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Wohnungsbau-Tag : Politik sucht Lösungen für die Wohnraumkrise

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Während sich der Bundesbauminister für seine Bilanz lobt, wächst die Verzweiflung vieler Mieterinnen und Mieter. Deutschlands Wohnraumkrise ist längst Wahlkampfthema geworden.

Bau eines Mehrfamilienhauses
Bau eines Mehrfamilienhauses
Quelle: ZDF

Der Bundesbauminister spricht gerne in Superlativen. "Wir haben das größte Wohnungsbauprogramm aufgelegt in der jüngeren Geschichte Deutschlands. Und wir werden alle Ziele erreichen", sagt Horst Seehofer im Interview mit dem ZDF. Über Wohnungsnot, Verdrängung, immer weniger Menschen in Eigentum spricht Seehofer nicht.

Und: Seine Bilanz funktioniert vor allem mit einem Rechentrick. Von den versprochenen 1,5 Millionen Neubauwohnungen werden zwar nur 1,2 Millionen gebaut sein - also 300.000 zu wenig. Aber, so Seehofer, man müsse die Baugenehmigungen mit einrechnen: "Die werden früher oder später realisiert."

Mangel an Bauland in Ballungsgebieten

Schön reden - oder rechnen - lässt sich die Realität in den sogenannten "angespannten Wohnlagen" nur mit Mühe. Die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) schätzt den Bedarf inzwischen sogar auf 350.000 bis 400.000 neue Einheiten pro Jahr.

Gebremst werde das Angebot unter anderem durch einen Mangel an Bauland in Ballungsgebieten. In wachsenden Metropolregionen bleibe Wohnraum deshalb knapp und teuer. In München etwa ist der Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung seit 2018 um mehr als 23 Prozent auf durchschnittlich 8.388 Euro gestiegen. Mit 18,84 Euro Miete pro Quadratmeter bleibt die bayerische Hauptstadt die teuerste Stadt im Mietpreisranking.

Bodenpreise treiben Mieten in die Höhe

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beklagt vor allem exorbitant gestiegene Bodenpreise, die die Mieten in die Höhe treiben - und fordert vom Gesetzgeber eine soziale Bodenrechtsreform:

Der Wert eines Grundstücks steigt auch durch die Infrastruktur, die von der Allgemeinheit finanziert wird - und deshalb muss der Wertzuwachs der Grundstücke zumindest zum Teil auch an die Gemeinschaft zurück gehen.
Dieter Reiter, Oberbürgermeister München (SPD)

Bodenpreise müssten gedeckelt, Bauherren zum Bau bezahlbaren Wohnungen verpflichtet werden können, so Reiter.

Viele Mieterinnen und Mieter in Deutschland sind verzweifelt - manche auch wütend. Das Urteil des Bundesverfassungsgericht zum Berliner Mietendeckel vom 15.04.2021 hat neues Öl ins Feuer gegossen.

Mietobergrenzen werden Wahlkampfthema

Abgeordnete von FDP und CDU hatten in Karlsruhe geklagt und Recht bekommen: Das Verfassungsgericht kippte den Deckel mit der Begründung, der Bund sei zuständig. Seitdem tobt in Berlin eine Art Häuserkampf. FDP und CDU werfen dem rot-rot-grünen Senat vor, er habe die Mieterinnen und Mieter mit verantwortungsloser Politik in die Falle laufen lassen.

Schätzungen zufolge bringt das Urteil rund 40.000 Berliner Mieterinnen und Mieter, die in der Corona-Pandemie kein Geld für die Mietnachforderungen zurücklegen konnten, in finanzielle Bedrängnis. Sie müssen nun von einem "Sicher-Wohnen-Fonds" des Senats unterstützt werden.

SPD, Linke und Grüne sagen unterdessen: Jetzt erst Recht - und wollen mit einer bundesweiten Mietobergrenze Wahlkampf machen.

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"Unseren Hass könnt ihr haben, unsere Miete kriegt ihr nicht"

Wie viel gesellschaftlicher Zündstoff in der Mietendebatte steckt, hat sich auch bei den Demonstrationen nach dem Mietendeckel-Urteil gezeigt. Zehntausende liefen durch Berlin - es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. "Unseren Hass könnt ihr haben, unsere Miete kriegt ihr nicht" oder "Nehmt ihr uns den Deckel, enteignen wir die ganze Stadt", stand auf Plakaten.

Einer jüngsten Umfrage von rbb-Abendschau und der "Berliner Morgenpost" zufolge finden inzwischen 47 Prozent der Berliner Enteignung "eher gut", 2019 waren es noch nur 29 Prozent. Parteipolitisch findet die Enteignungsdebatte vor allem bei der Partei Die Linke Widerhall, die auch das Berliner Volksbegehren "Deutsche Wohnen & Co enteignen" unterstützt.

Wir wollen diese großen Immobilienkonzerne, die tagtäglich Mieterinnen und Mieter durch Mieterhöhungen enteignen, die wollen wir vergesellschaften.
Janine Wissler, Parteivorsitzende Die Linke

So klingt Klassenkampf.

Kritik an eigener Regierungsbilanz

Der Wahlkampf zum Thema "Mieten, Bauen, Wohnen" jedenfalls hat begonnen. Und mit ihm auch die Absetzbewegungen innerhalb der Großen Koalition.

Vizekanzler Olaf Scholz - der 2018 beim so genannten "Baugipfel" neben Kanzlerin und Bundesbauminister saß und im Februar 2021 mit beiden die GroKo-Bilanz der "Wohnraumoffensive" präsentierte - ist jetzt vor allem SPD-Kanzlerkandidat und klingt im ZDF-Interview wie ein Kritiker der eigenen Regierungsbilanz:

Wer den Eindruck erweckt, es gäbe kein Problem mit den Mieten und mit dem knappen und fehlenden Wohnraum für diejenigen, die nur ganz normale Einkünfte haben oder sogar sehr wenig verdienen, der redet sich die Welt schön und überblickt die Probleme nicht, die wir wirklich haben.
Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat

Wer will, hört in Scholz‘ Worten auch Kritik an seinem Kabinettskollegen: dem Bundesbauminister, der gerne in Superlativen spricht.

Parteien treffen sich zum Wohnungsbautag

Seehofer hatte sich 2018 das Ressort "Inneres, Bau und Heimat" persönlich maßanfertigen lassen. "Teilzeit-Bauminister" nennt ihn heute die Opposition. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) fordert, das Bauministerium in der nächsten Regierung keinem anderen Ministerium mehr zuzuordnen, sondern allein zu stellen. Das Bau-Ressort dürfe kein "Anhängsel-Ressort" sein.

Seehofer widerspricht: "Wer da politisch die Axt anlegt und sagt: 'Jetzt tummeln sich alle raus in ein kleines Ministerium mit ein paar hundert Leuten', der schwächt die Durchschlagskraft des Themas."

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Die Größe der Aufgabe wird der nächsten Regierung erhalten bleiben. Genauso die Frage, wie groß und mächtig das nächste Bauministerium wird. Heute treffen in der Wahlkampf-Arena des Wohnungsbau-Tags Horst Seehofer (CSU), Kevin Kühnert (SPD), Christian Lindner (FDP), Janine Wissler (Linke), Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen) und Paul Ziemiak (CDU) aufeinander. Erster großer Aufschlag im Wahlkampf auf den baupolitischen Baustellen, die die jetzige Regierung hinterlässt.

Andrea Maurer ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.

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