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Ein Leben voller Glück und Politik

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Wolfgang Clement ist tot - Ein Leben voller Glück und Politik

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Die Reformagenda 2010 gilt als Wolfgang Clements herausragende politische Leistung. Ein Teil seiner langen politischen Karriere.

Wolfgang Clement
Wolfgang Clement
Quelle: dpa

Wolfgang Clement hat immer viel Glück gehabt im Leben. Das sagte er selbst, und man glaubte ihm das gern. Mit seiner Frau Karin lebte er zuletzt in Bonn in der Nähe des Rheins. Fünf Töchter und 13 Enkel haben die beiden. "Ich hab auch beruflich viel Glück gehabt im Leben", sagte Clement im Juli 2020 vor seinem 80. Geburtstag und blickte zurück auf eine lange Karriere im Journalismus und in der Politik. Nun ist er im Alter von 80 Jahren verstorben.

Berufsanfänge im Journalismus

1960 wollte Clement Journalist werden, obwohl sein Vater gar nicht damit einverstanden war. Er schrieb alle Zeitungen in seiner Heimatstadt Bochum und Umgebung an, doch nur der Lokalchef der "Westfälischen Rundschau" antwortete.

Dort fing er an - Zeilenhonorar neun Pfennig -, und etliche Jahre später wurde dieser Lokalchef Günter Hammer Chefredakteur des Blattes und machte Clement zu seinem Vertreter. "Dieser Mann war der erste große Glücksfall meines beruflichen Lebens", so Clement im Juli 2020.

Clement wird Sprecher der SPD

Der nächste hieß Hans-Jürgen Wischnewski, ein SPD-Urgestein. "Er hat mich auch im Namen Willy Brandts gefragt, ob ich Sprecher der SPD werden wollte." Das war 1981. Clement rief daraufhin den SPD-Landesvorsitzenden und NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau an und fragte, ob er mal zu ihm kommen dürfe, um die Sache mit ihm zu besprechen.

"Kommen Sie", sagte Rau. "Und so habe ich Johannes Rau kennengelernt", erinnerte sich Clement in einem Gespräch vor seinem 80. Geburtstag.

Rückkehr in den Journalismus

Clement machte den Job des SPD-Vorstandssprechers bis fast zum Ende des Bundestagswahlkampfes 1986/87, als er Parteichef Brandt und dem SPD-Kanzlerkandidaten Rau ins Gesicht sagte, dass einer von ihnen zurücktreten müsse, da sie im Wahlkampf einen geradezu gegensätzlichen Kurs verfolgten - konfliktträchtig versus "Versöhnen statt spalten".

Als sie das prompt ablehnten, warf er selbst hin, kehrte zurück in den Journalismus und zog mit der kompletten Familie nach Hamburg, um dort Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" zu werden.

Enges Verhältnis zu Johannes Rau

Rau machte sich alsbald einen Spaß daraus, ihm die Zeitung allmorgendlich mit eigenhändig geröteten Rechtschreibfehlern zurückzuschicken. "Das war gelegentlich eine regelrechte rote Wüste."

Wolfgang Clement und Johannes Rau - Archivbild vom 23. Mai 1998
Wolfgang Clement und Johannes Rau - Archivbild vom 23. Mai 1998
Quelle: dpa

1989 holte ihn Rau als Chef der Staatskanzlei nach Düsseldorf. Im Laufe der Jahre wurde er öffentlich zunehmend als Kronprinz des NRW-Landesvaters charakterisiert, wobei er selbst betont, dass er ursprünglich gar nicht Ministerpräsident habe werden wollen.

Der Ruf aus Berlin

1998 wurde Clement schließlich selbst Ministerpräsident. Vier Jahre später kam der Ruf aus Berlin: Bundeskanzler Gerhard Schröder bekniete ihn, als kombinierter "Superminister" für Wirtschaft und Arbeit in das rot-grüne Kabinett einzutreten.

Clement gab nach - was nicht überall auf Verständnis stieß: "Edmund Stoiber hat einmal zu mir gesagt: 'Wie konnten Sie nur aus dem Amt des Ministerpräsidenten des größten der deutschen Länder in die zweite Reihe der Berliner politischen Szene wechseln?'"

Reformagenda 2010: Clements herausragende politische Leistung

Clement sah es anders. In Anbetracht der damals sehr schwierigen Industrie- und Arbeitsmarktlage in NRW sei es ihm um eine grundlegende Veränderung der politischen Rahmenbedingungen gegangen. Als Ministerpräsident wäre ihm das nicht möglich gewesen, sagt er im Rückblick.

Wolfgang Clement und Gerhard Schröder (li.) - Archivbild vom 07. Juli 2004
Wolfgang Clement und Gerhard Schröder (li.) - Archivbild vom 07. Juli 2004
Quelle: dpa

Die Reformagenda 2010, die er wesentlich mit umsetzte, gilt heute als seine herausragende politische Leistung. Allerdings begann damit auch seine Entfremdung von der SPD, die 2008 mit seinem Parteiaustritt endete.

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