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Zukunftsforscher Horx zur Krise - "Wir lernen Dinge, die wir verlernt hatten"

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Die Coronakrise verändert die Gesellschaft. Ängste, Einschränkungen, Verzicht bestimmen den Alltag. Doch in der Krise stecken Chancen, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx im ZDF.

ZDF: Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern?

Matthias Horx: Ein Teil ist sicher, dass wir alle eine ganz erstaunliche Erfahrung machen, dass wir in dieser "sozialen Isolation" eigentlich sehr gesellschaftlich werden, dass wir uns sehr intensiv um uns selbst, um unsere nächsten, aber auch um unsere fernen Beziehungen kümmern. Wir telefonieren sehr viel, wir sind intensiver im Sozialen geworden, wir erfahren Gesellschaft wieder als ein gemeinsames Bestreben. Das ist das, was verloren gegangen ist, man hat ja das Gefühl gehabt, die Gesellschaft war so ein allgemeines Hauen und Stechen gegeneinander.

In dem Kampf gegen das Virus vereinen wir uns ein Stückweit wieder. Meine These ist, dass Menschen sich so etwas merken. Das heißt nicht, dass es in derselben Intensität so weiter geht, aber es erzeugt eine neue Struktur, einen neuen Lernprozess, die Hirne gehen gewissermaßen auf. Wir lernen wieder Dinge, die wir verlernt hatten, auch im Alltag.

                                                                                                               

Wir kochen zusammen, wir tun Dinge, die zum Menschsein dazugehören und die die moderne beschleunigte Gesellschaft uns ein stückweit entlernt hat.
Zukunftsforscher Matthias Horx

ZDF: Es gibt auch negative Zukunftsvisionen, Angst vor Rezession, Angst vor Erstarken von Rechtspopulisten. Was macht Sie so sicher, dass die Welt nicht auch eine schlechtere werden könnte?

Horx: Die Frage ist, ob wir uns von unseren Ängsten treiben lassen oder von unseren Beobachtungen und den Wahrscheinlichkeiten. Wir können auch feststellen, dass die Populisten, die Hasser und Neider und Spalter im Netz und Trolls ja immer noch da sind, aber es hört ihnen keiner mehr zu, weil natürlich in einer Gesellschaft, die nach einem Konsens sucht, nach einer gemeinschaftlichen Antwort auf eine Gefahr, eine Krise, das Bedürfnis nach Spaltung nicht mehr besonders groß ist.

ZDF: Was sagen Sie Menschen, die das nicht so positiv sehen wie Sie?

Horx: Ich möchte darauf hinweisen, dass wir in dieser Krise auch etwas ganz Seltsames, etwas Wunderbares erlebt haben, nämlich, dass viele von uns dachten, jetzt bricht die Welt zusammen, jetzt passiert das Allerschlimmste. Aber die Welt ist ja immer noch da, und sie hält. Wir machen plötzlich Erfahrungen, die darauf hinweisen, dass nicht immer unsere schlimmsten Erwartungen dann tatsächlich auch eintreten.

Ich glaube, dass es eine sehr hohe Chance, eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass diese Krise auch als eine Bewältigung erfahren wird. Wir sind mit einer großen Herausforderung als Zivilisation konfrontiert, aber wir können das auch schaffen, wir können das bewältigen, und das macht Menschen stark.

Das Corona-Virus verändert die Welt. Wie wird sie danach aussehen? Tristan Horx hat vier Szenarien entworfen - von optimistisch bis pessimistisch.

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3 min
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