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Fußball-Bundesliga - Blindenreporter: Wie ein Navigationssystem

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Live-Reportagen für sehbehinderte Fans zählen in der Fußball-Bundesliga seit langem zum guten Ton. Geisterspiele sind auch für die Blindenreporter eine echte Herausforderung.

Lars Wegener und Broder-Jürgen Trede (rechts), Netradio-Reporter des Hambuger SV, an ihrem Arbeitsplatz im Stadion
Lars Wegener und Broder-Jürgen Trede (rechts)
Quelle: Hamburger SV

"Poh, hundertprozentige Chance für den HSV!" Normalerweise hätte Broder-Jürgen Trede bei diesem Ausruf im HSV-Netradio im Volksparkstadion gesessen - mitten unter zwanzig Sehbehinderten und Blinden, die seine Reportage per Funk im Kopfhörer verfolgt hätten.

Orientierungshilfe Einwurf

Aber es ist Geisterspielzeit - so saß er beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld mit seinem Kollegen Lars Wegener nebenan in der Nachwuchs-Akademie vor dem Fernsehbild.

"Der Sehbehindertenreporter arbeitet wie ein Navigationssystem - er verortet permanent das Spielgeschehen", erklärt Trede seinen Job: "Da der Fußball schnell und komplex ist, verfährt man sich andauernd, hat aber immer die Chance, rechts ranzufahren und sich neu zu orientieren. Deshalb sagen wir zum Beispiel bei Einwürfen immer ganz genau, wo sie ausgeführt werden."

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Online-Seminar für die Kollegen

Mittlerweile kommen in fast allen Bundesligastadien Blindenreporter zum Einsatz: Viele von ihnen wurden von Trede fortgebildet, der einen hohen Anspruch an die journalistische Qualität der Reportagen hat.

Die werden längst auch übers Internet gesendet und holen die Hörer anders als der traditionelle Rundfunk die vollen 90 Minuten ins Geschehen. Gerade hat Trede wieder in vier Online-Seminaren seine Kollegen aus der Bundesliga im Auftrag der DFL geschult, um mit den veränderten Bedingungen klarzukommen.

Die DFL hat in Ihren Empfehlungen für die Geisterspiele keinen Platz für die Sehbehindertenreporter vorgesehen. Während sich die meisten Klubs daran halten, hat der FC St. Pauli bei seinen Heimspielen dennoch die Möglichkeit für eine Reportage aus dem Stadion geschaffen.

In der Kneipe mitreden können

Vor dem Bildschirm fehlt nicht nur die Stadionatmosphäre - die Reporter sind in jedem Moment auf den kleinen Bildausschnitt angewiesen, den die Bildregie anbietet. Außerdem fällt die direkte Interaktion mit den Fans im Stadion weg, die sonst dazu führt, dass Trede und seine Reporterkollegen auch mal spontan auf Zwischenrufe, Kommentare und Fragen reagieren. 

"Dafür ist es ein Fest, drei Zeitlupen zu bekommen", sagt Trede: "Die kann ich bei kneipenrelevanten Szenen wie den Toren in aller Ruhe sprachlich so auseinandernehmen, dass ein tolles Bild entsteht. Es ist unser Hauptziel, den Leuten solche Bilder zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, nachher in der Kneipe gleichberechtigt mitzureden."

Raum für Hör-Erlebnisse

Und während sonst die Regel gelte, ohne Punkt und Komma zu reden, werde jetzt auch Raum für Hör-Erlebnisse gelassen. Zum Beispiel für den Small-Talk bei der Seitenwahl oder den Moment, wenn der Fuß bei der Ecke gegen den Ball klatscht.

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