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Holocaust-Gedenkstätte - Yad Vashem: Ein Ring und seine Geschichte

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Tausende Artefakte von Opfern und Zeitzeugen hat die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel zusammengetragen. Hinter allen stecken Geschichten - so wie die eines Ringes.

Ring mit Häftlingsnummern zweier Auschwitz-Überlebender
Fragment des Holocausts: Ring mit zwei Häftlingsnummern
Quelle: ZDF

Ein Ring, Silber. Eingeritzt sind die Nummern zweier Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz, dazwischen eingearbeitet ein rotes Herz. Der Ring gehörte Miriam Litman. Ihre Tochter hat ihn der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel zur Verfügung gestellt. Sie wollte gerne mehr wissen über die Herkunft des Schmuckstücks, über das ihre Mutter kaum sprach.

Übersetzt heißt Yad Vashem: ein Denkmal für die Namen. Und genau das ist auch seit ihrer Gründung 1953 das Ansinnen in der Gedenkstätte hoch oben auf dem Herzelberg in Jerusalem: den Opfern des Holocausts einen Namen zu geben, ihre Geschichten zu erzählen. Denn: Sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden - das ist mehr als nur eine Zahl. Doch wo keine Friedhöfe, keine Grabsteine den Verlust der Opfer bezeugen, ist es schwierig ihre Namen zu sammeln, ihre Biographien zu rekonstruieren.

Wenn wir beide Auschwitz überleben, dann heiraten wir

Michael Tal ist Direktor der sogenannten Artefaktensammlung in Yad Vashem, und er gewährt einen seltenen Einblick in eine ganz besondere Sammlung: persönliche Gegenstände von Opfern und Überlebenden. Tal versucht, die Lebensgeschichten der Besitzer zu entschlüsseln. Wie die von Miriam Litman. Ausgangspunkt der Recherche: ihr Ring.

Die Forscher in Yad Vashem brauchten nicht lange, da tauchte im Holocaust-Museum in Washington ein weiterer Ring auf mit denselben eingeritzten Häftlingsnummern und dem Herz, berichtet Michael Tal. Der zweite Ring gehörte einem Mann, Leon Krycberg, wie sich später herausstellte. Und er war es auch, der die beiden Ringe in Auschwitz hat anfertigen lassen. Wie und mit welchen Mitteln, ist bis heute unklar. Doch als Leon in Auschwitz Miriam traf, verliebte er sich in die junge Frau. Er kümmerte sich um sie und versprach: Behalte den Ring, und wenn wir beide Auschwitz überleben, dann heiraten wir.

Leon Krycberg mit seiner Tochter, Miriam Litman
Leon Krycberg mit seiner Tochter, Miriam Litman
Quelle: ZDF

Zeugnisse unermesslichen Grauens

Sie überlebten, beide. Und sie trafen sich tatsächlich wieder. Doch Miriam Litman lehnte seinen Heiratsantrag ab. Sie emigrierte nach Israel, heiratete und bekam zwei Kinder. Leon Krycberg emigrierte in die USA und Kanada, heiratete und bekam ebenfalls Kinder. Sie sahen sich nie wieder.

Doch ihre Nachfahren sind nun dank der Recherchen von Yad Vashem miteinander in Kontakt. Und rätseln bis heute, warum ihre Eltern kein Paar wurden. Warum Miriam nicht heiraten wollte. Diesen Teil der Geschichte ihrer Eltern werden sie nicht erfahren, Miriam und Leon leben beide nicht mehr. Ihre Ringe allerdings bleiben als Zeugnisse in Yad Vashem und im Holocaust-Museum in Washington - Zeugnisse von Momenten der Hoffnung in Zeiten unermesslichen Grauens.


Nicola Albrecht leitet das ZDF-Studio Tel Aviv.

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