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Kommentar

Frauenfußball "Causa Vogel" : Die vergebene Chance des DFB

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Ein Trainer-Fehlverhalten gegenüber einer Schiedsrichter-Assistentin und der Umgang damit erschüttern alle Ankündigungen, die Geschlechtergerechtigkeit im Fußball voran zu treiben.

Claudia Neumann und  Gladbachs U23-Fußballtrainer Heiko Vogel
Claudia Neumann kommentiert den Umgang des DFB mit der Causa Vogel
Quelle: ZDF/Imago

Von Erneuerungen zu sprechen ist das eine, sie zu leben ist die eigentliche Herausforderung. Der Deutsche Fußball Bund verpasst es in der "Causa Vogel" ein gesellschaftlich relevantes Signal zu setzen, der Diskriminierung von Schiedsrichterinnen und Fußballerinnen eigen-initiativ die Rote Karte zu zeigen.

Das Bemerkenswerteste in der vergangenen Fußball-Woche ereignete sich eher zwischen den Zeilen. Eine Allianz aller deutschen Fußballerinnen aus 1. und 2. Liga hat geschlossen aufbegehrt. Vereinfacht gesagt, sie alle haben die Nase voll von der üblichen Melange aus Lippenbekenntnissen und Papiertigern. Deutschlands Elite-Kickerinnen fühlen sich diskriminiert und sportpolitisch missbraucht.

Regionalliga-Coach zu Training mit Frauen-Team verurteilt

Auslöser waren eine verbale Entgleisung des Regionalliga-Trainers Heiko Vogel und die sportjuristischen Folgen. Vogel, Trainer der 2. Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, hatte Ende Januar eine Schiedsrichter-Assistentin sinngemäß mit den Worten "Frauen gehören nicht auf den Fußballplatz" abgewertet. Das Sportgericht des Westdeutschen Fußballverbandes wertete Vogels Vergehen als Unsportlichkeit und verhängte als Strafe eine Zwei-Spiele-Sperre, 1.500-Euro-Geldbuße und sechs Trainingseinheiten als Coach eines Frauenteams.

Auch Gladbachs Bemühungen nach dem ersten öffentlichen Aufschrei das Vogel-Training sozusagen als freiwilliges Angebot der Selbstreflexion zu verkaufen, ändert am Sachverhalt rein gar nichts. Das Training mit Frauen ist eine Strafe! So jedenfalls kommt es bei den Fußballerinnen an, und das ist in der Bewertung entscheidend. Unterm Strich also eine doppelte Diskriminierung von Frauen im Fußball.

DFB verpasst Reaktion

Vom Deutschen Fußballbund, der sich den Kampf gegen Diskriminierung jeglicher Art auf die Agenda geschrieben hat, kommt tagelang nur vornehmes Schweigen statt pro-aktiven Handelns. Dabei betont Präsident Fritz Keller immer wieder, dass Frauenförderung seine dringlichste Aufgabe sei, und fordert alle handelnden Personen im Fußball zum Umdenken auf.

Wer sich nicht verändert wird irgendwann mal wegradiert aus der Gesellschaft.
DFB-Präsident Fritz Keller zur Frauenförderung

Wo findet sich jetzt seine öffentliche Einordnung der Geschehnisse? Wo ist sein Statement, dass seiner Verantwortung gegenüber den Fußballerinnen gerecht wird? Stattdessen beantwortet Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg die Protestnote der Spielerinnen - der "Offene Brief" - auf der verbandseigenen Homepage. Zwar mit dem Verständnis einer Frau, aber ohne jegliche Signalwirkung.

Keller ist gefordert

Dieser Fall ist Chefsache! Der Mann an der Spitze des mächtigen Fußballverbandes ist gefordert, die Frauen-Thematik angemessen einzuordnen. Vorausgesetzt Fritz Keller ist noch voll umfänglich handlungsfähig, was angesichts der Dauerkrise im DFB keinesfalls sicher ist.

Der Ball lag auf dem Elfmeterpunkt, doch der DFB hat ihn miserabel verstolpert, den eigenen Worten - wie so häufig - keine Taten folgen lassen. Dabei geht es nicht um den verschärften Pranger, denn Fehler machen wir alle. Es geht um Solidarität und eine klare Haltung. Glaubwürdigkeit braucht deutlich mehr Kraft und Überzeugung.

Profifußball, Führungsposition, Frau: Eine Konstellation, die in Deutschland fast nicht vorkommt. Warum? Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Frauen mit jeder Menge Expertise.

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35 min
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