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Deutschland im Datenstau - Der verschlafene Glasfaserausbau

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Schnelles Internet überall - Fehlanzeige! Deutschland hinkt beim Breitbandausbau hinterher. Seit viele im Homeoffice arbeiten, herrscht Stau auf den veralteten Datenautobahnen.

Glasfaserausbau - Typical
Der Ausbau des schnellen Internet kommt nicht voran. (Symbolbild)
Quelle: imago

Wenn im September überall die Schule mit Präsenzunterricht wieder begonnen hat, bleiben trotzdem viele Eltern im Homeoffice. Denn Arbeitgeber haben in den letzten Monaten die Vorteile dieser Arbeitsform kennengelernt. Doch nur rund zehn Prozent aller Haushalte sind bisher ans Glasfasernetz angeschlossen.

Große Unterschiede in derselben Straße

Die Großstädte sind recht gut versorgt, aber in der Fläche hapert es. Katja Biebel aus dem niedersächsischen Vordorf klagt: "Mit 1,1 Mbit pro Sekunde kann ich nichts anfangen." Sie leidet täglich unter den Folgen des von der Bundesregierung verschlafenen Breitbandausbaus: ruckelige Bilder und Tonausfälle bei Videokonferenzen, lange Wartezeiten beim Dokumentenaustausch.

Wer kann, wechselt in Corona-Zeiten ins Homeoffice. Doch in vielen Regionen ist das Netz schlecht. Deutschland habe den Breitbandausbau verschlafen, sagen Kritiker.

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Da geht Katja Biebel lieber ins Büro - trotz Corona-Sorgen. Absurderweise sind die Nachbarn mit Internet in Lichtgeschwindigkeit ausgestattet. Auf der anderen Straßenseite beginnt ein Neubaugebiet - und das muss, wie alle anderen Neubaugebiete, seit 2016 auch zwingend mit Glasfaser bis ins Haus versorgt werden.

Ausbauversprechen kaum zu halten

An bestehenden Gebäuden derselben Gemeinde werden die Leitungen jedoch vorbeigelegt. Der Internet-Alltag vieler Bürger steht in krassem Widerspruch zu den Versprechen der Politik. Nach der gescheiterten Digitalen Agenda 2014 lautet das Ziel der Bundesregierung jetzt: ein Gigabit-Glasfasernetz für Deutschland bis 2025 aufbauen.

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Auch im Koalitionsvertrag wurde festgeschrieben: "Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus." Bis 2025 soll ein Glasfasernetz aufgebaut sein, zu dem jeder Bürger Zugang hat. Mitte 2019 hatten jedoch gerade mal 10,4 Prozent der Haushalte Zugang zu reinen Glasfaseranschlüssen.

Bundesförderprogramm wird wenig genutzt

Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, hält die Digitale Strategie der Bundesregierung für unrealistisch:

Wenn wir mit dem Tempo weitermachen, wird es noch 100 Jahre dauern, bis wir dieses Ziel erreichen.

Das Dilemma des schleppenden Breitbandausbaus ist hausgemacht. Rund 11 Milliarden Euro stellt das Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau zur Verfügung. Ausgezahlt wurden seit 2015 aber nur rund 566 Millionen Euro - nicht mal sechs Prozent.

Unternehmen haben wenig Interesse

Einer der Gründe: Telekommunikationsunternehmen setzen aus Kostengründen lieber auf die Aufrüstung von bestehenden Kupfer- oder Fernsehkabeln statt auf zukunftsfähige Glasfaserleitungen.

Dadurch aber blockieren sie teilweise den kommunalen Glasfaserausbau. Fördergelder gibt es nämlich nur für Gemeinden, in denen die Internetgeschwindigkeit unter 30 Mbit pro Sekunde liegt. Dieser Wert wird als "Aufgreifschwelle" bezeichnet.

Warnung vor doppeltem Netzausbau

Damit der Glasfaserausbau in Schwung kommt, müsste diese Aufgreifschelle deutlich erhöht werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur will das auch tun. Geplant ist, dass zukünftig in Gebieten, in denen die Internetgeschwindigkeit unter 100 Mbit pro Sekunde liegt, mit öffentlichen Geldern Glasfasernetze gebaut werden können. Das Problem: 100 Mbit pro Sekunde können auch kupferbasierte Netze erreichen. Und damit bliebe der kommunale Glasfaserausbau weiter blockiert.

Die Politik müsste also den doppelten Netzausbau verhindern und den Fokus auf den Breitbandausbau legen. Das sagt Holger Haupt, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Breitband im Landkreis Börde:

Wenn wir Breitband flächendeckend machen wollen, dann dürfen wir keinen Parallelausbau machen zwischen unterschiedlichen Unternehmen, sondern dann brauchen wir ein Netz, was zukunftstauglich ist.

Denn das spart Steuergelder, bietet Sicherheit für die Zukunft und sorgt für eine flächendeckende Versorgung.

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