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Shutdown im Amateursport - Die Angst, eine Generation zu verlieren

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Im Amateursport bleibt es beim Stillstand. Auch die von Vereinen und Verbänden in der Corona-Pandemie geforderte konkrete Öffnungsperspektive gibt es vorerst nicht.

SPORTreportage: Problematik Breitensport
Im Amateursport bleibt es beim Stillstand.
Quelle: ZDF

Mit einem Schuss schwarzen Humors hätten sich Amateurfußballer in vielen Teilen Deutschlands am vergangenen Wochenende leicht trösten können: Fußball im Tiefschnee ist auch in normalen Zeiten nicht möglich.

Keine Lockerungen beim Sport

Von der Konferenz von Bund und Ländern am Mittwoch war dagegen von vornherein kaum Trost zu erwarten. Die Sportministerkonferenz hatte zwar im Vorfeld gefordert, "den Sport in den Beschlussfassungen zu Lockerungen zu berücksichtigen". Aber kaum jemand hatte mit kurzfristigen Änderungen am Stillstand von Trainings- und Wettkampfbetrieb in den meisten Sportarten gerechnet.

In den am Mittwochabend bekanntgegebenen Beschlüssen taucht der Sport in den ersten beiden Öffnungsschritten nicht auf. Erst bei einem Inzidenzwert von unter 35 soll neu darüber nachgedacht werden.

Eine Frau beim einem Friseur

Bund und Länder einig -
Shutdown wird verlängert bis 7. März
 

Bund und Länder haben sich auf den weiteren Corona-Kurs geeinigt. Der Shutdown geht weiter. Doch es gibt Hoffnung für Kitas, Schulen - und eine bestimmte Branche.

"In der öffentlichen Diskussion über Lockerungen geht es meist um die großen Blöcke Schule, Kita, Einzelhandel", sagte Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes, im Gespräch mit ZDFheute.de, schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse.

Wir müssen darum kämpfen, dass der große Stellenwert des Sports genug Beachtung findet.
Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes

Björn Fecker gilt in Bremen als "Mann der Basis" ("Weser-Kurier"). Er vermisst es, am Wochenende an der Seitenlinie seines Heimatklubs FC Huchting zu stehen. Trotzdem plädiert er für eine besonnene Haltung, wenn es um Öffnungen geht. "Ich fand die Berliner Regelung sinnvoll, dass Kinder bis zwölf Jahren in der Gruppe trainieren können", sagt er.

"Maßvolles Agieren"

"Allerdings führt das Auftreten der Mutation in Deutschland zu ganz vielen Fragezeichen, da ist Vorsicht geboten. In dieser Abwägung ist maßvolles Agieren wichtig: auf den Stellenwert hinweisen, aber nicht nach vorne drängeln." Der Berliner Senat hat Mitte Januar die Ausnahmeregelung für Kinder unter zwölf Jahren wieder außer Kraft gesetzt.

In den Bremer Fußball-Vereinen scheint diese Abwägung zu funktionieren. "Es gibt aus den Vereinen heraus keinen Druck, den Shutdown sofort zu beenden, wohl aber den Ruf nach einer verlässlichen Perspektive", so Fecker. Ähnlich äußert sich der Präsident des Landesportbundes in Bremen, Andreas Vroom.

Der erneute Lockdown trifft den Amateursport in Deutschland hart. Neben den finanziellen entstehen neue Probleme: Die Vereine verlieren ihre Mitglieder.

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Vereinen geht es besser als den Sportlern

"Bei den meisten Vereinen sieht es wirtschaftlich nicht dramatisch aus - aber auch nur, weil es die Hilfsprogramme einschließlich Kurzarbeit, verantwortungsvolle Vereinsführungen und die Treue der Vereinsmitglieder gibt", so Vroom im "Weser-Kurier".

Sorgen macht mir, wie lange es der Sportler als Mensch ohne Bewegung und Sozialkontakt mit Blick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit noch aushält.
Andreas Vroom, Präsident des Landesportbundes in Bremen

Für die Vereine selbst besteht laut Björn Fecker vor allem die Sorge, ob die lange Auszeit längerfristige Auswirkungen hat, insbesondere auf den Kinder- und Jugendbereich.

Wann ist die Geduld am Ende?

"Die Frage ist, ob die, die noch nicht bei uns waren, den Weg zu uns finden", sagt Fecker: "Oder haben wir eine Generation, die sich vor allem auf das Digitale konzentriert? Es ist etwas anderes, ein erzieltes Tor mit der Mannschaft zu feiern oder es an der Konsole mit der Tastenkombination zu erzielen. Denjenigen, die das noch nicht kennen, denen müssen wir dieses Erlebnis vermitteln." Dafür müsste auch über besondere Einstiegsformate nachgedacht werden, wenn es wieder möglich ist.

Viele Äußerungen aus dem Amateursport deuten darauf hin, dass er sich kein weiteres Mal unter "ferner liefen" einsortieren lässt. 

Schlimme Folgen für die Gesellschaft

DFB-Vize Rainer Koch hat schon mal den Ton dafür angeschlagen: "Den gesamten Breitensport in der Diskussion völlig außen vor zu lassen, wird sonst schlimme Folgen für unsere Gesellschaft haben, speziell bei den Kindern und Jugendlichen", sagte er der "Welt".

Speziell der Fußball habe als Freiluftsport nachgewiesen, mit seinen Konzepten keine Risikoquelle zu sein.

Der erneute Corona-Lockdown trifft auch den Sport hart. DOSB-Präsident Alfons Hörmann macht sich um die Vielfalt des Sports in Deutschlands Sorgen und blickt bereits auf Olympia.

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