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Tennis mit Zuschauern : Australian Open - eine OP am offenen Herzen

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Die Australian Open mit Publikum sollen ein Tennis-Exempel in der Pandemie werden. Bedenken werden weggewischt. Für das Turnier Down Under geht es um die Existenz.

Archiv: Australian Open am 02.02.2020 in Melbourne
Volles Haus: Wie in Vor-Corona-Zeiten sollen die Australian Open trotz Pandemie vor Publikum stattfinden - die Fallzahlen in Melbourne machen es möglich.
Quelle: AP

So einen Betrieb, ein solches Gewusel hat selbst der Melbourne Park noch nicht erlebt. Über 300 Spielerinnen und Spieler tummeln sich in dieser Woche auf den insgesamt 24 Tennisplätzen bei sechs parallel stattfindenden Vorbereitungsturnieren für die Australian Open, die am kommenden Montag mit dreiwöchiger Verspätung hier beginnen sollen.

Die weitläufige Tennisanlage am Yarra River ist mit fast 20 Hektar Fläche die größte unter den vier Grand-Slam-Arealen, dennoch sind Engpässe in vielen Bereichen vorprogrammiert. Auch, weil die Australian Open mit täglich 30.000 Zuschauern stattfinden sollen.

Tennis-Profis wurden eingeflogen - und in Quarantäne gesteckt

Aber Bedenken sind in diesen Tagen nicht gefragt. Melbourne will ein Tennis-Exempel statuieren inmitten der Corona-Pandemie - es kommt einer Operation am offenen Herzen gleich. Aber Turnierchef Craig Tiley verspricht vollmundig der Tennis-Gemeinde "ein Freudenfest" und hat mal eben mit dem australischen Tennisverband 25 Millionen Euro allein für die Corona-Quarantänemaßnahmen im Vorfeld ausgegeben.

Für gut 10.000 Corona-Tests, 2.000 zusätzliche Sicherheitskräfte, dazu mobile Desinfektionsteams. Und über 1.200 Profis samt Begleittross ließ man vor zwei Wochen mit 17 eigens gecharterten Maschinen aus sieben Städten weltweit nach Melbourne einfliegen und sie für die 14-tägige Quarantäne in Viersterne-Hotels einquartieren. Genörgelt wurde unter den Tennis-Profis dennoch.

Kerber: "Ich kann nicht viel von mir erwarten"

Über das Essen etwa, die Unterbringung, die Gesamtsituation. Und mehr als 70 Profis, wie auch die deutsche Siegerin von 2016, Angelique Kerber, mussten sogar in die verschärfte Quarantäne und durften das Hotelzimmer 14 Tage gar nicht verlassen, weil es in einigen der Flieger doch positive Fälle gegeben hatte.

Die Mehrheit der Profis wie Mitfavorit und Vorjahres-Halbfinalist Alexander Zverev durfte zumindest fünf Stunden täglich zum Training hinaus. Ein fairer Wettbewerb werden diese Australian Open nicht. "Ich kann nicht viel von mir erwarten", monierte Kerber:

Mir fehlen zwei Wochen Training. Ich muss es hinnehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen.
Angelique Kerber

Zweiklassen-Gesellschaft in der Quarantäne

Dass die Stars der Szene wie Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Serena Williams eine Luxus-Quarantäne in Adelaide verbringen durften, mit unlimitierter Trainingszeit und größeren Freiheiten beim Freizeitangebot, hatte für Unmut gesorgt. Auch bei Zverev, der Nummer sieben der Welt.

Das war der einzige Fehler, den die Organisatoren gemacht haben. Die Spieler in Adelaide hatten mehr Trainingszeiten und mehr Freiheiten als die in Melbourne.
Alexander Zverev

Melbourne aktuell Corona-frei

Doch die Beschwerden der Spieler sind inzwischen verstummt, beim "Happy Slam" wird vieles weggelächelt. Tiley erfüllt den anspruchsvollen Spielern stets alle Sonderwünsche, das macht loyal.

Und Melbourne ist seit mehr als drei Wochen ohne positiven Corona-Fall, insgesamt hat Australien bei etwa 25 Millionen Einwohnern mit 28.811 verzeichneten Fällen und etwa 900 verstorbenen Menschen die Pandemie im Griff. Doch das hatten die Bewohner mit gut hundert Tagen hartem Lockdown teuer bezahlt. Bei aller Tennis-Verrücktheit fragen sich viele Melbourner: Warum um jeden Preis diesen Grand Slam durchziehen?

Katar sägt am Stuhl der Australian Open

Es geht ums Geld: Die Australian Open machten 2020 einen Gewinn von über 200 Millionen Euro und für das Bruttosozialprodukt des Bundesstaats Victoria brachte das Turnier 250 Millionen Euro - 1,8 Milliarden Euro waren es in den vergangenen zehn Jahren.

Absagen geht nicht, denn Katar drängt sich darum, den ersten Grand Slam des Jahres in Doha auszutragen. Also zieht es Melbourne durch, mit Zuschauern. Doch das Risiko bleibt, dass die Australian Open ein Superspreader-Event werden. Das Tennis-Exempel wird ein Tanz auf der Rasierklinge.

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