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Was der Truppenabzug wirtschaftlich bedeutet

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US-Army in Hessen und der Pfalz - Was der Truppenabzug wirtschaftlich bedeutet

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Fast 10.000 Soldaten will Donald Trump aus Deutschland abziehen. Eine Drohung, die man vor allem an den Standorten mit Sorge sieht. Ein Blick auf Hessen und Rheinland-Pfalz.

Archiv: Soldaten auf dem Airfield vom US-Army-Hauptquartier für Europa in Wiesbaden-Erbenheim, aufgenommen am 13.05.2011
Soldaten im US-Army-Hauptquartier in Wiesbaden-Erbenheim (Archivbild)
Quelle: AP

Wiesbaden ist nicht nur Hessens Hauptstadt, sondern auch das Hauptquartier der US-Armee  in Europa. Für die Stadt wäre ein Abzug der Truppen ein schwerer Schlag. Im mittelständisch geprägten Wiesbaden ist die Army neben dem Land Hessen der größte Arbeitgeber. Wenn es nach einheimischen Mitarbeitern geht, immerhin noch der achtgrößte - denn auch rund 1.000 Deutsche arbeiten für die Amerikaner. Diese Arbeitsplätze würden bei einem Abzug komplett wegfallen.

Doch nicht nur dass: Die Army lässt alles, was nicht von der Garnison selbst hergestellt, renoviert oder gebaut werden kann, durch  Unternehmen von außerhalb fertigen. Ein kaum zu beziffernder Verlust für die Handwerker der Region.

US-Präsident Donald Trump wird die Truppengröße in Deutschland von gut 34.500 auf 25.000 reduzieren.

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Sinkende Kaufkraft und schrumpfender Tourismus befürchtet

Florian Steidl, Leiter der Wirtschaftspolitik der örtlichen IHK, sähe aber noch ganz andere Probleme auf Stadt und Region zukommen:

Die mit Abstand größte Touristengruppe in Wiesbaden stammte im vergangenen Jahr, mit 23.000 Gästen und 58.000 Übernachtungen, aus den USA.

Durch die US-Army habe die Stadt einen "hohen Bekanntheitsgrad in den USA", so Steidl weiter. Auch der benachbarte Rheingau profitiere von den zahlreichen amerikanischen Gästen. Da in Wiesbaden zudem sehr viele hochrangige Militärs angesiedelt seien, würde außerdem eine Menge Kaufkraft in der Region wegfallen.

Positiv sieht Steidl nur, "dass Wiesbaden nach einem Truppenabzug potentielle Freiflächen zur Stadtentwicklung hätte und dass möglicherweise das hohe Mietniveau sinken könnte". Trotzdem wäre man in Wiesbaden froh, wenn die Landeshauptstadt von einem Truppenabzug verschont bliebe.

Ist das Erpressung, die US-Präsident Trump mit dem angedrohten Truppenabzug aus Deutschland betreibt? Elmar Theveßen sagt, es ginge Trump ums Geschäftemachen und um den Wahlkampf. In Berlin reagiere man eher resigniert kühl, so Theo Koll.

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Army wichtig für strukturschwache Pfalz

Beunruhigt ist man auch im Büro von Thomas Hitschler. Er sitzt für die SPD im Bundestag, vertritt die Südpfalz. Aus seiner Sicht würde man "mit einem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte vor Ort nicht nur Freunde und Nachbarn, sondern auch einen bedeutenden Arbeitgeber für viele Menschen und damit einen lokalen Wirtschaftsfaktor verlieren". 

Seine Sicht ist nicht verwunderlich, arbeiten doch alleine in der strukturschwachen Pfalz 5.000 Menschen für die Amerikaner. Insgesamt beschäftigt die Army 7.200 Mitarbeiter in Rheinland-Pfalz und ist damit einer der größten Arbeitgeber im ganzen Land. Die Army gibt dort immer wieder Großprojekte in Auftrag. Aktuell baut sie in Weilerbach für eine Milliarde Euro das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Natürlich unter Mithilfe zahlreicher deutscher Unternehmen.  

Um die deutsch-amerikanische Freundschaft stand es schon mal besser. Stimmungen aus der Pfalz rund um die US-Airbase Ramstein und aus Lubmin an der Ostsee, wo man kein Verständnis für die Sanktionen gegen Nord Stream 2 hat.

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Wirtschaftliche Nachteile würden deutlich überwiegen

Die US-Army ist für Rheinland-Pfalz von großem Wert, denn rund die Hälfte der 34.500 US-Soldatinnen und Soldaten in Deutschland ist dort stationiert. Dazu kommen noch einmal 12.000 zivile Mitarbeiter und 25.000 Familienangehörige. Zusammen gerechnet eine Stadt mit über 50.000 Einwohnern. Auch hier gingen bei einem Abzug eine Unmenge an Kaufkraft, Arbeitsplätzen und Firmenaufträgen verloren.

Auch wenn Deutschland für die Stationierung der Army, laut der amerikanischen "Rand Corporation", eine Milliarde Euro pro Jahr zahlt, würden die wirtschaftlichen Nachteile bei einem Truppenabzug deutlich überwiegen. Für einige Regionen wäre dieses Szenario sogar mehr als nur ein schwerer Schlag.

CDU-Politiker Norbert Röttgen während einer Rede im Bundestag.

Reaktion auf Trump-Entscheidung -
Röttgen: Truppenabzug schadet den USA
 

Norbert Röttgen sieht in den Truppenabzügen eine Schwächung der US-Interessen, die Grüne Agnieszka Brugger eine Belastung des transatlantischen Verhältnisses.

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