Sie sind hier:

Bilanz des Skisprung-Winters - König Karl, Corona und ein Hoffnungssignal

Datum:

Ein außergewöhnlicher Skisprung-Winter geht auf der Flugschanze von Planica zu Ende. In der Bilanz dieser Corona-Saison sticht Karl Geiger mit seinen Erfolgen hervor.

Karl Geiger am 06.01.2021 in Bischofshofen
Karl Geiger
Quelle: Reuters

Skiflug-Weltmeister und Doppel-Champion bei der Heim-WM: Karl Geiger ist der große Gewinner des Skisprung-Winters, der an diesem Wochenende im slowenischen Planica zu Ende geht. Am Freitag feierte er bei dem vom schweren Sturz des Norwegers Daniel Andre Tande überschatteten Weltcup seinen nächsten Saisonsieg. Heute (10 Uhr/live im ZDF) will er gemeinsam mit dem Team den nächsten Erfolg einfliegen.

Dass die Ski-Adler in den letzten vier Monaten zumindest die Fans vor dem Fernseher begeistern konnten, ist aber sicher der größte Erfolg in Zeiten von Corona. Neben Weltcup-Chef Sandro Pertile erkrankten auch Topstars an Covid-19. Der erste in der prominenten Reihe war Karl Geiger. Auch der ÖSV-Springer Stefan Kraft oder der Weltcup-Gesamtsieger Halvor Egner Granerud erkrankten während der Saison an Covid-19. Doch sie kamen alle gesund zurück und setzten mit ihren Leistungen ein Signal der Hoffnung.

Sport | ZDF SPORTextra - Turbulentes Team-Skifliegen am 27. März 

Das Team-Skifliegen in Planica. Der Wettbewerb wurde im ersten Durchgang wegen Windböen abgebrochen. Das DSV-Team hatte sein Team vorzeitig zurückgezogen, dazu die Interviews.

Videolänge
91 min

Der König: Karl Geiger

Dieser Mann aus dem Skisprung-Mekka Oberstdorf ist einfach ein Phänomen. Bundestrainer Stefan Horngacher sagt über ihn:

Karl Geiger ist der mental stärkste Athlet, den ich jemals trainiert habe.

Wenn es in diesem Winter wirklich drauf ankam, spielte Geiger fast immer die erste Geige. Das begann mit seinem sensationellen Einzel-Weltmeistertitel im Skifliegen im Dezember in Planica. Setzte sich nach überstandener Corona-Infektion bei seinem Auftaktsieg bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf und Platz zwei in der Gesamtwertung der Tournee fort. Und fand mit insgesamt vier Medaillen bei der Heim-WM vor seiner Haustür – davon zweimal Team-Gold nach überragenden Schlusssprüngen von Geiger – seine Krönung. Dazu wurde Geiger in diesem Winter erstmals Vater. "Der Mann ist einfach eine Maschine", befand Teamkollege Pius Paschke.

Besondere Siegertypen: Stoch, Zyla, Kraft und Granerud

Neben Geiger gab es in diesem außergewöhnlichen Skisprung-Winter aber auch andere bemerkenswerte Siegertypen. Der Pole Kamil Stoch gewann die Vierschanzentournee zum dritten Mal, obwohl er nach einer vermeintlichen Corona-Infektion eines Teamkollegen fast nicht beim Auftaktspringen hätte starten dürfen.

Sein Landsmann Piotr Zyla krönte sich im stolzen Flieger-Alter von 34 zum ersten Mal zum Einzel-Weltmeister. Auch Stefan Kraft holte bei der WM Oberstdorf einen Titel, nachdem er zuvor unter Corona und schweren Rückenproblemen gelitten hatte.

Und dann war da noch die unglaubliche Erfolgsstory von Halvor Egner Granerud. Noch im Frühjahr 2020 musste der Norweger, der einst nackt von einer Schanze gesprungen war, wegen Erfolglosigkeit in einem Kindergarten jobben. Am Sonntag erhält er in Planica die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup-Sieg.

Andere Gewinner: Severin Freund und die Flieger-Knie

Das unglaublichste Comeback in diesem Winter schrieb ganz sicher Severin Freund. Viele hatten den 32-Jährigen nach seiner Verletzungsserie mit einer Hüftoperation, zwei Kreuzbandrissen und latenten Rückenproblemen schon abgeschrieben. Doch Freund für seinen Kampfgeist belohnt. Bei seinem ersten WM-Auftritt seit sechs Jahren holte er in Oberstdorf mit der deutschen Mannschaft Team-Gold. Jubeln konnte da auch Markus Eisenbichler, der im Gesamtweltcup noch um Platz zwei kämpft.

Zu den Gewinnern gehörten in diesem Winter auch die Flieger-Knie. Denn nach einer Regeländerung – die Keile in den Schuhen der Flieger wurden reglementiert und damit die Landung erleichtert – gab es deutlich weniger Kreuzband-Verletzungen.

Die Enttäuschten: Wellinger und Co

Auch der zweimalige Olympiasieger Andreas Wellinger hatte sich 2019 eine schwere Knieverletzung zugezogen. In der nun zu Ende gehenden Saison wollte das einstige Wunderkind wieder aufs Podest fliegen, doch das ging schief.

Genau wie der einstige Überflieger Richard Freitag gab Wellinger nur kurze Gastauftritte im Weltcup und verpasste alle Saison-Höhepunkte. Jetzt hofft der 25-Jährige auf die kommende Olympia-Saison.

Die Frauen: Bauers Abschied mit Frust und Gold

Auch die deutschen Skispringerinnen, die an diesem Wochenende in Russland ihre Saison mit wenigen Wettbewerben beenden, enttäuschten nach Jahren voller Goldmedaillen.

Rekord-Weltmeisterin Carina Vogt kam wegen Knieproblemen nie in Form, es gab im Weltcup keinen einzigen Podestplatz für die DSV-Frauen. Bei der Heim-WM erklärte Bundestrainer Andreas Bauer nach zehn Jahren zudem seinen Rücktritt. Immerhin ging er mit Gold im Mixed-Wettbewerb – vor allem dank König Karl Geiger.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.