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Tradition in den Niederlanden - "Zwarte Piet" lässt Farbe

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Nun geht es ihm doch an den Kragen: Immer häufiger ist der "Zwarte Piet" nicht mehr schwarz, sondern gestreift oder nur rußig. Das ist auch Black-Lives-Matter zu verdanken.

Zwarte Piet - Proteste in den Niederlanden. Eine Frau mit schwarzer Hautfarbe trägt einen Protestpulli gegen den Zwarten Piet.
Protest gegen den "Zwarte Piet"
Quelle: ap

An der Traditionsfigur des "Zwarte Piet" scheiden sich in den Niederlanden schon seit Jahren die Geister. Der schwarze Gefolgsmann des Heiligen Nikolaus, in etwa vergleichbar mit dem Kinderschreck Knecht Ruprecht, bedient nach Ansicht seiner Gegner rassistische Vorurteile, wenn er mit seiner schwarzen Haut und Afro-Look durch die Straßen streift.

Black-Lives-Matter-Bewegung hat Folgen für den Zwarten Piet

Doch in diesem Jahr setzt die Bewegung "Kick Out Zwarte Piet" (KOZP) auf spürbare Erfolge in ihrem Bemühen, den Schwarzen Peter aus dem Straßenbild zu verbannen und die Niederländer zu einer Auseinandersetzung mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu bewegen. Was dazu beitragen könnte, sind die Protestkundgebungen der Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA.

"Es geht nicht nur um den Zwarte Piet, es geht um Macht", sagt KOZP-Mitgründer Jerry Afriyie, der mit elf Jahren aus Ghana in die Niederlande kam und heute 39 Jahre alt ist.

Es geht um die Macht, wer entscheiden kann, ob wir eine rassistische Tradition aufrecht erhalten oder nicht, und wer entscheiden kann, was Rassismus ist und was nicht.
KOZP-Mitgründer Jerry Afriyie

Die Figur des "Zwarte Piet" genoss in der Bevölkerung der Niederlande eine große Beliebtheit. Aber 2015 erklärte ein UN-Ausschuss, der schwarz gekleidete Nikolaus-Begleiter werde von vielen auch als "Überrest der Sklaverei" betrachtet.

Schwarze Kinder fühlen sich ausgegrenzt

Und Afriye weist darauf hin, dass viele Kinder aus schwarzen Familien oder aus Familien anderer ethnischer Minderheiten im Umfeld des Nikolaus-Festes rassistisch behandelt würden. "Wenn andere Kinder in der Schule über einen lachen, wenn sie sagen, dass deine Farbe schmutzig ist oder wenn die Leute einem 'Zwarte Piet' nachrufen, dann fühlt man sich erniedrigt."

"Sagt was!" Aminata Belli appelliert im Interview an alle, die Zeuge von Alltagsrassismus werden.

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Seit 2011 kämpft Afriyie mit der KOZP für das Verschwinden des "Zwarte Piet" aus den Volksgebräuchen. Sein Einsatz schlug bisweilen in handfeste Auseinandersetzungen um, als er von Anhängern der Tradition mit Eiern beworfen und verprügelt wurde.

2016 wurde Afriyie von Polizisten mit Faustschlägen und Schlagstöcken traktiert, 2014, so erzählt er, sei er von Polizisten so heftig in den Würgegriff genommen worden, dass er um sein Leben gefürchtet habe.

Nikolaus-Gehilfe ist plötzlich gestreift

In diesem Jahr aber stehen die Zeichen auf Wandel. Die "Schwarzen Peter", die in der Öffentlichkeit auftauchen, sind nicht mehr ganz so schwarz, sondern rußig oder gestreift. Das Online-Netzwerk Facebook verkündete, Darstellungen der Traditionsfigur als eindeutiger "Zwarte Piet" zu löschen.

Der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson forderte die Niederlande auf, sie sollten auf den Schwarzen Peter vollends verzichten. Die Welle der Proteste hat auch Ministerpräsident Mark Rutte zum Umdenken bewegt. Hatte er noch in den Vorjahren die Ansicht vertreten, der Schwarze Peter sei "nichts weiter als schwarz", so erklärte er nun, er stelle sich darauf ein, dass diese Traditionsfigur aussterbe.

Für Afriyie sind dies Anzeichen für einen allgemeinen Umschwung. Die Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA hätten dazu geführt, dass "vor allem junge Leute" ihre persönliche Lebenslage überdacht hätten, sagt Afriyie. Dabei hätten sie festgestellt, dass ihnen seit Jahren immer dieselbe Geschichte aufgetischt worden sei.

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