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Wohlfahrtsverbände im Fokus - Darum gibt es immer wieder Skandale

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Skandale wie der bei der Awo in Südhessen erschüttern die ganze Branche und bringen das Vertrauen ins Wanken. Trotzdem existieren weiterhin veraltete Gesetze. Fehlt Transparenz?

Immer wieder kommt es bei Wohlfahrtsverbänden zu Finanzskandalen. Einer der größten wurde 2019 bei der AWO in Frankfurt und Wiesbaden bekannt. Der Vorwurf: Veruntreuung von Geldern.

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Die Skandale bei der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und Wiesbaden hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Führungsteam soll Gelder in Millionenhöhe veruntreut haben - im Zentrum des Skandals: Vergütungen von 300.000 Euro pro Jahr und ein weißer Jaguar als Dienstwagen. Den aktuellen Gesamtschaden schätzt die Awo selbst in einem Zwischenbericht auf mehr als sechs Millionen Euro.

Selbstbedienungsmentalität bei Führungspersonen

Doch die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und Wiesbaden ist kein Einzelfall. In der jüngsten Vergangenheit kam es bei verschiedenen Awo-Verbänden in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zu Vorfällen mit völlig überhöhten Gehältern.

awo Fahne und Gebäude, Frankfurt a.M., 14.01.2020

Vorwürfe gegen Arbeiterwohlfahrt - Schwere Untreue bei der AWO?  

Die Arbeiterwohlfahrt sieht sich erheblichen Vorwürfen ausgesetzt, die mehrere Kreisverbände betreffen. Angestellte sollen sich unter anderem jahrelang überhöhte Gelder genehmigt haben.

von Oliver Heuchert

Auch in anderen Verbänden wie Caritas, Diakonie, DRK und weiteren gab es in der Vergangenheit ähnliche Skandale mit Selbstbedienungsmentalität bei Führungspersonen.

Freie Wohlfahrtspflege als Milliardenmarkt

Die Freie Wohlfahrtspflege ist eine wichtige Säule des Sozialsystems und gleichzeitig in den vergangenen Jahrzehnten zu einem großen Wirtschaftszweig geworden: Jährlich werden Schätzungen zufolge 50 bis 80 Milliarden Euro in der Branche umgesetzt - genaue Zahlen dazu werden nicht erhoben.

Allein Diakonie und Caritas sind zusammen der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland. Der Großteil des Geldes für die Freie Wohlfahrtspflege kommt aus öffentlichen Mitteln und der Sozialversicherung. Spenden machen nur einen geringen Teil aus.

Veraltete Gesetze trotz neuer Strukturen

In Deutschland gebe es eine Vereinslandschaft, die sich in den vergangenen Jahren verändert hat, sagt die Juristin Prof. Birgit Weitemeyer.

Es gibt immer noch die ganz kleinen, aber inzwischen gibt es auch die riesigen millionenschweren Vereine.
Prof. Birgit Weitemeyer, Juristin

Das Grundproblem bei als Vereinen organisierten Wohlfahrtsorganisationen sei, dass die gesetzlichen Regelungen für Wohlfahrtsorganisationen mehr als 100 Jahre alt sind. "Die passen nicht mehr und müssen dringend reformiert werden", meint Weitemeyer.

Bericht mit Empfehlungen nicht mehr auffindbar

Seit Jahren geht es bei Ministeriumskonferenzen, Koalitionsvereinbarungen und kleinen Anfragen des Bundestages immer wieder um das Thema Transparenz in gemeinnützigen Organisationen. Eine Arbeitsgruppe der Arbeits- und Sozialministerkonferenz erarbeitete 2018 sogar einen Bericht mit Empfehlungen. Aber zwei Jahre später ist dieser weder auffindbar noch hatte er Folgen.

Verbraucher | WISO - Arm in Deutschland 

Armut durch Kinder – Das klingt krass, ist aber für viele Familien Realität. Denn in Deutschland sind Kinder ein Risiko arm zu werden. Für WISO verbringt Reporterin Ninia LaGrande einen Tag mit der dreifachen alleinerziehenden Mutter Carolin Lüke.

Videolänge
12 min
von Cem Bozdogan

Im Sommer habe das Bundesfamilienministerium eine Arbeitsgruppe zur Transparenz in der Freien Wohlfahrtspflege gegründet, so eine Sprecherin des Ministeriums. Es seien aber "keine gesetzlichen Regelungen für die Freie Wohlfahrtspflege geplant".

Manche Verbände fordern selbst strengere Regeln

Sogar Teile der Wohlfahrtsverbände fordern selbst strengere Regeln für ihre Branche. So haben bereits vor zehn Jahren Caritas und Diakonie gemeinsame Transparenzstandards ins Leben gerufen und veröffentlichen freiwillig Geschäftsberichte mit Gewinnen und Verlusten.

Skandale wie der bei der Arbeiterwohlfahrt in Südhessen sorgen dafür, dass das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttert wird. "Ich halte es für extrem wichtig, dass wir das machen, damit wirklich auch das Vertrauen wächst, da wo es nicht mehr vorhanden ist", sagt Prof. Ulrike Kostka, Direktorin bei der Caritas für das Erzbistum Berlin.

Öffentlich zugängliche Datenbanken für mehr Transparenz

In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wurden nach Skandalen auf Landesebene neue Standards eingeführt. Mit Hilfe von öffentlich zugänglichen Datenbanken sollen die Einnahmen und vor allem die Ausgaben der Wohlfahrtsverbände nachvollziehbarer sein. Ein Schritt, den sich Experten auch bundesweit wünschen.

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