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Wittenberger Stadtkirche - "Judensau"-Schmährelief darf bleiben

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Ein mittelalterliches Relief in Wittenberg darf hängen bleiben. Ein Gericht wies die Berufungsklage eines jüdischen Mannes ab. Jetzt wandert der Fall nach Karlsruhe.

Das Wittenberger Schmährelief "Judensau" erfüllt nicht den Tatbestand der Beleidigung. Das hat jetzt das Oberlandesgericht Naumburg in einem Berufungsverfahren entschieden. Die mittelalterliche Darstellung an der Außenfassade der Wittenberger Stadtkirche darf demnach hängen bleiben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht ließ eine Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu.

Jüdischer Mann fühlt sich beleidigt

Antijüdisches Relief an der Stadtkirche Sankt Marien in Wittenberg.
Das Relief an der Stadtkirche in Wittenberg
Quelle: Reuters

Ein jüdischer Mann hatte geklagt, da er sich durch das Relief antisemitisch beleidigt sieht. Das umstrittene Sandsteinrelief, das in etwa vier Metern Höhe an der evangelischen Wittenberger Stadtkirche hängt, zeigt eine Sau. An deren Zitzen laben sich Menschen, die Juden darstellen sollen. Ein Rabbiner blickt dem Tier unter den Schwanz und in den After.

Schweine gelten im Judentum als unrein. Mit solchen Darstellungen sollten Juden im Mittelalter unter anderem davon abgeschreckt werden, sich in der jeweiligen Stadt niederzulassen. Das Schmähplastik wurde um das Jahr 1300 an der Südfassade der Stadtkirche Wittenberg angebracht.

Wittenberg: Mahnmal ergänzt Schmäh-Relief

Ein Mahnmal vor der Stadtkirche Sankt Marien in Wittenberg erinnert an den Beginn des Judenprogroms im Dritten Reich.
Ein Mahnmal erinnert an das Judenpogrom im Dritten Reich.
Quelle: DPA

In der Verhandlung wies der Vorsitzende Richter darauf hin, dass die angeklagte Stadtkirchengemeinde die Schmähplastik 1988 um ein Mahnmal und einen Aufsteller mit Informationstext ergänzt habe.

Der Informationstext bringe "unmissverständlich" zum Ausdruck, dass sich die Kirchengemeinde vom verhöhnenden und beleidigenden Charakter der Plastik und der Missachtung von Juden ausdrücklich distanziere, sagte der Richter. Durch Gedenkveranstaltungen und Führungen hat sich laut der Gemeinde eine rege Erinnerungskultur entwickelt.

Der Wittenberger Stadtrat sprach sich Mitte 2017 für einen Erhalt der Plastik aus. Er wertete die Bodenplatte als Mahnmal und ließ in Absprache mit der Gemeinde eine Stele mit Erklärtexten auf Deutsch und Englisch errichten. Darauf wird die Skulptur in ihren historischen Kontext eingebettet. Zudem finden sich Verweise auf Luthers Antisemitismus und Judenverfolgungen in Sachsen.

Richter: Relief-Einbettung nimmt beleidigenden Charakter

Richter Volker Buchloh ergänzte, dass das Relief isoliert betrachtet einen beleidigenden Inhalt habe. Die Einbettung in die kommentierende Gedenkstätte nehme der Skulptur jedoch den beleidigenden Charakter.

Das Urteil hatte sich bereits bei der mündlichen Verhandlung am 21. Januar abgezeichnet. Das Oberlandesgericht folgte in seiner Argumentation der Entscheidung des Landgerichts Dessau-Roßlau, das am 24. Mai 2019 die Klage abgewiesen hatte.

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