleeblatt". Nach einstündiger Diskussion entscheiden die Gemeindevertreter klar für den Bau des geplanten Windparks.

Politisch werden die Weichen neu gestellt: 70 Prozent unseres Primärenergiebedarfes werden laut Energieminister Peter Altmaier (CDU) importiert: "Und wer sagt, wir sollen das in Zukunft ändern, der muss dann auch sagen, wo die Flächen herkommen sollen und wie der Ausbau (von Windkraft, Anm. d. Red.) vonstatten gehen soll. Wo wir heute Öl und Gas importieren, Kohle und Nuklearbrennstäbe, dort werden wir in Zukunft vermehrt grünen Wasserstoff importieren."

Ist Grüner Wasserstoff aus dem Ausland zu teuer?

Experten sehen das kritisch: Dr. Martin Robinius, Leiter einer Abteilung im Forschungszentrum Jülich, erklärt: "Der Import (…) macht definitiv keinen Sinn. Wir müssen die Erneuerbaren - insbesondere Wind - in Deutschland ausbauen. Nur, wenn wir das realisieren, können wir sicher gehen, dass die Preise für Haushalte und Industrie (…) nicht explodieren."

Die Jülicher Forscher haben berechnet, dass importierter grüner Wasserstoff gegenüber in Deutschland produziertem Solar- oder Windstrom fast viermal so teuer ist.

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