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Para-Sport: Aus dem Osten in die Welt

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30 Jahre deutsche Einheit - Para-Sport: Aus dem Osten in die Welt

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Körperbehinderte Athleten aus der DDR traten bis zur Wende international kaum in Erscheinung. Danach sorgten einige für Furore, und der Westen profitierte vom Trainer-Knowhow.

Deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2016 in Rio
Die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Paralympics 2016 in Rio de Janeiro.
Quelle: dpa

Die deutsch-deutsche Annäherung der Behindertensportler begann im Frühjahr 1990 im brandenburgischen Rathenow bei einer Kiste Pils. Daran erinnern sich die ehemaligen Para-Leichtathleten Karl Quade und Jörg Frischmann auch 30 Jahre später noch gern. Am Abend wurde angestoßen. Auf das Abenteuer eines Ausflugs in die Welt des DDR-Sports - und auf eine gesamtdeutsche Zukunft.

West-Team bei letzten DDR-Meisterschaften

Mit einem kleinen westdeutschen Team waren Quade und Frischmann der Einladung zu den letzten DDR-Mehrkampfmeisterschaften gefolgt, hatten eine Antrittsprämie in Ostmark kassiert (und dafür das Bier erstanden), im Kinderferienlager Premnitz übernachtet und schließlich bei Nieselregen im Trainingsring von Kugelstoß-Olympiasieger und 23-Meter-Stoßer Ulf Timmermann (später wurde seine Beteiligung am DDR-Dopingprogramm aufgedeckt) Bekanntschaft mit einer DDR-typischen Braunkohlestaub-Schmierschicht gemacht.

Quade - 1988 mit den westdeutschen Standvolleyballern Paralympicssieger, aber auch ein guter Leichtathlet - kam halbwegs klar mit dem rutschigen Ring und gewann den Fünfkampf. "Die Medaille habe ich heute noch", sagt der Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband (DBS) und langjährige Chef de Mission der deutschen Paralympicsmannschaften.

30 Jahre gesamtdeutscher Sport- 30 Jahre Geschichte von Annäherung und gelernter Gemeinsamkeit. "SPORTreportageExtra" mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im deutschen Sport.

Beitragslänge:
46 min
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Trainer-Knowhow und Dopingverdacht

Bei Frischmann, 1992 Paralympicssieger im Kugelstoßen, steht noch immer der Rahmentrainingsplan der DDR-Leichtathleten im Regal. Sein Empfinden zu Zeiten der Wiedervereinigung: "Ein komisches Gefühl, aber auch totale Neugier", erzählt der 57-Jährige. Da seien auf der einen Seite die Geschichten über Doping gewesen, und auf der anderen Seite ein wahnsinniges Knowhow in Sachen Techniktraining und Trainingsgestaltung.

"Die ostdeutschen Athleten haben uns punktuell verstärkt, und wir haben sehr viel Trainerqualität dazu bekommen", lautete Frischmanns Fazit aus westdeutscher Sicht. Überall in Deutschland war der Behindertensport damals noch deutlich weniger organisiert als heute. In Sachen Anerkennung und Gleichstellung ging es erst in den letzten 20 Jahren so richtig voran.

DDR-Parasportler international kaum in Erscheinung

Im Osten hätten es die Athleten aber noch etwas schwerer gehabt, Zugang zu Trainingsstätten und Wettkämpfen zu erhalten, erzählt Quade. International seien körperbehinderte Sportler aus der DDR anders als ihre Kollegen aus den olympischen Disziplinen bis zur Wiedervereinigung kaum in Erscheinung getreten. Für sie öffnete sich mit der Wende die ganze Welt des Parasports.

Wie wir dann erfuhren, haben sie nur in den sozialistischen Ländern Sport getrieben.
Karl Quade, Vizepräsident Leistungsport im DBS

Bei der WM der Para-Leichtathleten 1990 in Assen traten noch zwei deutsche Teams an. DDR-Athleten wie etwa Marianne Bruggenhagen aus Uckermünde, Detlef Eckert aus Halberstadt oder Martina Willing aus Pasewalk sorgten dort - und in den Folgejahren auch im gesamtdeutschen Team bei den Paralympics - für Furore.

Große Sitzvolleyball-Liga in der DDR

Abseits der Leichtathletik war im Behindertensport der DDR vor allem Sitzvolleyball populär. "Die Liga war größer als die in der Bundesrepublik", sagt Quade. Nach dem Wegfall der staatlichen Förderung hätten sich allerdings nur Dresden und Magdeburg als Hochburgen halten können.  

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