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Kaepernick darf auf zweite Chance hoffen

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American Football und Rassismus - Kaepernick darf auf zweite Chance hoffen

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Colin Kaepernick ist als kniender Quarterback bekannt. Sein Protest kostete ihn 2017 den Job. Nun hat die NFL Fehler eingeräumt. Doch wird sie ihm eine zweite Chance geben?

Colin Kaepernick am 03.09.2018 in Los Angeles (USA)
Colin Kaepernick.
Quelle: usa today sports

Es war ruhig um ihn geworden. Doch der qualvolle Tod von George Floyd durch einen weißen Polizisten und die folgenden landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus brachten Colin Kaepernick wieder ins Bewusstsein vieler Menschen. Er hatte bereits im Sommer 2016 auf dieses Thema aufmerksam gemacht.

LeBron James: "Versteht ihr jetzt?"

"Versteht ihr jetzt - oder ist es immer noch vernebelt für euch?", fragte LeBron James seine 66 Millionen Instagram-Follower. Der Basketballstar der Los Angeles Lakers hatte ein Foto gepostet, das den knienden Polizisten auf Floyds Hals zeigt und daneben einen knienden Kaepernick.

Der damalige Quarterback der San Francisco 49ers hatte sich bei der Nationalhymne hingekniet, um auf Missstände gegenüber Schwarzen hinzuweisen. "Menschen werden ungerechterweise getötet, aber die Polizisten dafür nicht zur Rechenschaft gezogen", so Kaepernick damals. Er machte zugleich deutlich, dass er nicht für sich kniee, "sondern für all die Leute, die nicht eine solche Plattform haben, wie ich. Leute, deren Sorgen und Ängste nicht gehört werden, um etwas dagegen zu tun."

Trump beleidigte Kaepernick

Obwohl es ein stiller, friedlicher Protest war, gab es ein großes Echo. US-Präsident Donald Trump bezeichnete ihn als "Hurensohn", der aus der NFL rausgeschmissen gehöre. 2017 verlor Kaepernick seinen Job (zdfsport.de und die SPORTreportage dokumentieren den Fall am Sonntag).

Doch nun räumte Ligaboss Roger Goodell ein, damals Fehler gemacht zu haben. "Wir, die National Football League, geben zu, dass es falsch war, nicht früher schon NFL-Spielern zuzuhören und alle zu ermutigen, ihre Meinung zu sagen und friedlich zu protestieren", sagte Goodell. Das klang zunächst einmal gut. Doch das wirkte leider nur halbherzig. Denn Goodell hatte das Wichtigste vergessen - Kaepernick wurde mit keiner Silbe erwähnt. Der Ärger über dieses Versäumnis sitzt entsprechend tief.

Die NFL hat viel getan, ihren Profis zugehört, Geld gespendet. Aber sie hat einen Spieler ignoriert - Colin Kaepernick
Malcom Jenkins (New Orleans Saints)

Findet Kaepernick einen neuen Verein?

Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton forderte anlässlich seiner Grabrede bei der Beerdigung von George Floyd in Richtung Goodell: "Entschuldige dich nicht. Gib’ Kaepernick einen Job." Bekommt Kaepernick noch eine Chance?

Und so dürfte vor der neuen Saison eine der interessantesten Fragen sein, ob sich in der Liga, deren Teambesitzer zu 94 Prozent Weiße, aber 70 Prozent der Spieler Afro-Amerikaner sind, ein Verein findet, der Kaepernick zu einem Probetraining einlädt. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass er 2016 richtig lag. "Er war nicht vorausschauend, sondern sah die Wahrheit, die andere nicht sahen, nicht sehen konnten oder nicht sehen wollten", heißt es im "Boston Globe". Und das Magazin "Time" schreibt: "Colin Kaepernick hatte Recht."

Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin -
Bewegender Abschied von George Floyd
 

Gut zwei Wochen nach seinem Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz wird der Afroamerikaner George Floyd heute im US-Bundesstaat Texas beigesetzt. Die Anteilnahme ist groß und die politischen Forderungen nach Änderungen werden lauter.

Videolänge:
6 min
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