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Wo es bei der Truppe gravierend hakt

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Beispiele für Mangelwirtschaft - Wo es bei der Truppe gravierend hakt

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Mangelwirtschaft bei der Bundeswehr, die für Soldaten gefährlich werden könnte: Das ist das Fazit des Berichts, den der Wehrbeauftragte präsentiert hat. Beispiele gibt es genug.

Der Wehrbeauftragte Bartels hat den Wehrbericht für das Jahr 2019 vorgestellt. Es gebe bei der Bundeswehr "zu wenig Material, zu wenig Personal, zu viel Bürokratie", so Bartels.

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Das Beschaffungswesen der Bundeswehr sei durch "organisierte Verantwortungslosigkeit" gekennzeichnet, führt Hans-Peter Bartels in seinem Wehrbericht aus. Gegenüber dem Wehrbeauftragten des Bundestages dürfen Soldaten offen berichten. Er soll die Bundeswehr kontrollieren. Die Mangelwirtschaft kritisiert er vor allem, weil ein Mangel an Übung, wenn es zum Einsatz kommt, für die Soldaten gefährlich werden könnte. Bartels Urteil: "Die Bundeswehr als Ganzes ist heute nicht einsatzfähig."

  • Schützenpanzer Puma erst 2031 voll einsatzbereit

Beim Schützenpanzer Puma fehlen noch Panzerabwehrraketen. Im Gefecht bestehe deshalb womöglich "Gefahr für Leib und Leben der Soldaten", befürchtet der Vorsitzende des Bundeswehr-Verbandes, Oberstleutnant André Wüstner. Das Verteidigungsministerium räumt auf Anfrage ein: Voll einsatzbereit werde der Schützenpanzer Puma erst 2031 sein - also 15 Jahre nach der ersten Auslieferung. Die Ursache für den Mangel hat das Ministerium selbst beschlossen: Seit Anfang des letzten Jahrzehnts werden keine Vorräte an Ersatzteilen mehr angelegt. Hans-Peter Bartels dazu: "Die Philosophie damals lautete: Ersatzteile kaufen wir, wenn wir sie brauchen."

Bartels, der Wehrbeauftragte des Bundestages, hat in seinem Jahresbericht die schleppende Modernisierung der Bundeswehr kritisiert. Es fehle an Material- und Personalverbesserung.

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Auch wenn bei der Vorratshaltung mittlerweile umgesteuert wurde, wird voraussichtlich erst Ende des gerade begonnen Jahrzehnts die Ersatzteilversorgung wieder vollständig hergestellt sein. Eine grundlegende Reform fordert Bartels, um diese Missstände abzuschaffen: "Kommandeure brauchen mehr Verantwortung für Personal, Material, Infrastruktur. Und man braucht Veränderungen beim Beschaffungswesen."

  • Schäden an Propellern: U-Boote laufen nicht aus

Bei der Marine waren 2017 alle sechs U- Boote über einen längeren Zeitraum nicht einsatzbereit. Technische Schäden an Batterien und Antriebspropellern waren die Ursache. Um Kosten einzusparen, waren diese Kleinteile nicht bei den Werften auf Vorrat bestellt worden.

Sie mussten also extra angefordert werden - das führte zu monatelangen Verzögerungen. Bartels kritisiert: "Für so was hat man eigentlich früher ein eigenes Depot gehabt." Ein weiteres Problem: Aus Personalmangel hatte die Marine für sechs U-Boote zeitweise nur zwei komplette Mannschaften zur Verfügung.

  • Mangelnde Fliegerausbildung am Tornado

Auch für das Kampfflugzeug Tornado mangelt es an Ersatzteilen. Einige der Hersteller seien bereits nicht mehr am Markt, heißt es. Der Bundeswehrverband bemängelte ein Ausschlachten von reparaturbedürftigen Kampfflugzeugen. Oberstleutnant André Wüstner bemängelt: "Man schraubt das eine oder andere Ersatzteil heraus, um es dann noch für einen gegebenenfalls flugfähigen Tornado zu verwenden. Das ist alles nicht mehr tragbar."

Bundeswehr trainiert mit Nato-Partnern Verteidigung. Archivbild
Ein Tornado-Kampfflugzeug des Luftwaffengeschwaders 33 aus Büchel (Archivbild): "Man schraubt das eine oder andere Ersatzteil heraus, um es dann noch für ein gegebenenfalls flugfähigen Tornado zu verwenden", kritisert Oberstleutnant André Wüstner vom Bundeswehrverband".
Quelle: Rainer Jensen/zb/dpa

Dieses sogenannte "Kannibalisieren" führe zu weiteren Problemen bei der Ausbildung: Die Luftwaffenpiloten erreichen nach Angaben der Luftwaffe immer noch nicht die von der Nato vorgesehenen 180 Flugstunden pro Jahr.

  • Simulationszentrum für die Fregatte 125 "vergessen"

Um Kosten zu sparen, sollen Fregatten der Bundeswehr bei Einsätzen nicht mehr in den Heimathafen Wilhelmshaven zurückkehren, sondern nur die Besatzung ausgetauscht werden. Dafür sind aber bei vier Schiffen insgesamt acht Besatzungen erforderlich. Diese Zweitbesatzungen sollten an Land in einem Zentrum mit Simulatoren für die Schiffsführung und den Waffeneinsatz ausgebildet werden.

Fregatte F125
Fregatte F125: Ein Mitarbeiter für das Projektteam statt der benötigten elf.
Quelle: dpa

Nach langwierigen Planungen übernahm das Bundesamt für Beschaffung in Koblenz 2016 die Projektverantwortung für dieses Zentrum. Das Amt verfügte aber nur einen Mitarbeiter - statt der benötigten elf Stellen - für das Projektteam. Auch nachdem zwei externe Berater und zwei Mitarbeiter von der Marine hinzugezogen wurden, konnte das Projekt nicht fristgerecht fertiggestellt werden. Das Verteidigungsministerium lehnte zusätzliches Personal ab und erklärte im Januar: Das Ausbildungszentrum werde wohl vollumfänglich erst 2028 nur Nutzung verfügbar sein. Das wären dann neun Jahre nach der ebenfalls  verspäteten Übergabe der ersten Fregatten-Typ 125 an die Marine.

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