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Paralympics | Rudern - Amalia Sedlmayr, ohne Füße in ein neues Leben

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Nach einer unwissentlich selbst herbeigeführten Bleivergiftung kämpft Amalia Sedlmayr bis heute mit den Folgen. Doch der Traum von einer Paralympics-Teilnahme gibt ihr Kraft.

Amalia Sedlmayr sitzt in ihrem Ruderboot
Amalia Sedlmayr
Quelle: pr.

Amalia Sedlmayr hat keine Füße mehr, und ist doch so "glücklich und zufrieden" wie seit Jahren nicht. Bis zur Amputation vor gut acht Monaten lebte sie mit gelähmten und spastisch entstellten Füßen, Schmerzen bestimmten ihre Tage - und vor allem Nächte.

Mit drei Stunden Schlaf kommt man ja schon normalerweise kaum aus, aber wie soll man da noch ein Leistungstraining absolvieren? Ich war an meiner Grenze.
Amalia Sedlmayr

Guter Tipp von Markus Rehm

Die ehemalige Triathletin wollte als Para-Ruderin zu den Paralympics 2020 in Tokio. Dafür quälte sie sich durch mit ihren gelähmten Füßen. "Aber dann kam Corona", erinnert sie sich: "Und alle Träume waren erst mal stillgelegt."

Sie hatte das Rudern erst im Frühjahr 2019 entdeckt. In einem Leverkusener Sanitätshaus ließ sie Schienen für ihre Füße anpassen und traf auf Markus Rehm - Prothesen-Weitspringer, Paralmypicssieger und Orthopädietechnikmeister.

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Sedlmayr bei der WM im Zweier

Er habe ihr gesagt, dass beim RTHC Bayer Leverkusen "athletische Frauen mit Einschränkungen" für das Para-Rudern gesucht wurden. Sedlmayr probierte es aus. Und noch im selben Sommer ging sie mit Markus Klemp im Zweier bei der WM ins Rennen.

Das Duo kam auf Platz drei im B-Finale. Das reichte nicht für die Tokio-Qualifikation, aber Sedlmayrs Begeisterung war geweckt. In die paralympische Saison 2020 startete die Sportstudentin mit Leopold Reimann als neuem Zweierpartner.

Amputation als Lösung

Als die Spiele verschoben wurden, war ihr jedoch schnell klar: Weitere anderthalb Jahre Training auf hohem Niveau mit diesen Schmerzen, das würde sie nicht schaffen. Die Operation war für nach Tokio geplant, doch jetzt wurde sie vorverlegt.

"Ich war nicht erschrocken von der Möglichkeit einer Amputation, sondern habe sie als Lösung gesehen", sagt Seldmayr. Sie wollte endlich wieder schlafen können. Sie wollte Füße, die funktionieren, und seien es Prothesen.

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Am 27. Juli 2020 war es so weit. Als sie nach der Operation wieder zu sich kam, war einer ihrer ersten Sätze: "Dann kann das Training für Tokio ja beginnen." Sedlmayr erinnert sich nicht daran. Aber so habe es ihr die Schwester im Aufwachraum erzählt.

Erste Symptome im Dezember 2013

Amalia Sedlmayrs Leidenszeit begann im Dezember 2013. Da hatte sie sich plötzlich häufig schlapp gefühlt. Sie war 21 Jahre alt, studierte damals in Heidelberg Übersetzungswissenschaften, war aktive Triathletin und ein helles Köpfchen, das die Uni-Kurse in doppeltem Tempo absolvierte. Die Ärzte waren ratlos, und die Symptome wurden immer schlimmer.

Zweieinhalb Jahre später hatte sie eine Leberfunktionsstörung, ein geschädigtes Rückenmark, neurologische Ausfälle in den Beinen, so dass sie auf den Rollstuhl angewiesen war, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen - und noch immer wusste niemand, wieso.

Sedlmayr: "Hatte Angst, dass ich sterbe"

Im Frühjahr 2016 ging es ihr so schlecht, dass sie mal wieder ins Krankenhaus ging. "Ich rief meine Mutter an und bat sie zu kommen. Ich hatte Angst, dass ich sterbe", erinnert sich Sedlmayr. Ein junger Assistenzarzt in Heidelberg, der zum ersten Mal von ihrer Krankengeschichte hörte, veranlasste einen Bluttest auf Schwermetalle.

Und der brachte tatsächlich endlich Klarheit: Sedlmayr litt an einer Bleivergiftung. Ein kleiner silberner Fisch war schuld. Die junge Frau hatte ihn auf einem Flohmarkt erstanden und in ihre Karaffe gelegt. Sie wusste nicht, dass er aus Blei war. Und so trank sie tagtäglich unbemerkt vergiftetes Wasser.

Endlich wieder laufen

Einige Schädigungen waren nicht mehr rückgängig zu machen. Etwa die an den Füßen. Heute kann Sedlmayr noch nicht den ganzen Tag auf ihren neuen Prothesen laufen, aber sie kann laufen.

Und sie kann wieder rudern. Noch nicht so viel, wie sie gern würde, da die Stümpfe noch schmerzen. Aber genug, um wieder von den Paralympics zu träumen. Genug, um voller Zuversicht der Qualifikation für Tokio im Mai entgegen zu sehen.

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