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Ökonom: Profi-Fußball steht am Scheideweg

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Fußball und Corona - Ökonom: Profi-Fußball steht am Scheideweg

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Wie die Corona-Krise den Fußball verändert, wird sich zeigen. Entscheidend ist, welcher Druck aus der Gesellschaft kommt, sagt Ökonomie-Experte Henning Vöpel.

Eine leere Mercedes-Benz Arena am 25.04.2020 in Stuttgart
Leere Fußball-Arena
Quelle: picture alliance/Pressefoto Rudel

An vielen Orten wird aktuell darüber spekuliert, ob und wie sich das Geschäftsmodell Profi-Fußball durch die Corona-Krise verändern wird: "Was lernen wir aus dieser Krise, worüber müssen wir nachdenken?" Diese Frage stellt sich - laut Geschäftsführer Christian Seifert - das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf jeder Sitzung.

Corona zwingt Fußball zu neuen Wegen

Während einige Experten ein Zusammenrücken der Klubs durch die gerechtere Verteilung der TV-Gelder für möglich halten, hat der Ökonom Henning Vöpel bis vor kurzem ein anderes Szenario ins Auge gefasst.

"Wenn der Betrieb bis ins Jahr 2021 unterbrochen gewesen wäre,  hätte ich mir die Abspaltung der reichen Klubs zu einer Europa-Liga vorstellen können", sagt der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu ZDFheute. Durch die Fortführung des Spielbetriebes sei die Situation nun entschärft.

Kritischer Blick auf Profi-Fußball

"Zwei Monate Unterbrechung dürften auf die langfristige Entwicklung des Profi-Fußballs als Geschäftsmodell wenig Auswirkungen haben“, sagt Vöpel.  "Es sei denn, es gibt aus der Gesellschaft heraus Reaktionen, die zum Umschwenken zwingen."

Dass die Gesellschaft im Moment sehr kritisch auf den Profi-Fußball guckt, hat auch die DFL registriert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Genehmigung der Geisterspiele zu einem weiteren Akzeptanzverlust führt - und damit zu einem größeren Veränderungsdruck.

Corona bringt 50+1 in Gefahr

Nicht nur der Profi-Fußball, auch andere gesellschaftliche Bereiche befinden sich - laut Vöpel - am Scheideweg:

Entweder geht es Richtung Kooperation, Solidarität und Ausgleich. Oder in die andere Richtung zu noch härterem Wettbewerb und einer Form der Entsolidarisierung.

Für das augenblickliche Geschäftsmodell hält Vöpel es für eine Gefahr, dass aus der Not heraus Entscheidungen getroffen werden könnten, die langfristig negative Folgen hätten. "So könnten sich einige Vereine gedrängt fühlen, ihre Eigenkapital-Situation zu stärken, indem die 50+1-Regelung gekippt wird, damit sie Investoren gewinnen können." Die 50+1-Regel verhindert bislang, dass Investoren die Mehrheit der Anteil an einem Fußballklub übernehmen können.

Weniger Kommerz oder alles beim Alten?

Gesellschaftspolitisch hält Vöpel es für möglich, "dass die aktuelle Situation dazu führt, dass es wieder zu einer größeren Identifizierung mit regionalen Fußballklubs und weniger starken Formen der Kommerzialisierung kommt, auf die auch die Sponsoren reagieren müssten".

Viele Beobachter fühlen sich bei dieser Diskussion allerdings an andere Schockmomente im Fußball erinnert, die zunächst  mit der Hoffnung auf Veränderungen verbunden wurden.

"Nach dem Tod von Robert Enke haben alle gesagt, dass sich in diesem Geschäft etwas ändern, dass es wieder menschlicher zugehen muss", sagt Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach. "Trotzdem war nach ein paar Monaten wieder alles beim Alten".

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