ZDFheute

FIFA: Keine Strafe wegen Protesten

Sie sind hier:

Sancho, McKennie, Thuram - FIFA: Keine Strafe wegen Protesten

Datum:

Die Bundesliga-Profis, die gegen Polizeigewalt in den USA protestierten, müssen wohl nicht mit Sanktionen seitens des DFB rechnen. Die FIFA rät, ein Auge zuzudrücken.

Die Proteste einiger Spieler gegen Rassismus werden voraussichtlich straffrei bleiben, wie das ZDF aus DFB-Kreisen erfuhr - obwohl der Verband solche Proteste auch künftig lieber abseits des Rasens sähe.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Nach dem Wunsch der FIFA sollen die viel beachteten Aktionen gegen den Tod von George Floyd, der durch Polizeigewalt starb, ungestraft bleiben. Der Fußball-Weltverband sprach sich in einer Stellungnahme dafür aus, dass in diesem Zusammenhang "gesunder Menschenverstand" herrschen solle.

FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte: "Um Missverständnisse bezüglich der FIFA-Wettbewerbe auszuräumen, sollten die jüngsten Proteste von Spielern bei Bundesligaspielen nicht sanktioniert, sondern begrüßt werden", sagte Infantino der Nachrichtenagentur AFP: "Wir müssen alle zu jeglicher Form von Rassismus und Diskriminierung 'Nein' sagen."

Aktionen bleiben voraussichtlich straffrei

Ein Signal, das beim DFB offenbar angekommen ist. Die Aktionen werden voraussichtlich straffrei bleiben, erfuhr das ZDF aus Kreisen des DFB - obwohl der Verband solche Proteste auch in Zukunft lieber abseits des Rasens sähe. DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärte im ZDF:

"Wann finden wir eine politische Botschaft richtig und wann falsch? Darüber kann und muss man mitunter diskutieren. Nur im Spiel geht das nicht. Da die Motivation und die Aussagen der Spieler vom Wochenende aber ohne Zweifel zu begrüßen sind, werden die DFB-Sportrichter im aktuellen Fall sicher zu einer salomonischen Bewertung gelangen."


Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, hatte erkärt, er "habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Kontrollausschuss das Thema mit Besonnenheit und Augenmaß behandeln wird."

Am vergangenen Wochenende hatten Weston McKennie (Schalke 04), Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach) und Jadon Sancho (Borussia Dortmund) auf dem Rasen gegen die Polizeigewalt in den USA protestiert und damit fast ausnahmslos Zuspruch erhalten - in der Bundesliga und über Grenzen hinweg.

Gladbach-Trainer Rose: "Schwer in Ordnung"

"Wenn man sich öffentlich gegen Rassismus stellt", lobte Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose, "dann ist das schwer in Ordnung". Sein Schützling Marcus Thuram war niedergekniet, nachdem er ein Tor erzielt hatte, und damit nach dem Vorbild des US-Quarterback Colin Kaepernick Protest gegen Rassismus ausdrückte.

Jadon Sancho am 31.05.20 in Paderborn
Jadon Sancho
Quelle: DPA

"Ich würde mir wünschen, dass die Spieler häufiger solche Verantwortung übernehmen. Denn wir alle wissen, was für eine Wirkung sie haben", sagte Bayern Münchens Vorstandsmitglied Oliver Kahn bei Sky90.

Die Proteste werden international beachtet

In England, Spanien oder Frankreich titelten die Medien mit großen Lettern und bunten Bildern von den Aktionen. Aber auch in Japan, Nigeria, Indien oder Australien - und natürlich in den USA.

Der Tenor der Schlagzeilen war weltweit gleich, die Aktionen der Fußballer wurden als richtiges Signal und wichtige Antwort auf die verstörenden Bilder aus den USA aufgenommen. Gleichzeitig nutzten auch Superstars anderer Sportarten ihre Reichweite für wichtige Botschaften.

Nach dem Tod des Afroamerikaners Floyd bricht sich die Wut über die Polizeigewalt und den Rassismus in den USA Bahn – landesweit inzwischen in mehr als 30 Städten. Es kommt zu zahlreichen Plünderungen und Vandalismus. Die Polizei geht hart dagegen vor.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Lewis Hamilton kritisiert die Zurückhaltung in der Formel 1

"Ich stehe zu denen, die auf den tief verwurzelten Rassismus und die Gewalt gegen schwarze Menschen in unserem Land aufmerksam machen", sagte Basketball-Ikone Michael Jordan.

Formel-1-Champion Lewis Hamilton geißelte indes auch die Zurückhaltung zahlreicher Kollegen. "Ihr, die schweigt, ich sehe euch. Einige von euch sind die größten Stars, und doch bleibt ihr inmitten der Ungerechtigkeit still", schrieb er in den Sozialen Medien.

Schwarze werden von Polizei und Gerichten schlechter behandelt als Weiße. Das belegen Statistiken und Studien. Immer wieder gab es auch besonnene Politiker, die die Menschen im Land zu einen suchten. Viele erwarten von Präsident Trump ein solches Zeichen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

DFB-Regeln besagen: Keine persönlichen Slogans

So positiv das Echo auch ist, genaugenommen haben die Profis gegen Regeln verstoßen. In den vom zuständigen International Football Association Board (IFAB) verabschiedeten und vom DFB übernommenen Regeln zur Saison 2019/20 heißt es bei Regel 4 ("Ausrüstung der Spieler") auf Seite 27, dass die Ausrüstung "keine politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bilder aufweisen" dürfen. Und:

Spieler dürfen keine Unterwäsche mit politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bildern oder Werbeaufschriften mit Ausnahme des Herstellerlogos zur Schau stellen.

Wer das nicht beachtet, könnte mit einer Bestrafung rechnen: "Bei einem Verstoß gegen diese Bestimmung wird der Spieler und/oder das Team durch den Wettbewerbsorganisator, den nationalen Fußballverband oder die FIFA sanktioniert."

Und weiter:

In jedem Fall unzulässig sind Slogans, Botschaften oder Bilder mit Bezug auf jegliche lebende oder verstorbene Person (außer ihr Name ist Teil des offiziellen Wettbewerbsnamens).

DFB-Präsident Keller: "Wünsche mir mündige Spieler"

DFB-Präsident Fritz Keller erklärte in einer Mitteilung des Verbandes am Montag: "Ich habe großen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.