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Das goldene Wintersport-Erbe der DDR

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30 Jahre deutsche Einheit - Das goldene Wintersport-Erbe der DDR

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Deutschland gehört im Wintersport zu den erfolgreichsten Nationen weltweit. Das hat auch 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung viel mit dem Erbe der DDR zu tun.

Bildnummer: 00063548  Datum: 00.00.1984  Copyright: imago/Camera 4 Jens Weißflog (DDR) beim Interview; Olympische Spiele 1984, Olympia, Winterspiele, Olympiade, Nachdenklichkeit, Skispringen OS Winter Herren Einzel Kanada Einzelbild Randmotiv Personen
Gewann 1984 in Sarajevo Silber auf der Normalschanze: Jens Weißflog (DDR).

1984, Sarajevo: Skispringer Jens Weißflog aus Oberwiesenthal gewinnt seine erste olympische Goldmedaille, Eiskunstläuferin Katarina Witt ("Das schönste Gesicht des Sozialismus") schwebt zum Olympiasieg: Zwei der prägendsten Erfolge dieser Spiele für die kleine DDR.

Die DDR landet damals in der Medaillenwertung auf Platz 1 - vor Giganten wie der Sowjetunion und den USA. Dabei hat die DDR gänzlich auf die Förderung und die Teilnahme an medaillenträchtigen Sportarten wie dem alpinen Skisport verzichtet.

Erfolgsgeheimnis: Viel mehr als Doping

Natürlich bringen viele diese Erfolge vor dem Mauerfall sofort mit dem Begriff "Doping" in Verbindung. Aber diese einfache Erklärung greift viel zu kurz.

Als Kronzeuge dafür darf Hans-Georg Aschenbach gelten. Er war in den 70er Jahren einer der weltweit besten Skispringer, flüchtete vor dem Mauerfall aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland und gab als einer der ersten Sportler offen Doping zu. Er erklärte aber auch in einem Interview, dass vor allem das "einheitliche Talentsichtungssystem für Kinder in verschiedenen Sportarten und die hervorragenden Trainer die Grundlage für die Erfolge der DDR-Sportler" gewesen seien.

Hightech-Sportgeräte bis heute

Mindestens genauso wichtig für die DDR-Triumphe im Wintersportbereich war das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). In Berlin und in der Bobschmiede von Dresden entwickelten Ingenieure Hightech-Sportgeräte, die besonders in den Eiskanal-Sportarten Bob und Rennschlitten weltweit neue Maßstäbe setzten.

Das ist bis heute weitgehend so geblieben, denn das FES wurde bei der Wiedervereinigung vor drei Jahrzehnten erhalten und fortan aus Bundesmitteln finanziert. Es ist also kein Zufall, dass Deutschland bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea je drei Mal Gold im Bob- und Rennschlitten-Bereich gewann.

Rodel-Doppelsitzer Toni Eggert und Sascha Benecken jubeln über Bronze
Olympia 2018: Rodel-Doppelsitzer Toni Eggert und Sascha Benecken (beide gebürtige Suhler) jubeln über Bronze.
Quelle: dpa

Wiedervereinigung im Sport "deutlich besser als anderswo"

Auch in der Nordischen Kombination und im Biathlon gab es in Pyeongchang je drei Olympiasiege für die Wintersportnation Deutschland, die gemeinsam mit Norwegen an der Spitze der Goldmedaillen-Wertung landete.

Ein Langzeitresultat einer gelungenen Wiedervereinigung im Wintersport, wie Ex-Biathlet Ricco Groß findet. "Im Sport ist sie allgemein deutlich besser und schneller gelungen als anderswo", erklärte er im Gespräch mit "t-online.de".

Natürlich ging es auch hier nicht ohne Brüche über die Bühne. Der in der DDR aufgewachsene Groß musste beispielsweise nach der Wiedervereinigung nach Ruhpolding wechseln, weil sein Verein Dynamo Zinnwald aufgelöst wurde. Trotz dieses Orts- und Systemwechsels wurde er vier Mal Olympiasieger und neun Mal Weltmeister.

Probleme im Eisschnelllauf und Skilanglauf

Auch heute noch spielen Wintersport-Leistungsstützpunkte in der ehemaligen DDR wie die von Oberhof und Altenberg eine wichtige Rolle in der Talententwicklung. Allerdings ist es nicht gelungen, die Erfolge in allen Wintersportarten langfristig ins vereinte Deutschland zu transferieren.

Besonders das Eisschnelllaufen leidet: Hier gilt die noch in der DDR aufgewachsene und inzwischen 48 Jahre alte Claudia Pechstein immer noch als die Vorzeigefigur. Auch im Skilanglauf kämpft Deutschland vor der Nordischen WM 2021 in Oberstdorf um die Rückkehr in die Weltspitze. Übrigens mit einem West-Ost-Trainergespann mit dem bayerischen Chefcoach Peter Schlickenrieder und dem Thüringer Technik-Spezialisten Axel Teichmann.

Geldbeutel statt Gemeinschaft

Eine mögliche Erklärung für die Stagnation gibt Ricco Groß: "In der DDR war die Gemeinschaft ausgeprägter. Und das ist gerade im Jugend- und Juniorenbereich wichtig. Denn gerade da braucht man eine starke Mannschaft, um sich zu entwickeln. Mittlerweile kommen Top-Athleten nur noch raus, wenn das Elternhaus dahintersteht. Das Thema Spitzensportförderung steht erst einmal hintenan. Stattdessen sind das Engagement und der Geldbeutel der Eltern gefragt."

Keine idealen Bedingungen für die Wiederbelebung der deutschen Wintersport-Erfolgsserie. Auch wenn Jens Weißflog inzwischen erfolgreicher Hotelier ist und seine kleine Tochter Greta in Oberwiesenthal von der Schanze springt.

Ewiger Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele

1.         Deutschland*  150 Gold         145 Silber       113 Bronze

2.         Norwegen       132                  125                 111

3.         USA                105                  112                  88       

* Davon DDR zwischen 1968 und 1988

                        39 Gold                       36 Silber         35 Bronze      

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