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Emotionale Diskussion ohne reine Wahrheit

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Bundesliga-Geisterspiele - Emotionale Diskussion ohne reine Wahrheit

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Kaum ein Thema beschäftigt zurzeit die Gemüter so stark wie der mögliche Neustart der Bundesliga. Die Bandbreite der Meinungen ist enorm. Ein Für und Wider der Argumente.

Kommentar: Béla Réthy zur Bundesliga
Béla Réthy wägt ab: Was spricht für Geisterspiele, was dagegen?
Quelle: ZDF/picture alliance

Manche wollen unbedingt, dass der Ball wieder rollt, andere empfinden es als gesellschaftlichen Skandal, dass der Fußball Sonderrechte für sich beansprucht.

Wenn Grünen-Chefin Annalena Baerbock davon spricht, dass die Wiederaufnahme des Bundesligabetriebs "zutiefst ungerecht sei" gegenüber Kindern, die nicht einmal auf eine Schaukel dürften, und wir "den gesellschaftlichen Zusammenhalt" dadurch verspielen, so hört sich das sehr knackig und plakativ an, andererseits aber auch volkstümlich arg verkürzt und wenig differenziert.

Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin -
DFL-Konzept: Vertretbar, aber Fragen bleiben
 

Wie verhalten sich die Fans? Was passiert bei einer Infektion? Anja Stahmann, die Vorsitzende der Sportministerkonferenz, über mögliche Fußballspiele ohne Zuschauer.

von Stefan Bier
Videolänge:
1 min

Wenn auf der anderen Seite die Branchengrößen aus München und Dortmund den wirtschaftlichen Untergang des Profifußballs befürchten, so ist das ebenso überzogen und selbstverständlich interessenbezogen. Es ist, da es um Fußball geht, natürlich auch eine emotionale Diskussion, bei der weder Politik noch der Sport den Anspruch auf die reine Wahrheit erheben dürfen.

Was spricht für die Fortsetzung der Bundesliga und was dagegen?

Pro

  • Fußballclubs sind mittelständische Unternehmen, die dasselbe Recht haben die Arbeit wieder aufzunehmen wie andere Branchen. Denn Großverdiener sind nur ein gewisser Teil der Vereine. Die anderen fast 60.000 Arbeitsplätze bestehen aus Bürojobs, Verwaltung, Marketing, medizinische Versorgung, Würstchenverkäufer, Ordner, Platzwarte ...
  • Die DFL (Deutsche Fußballiga) hat ein sehr ausführliches organisatorisches und medizinisches Konzept vorgelegt, in dem auch ausdrücklich die gesamtgesellschaftliche Situation berücksichtigt wird. Soll heißen: Nur 0,4 Prozent der verfügbaren Testkapazitäten, die ohnehin bei weitem nicht genutzt werden, würden genutzt. Kein Patient müsste auf einen Test zugunsten der Bundesliga verzichten. Zumal die Liga für den Fall einer Verschärfung der Situation ihren Betrieb sofort wieder einstellen würde.
  • In Zeiten, in denen das Leben außer Arbeiten (für diejenigen, die es dürfen) und Einkaufen keinerlei Vergnügungen bietet, weder einen Restaurantbesuch, noch einen Theater- oder Kinoabend oder ein Musikkonzert, könnte ein Fußballspiel, wenn auch ohne Zuschauer, zumindest für etwas Ablenkung sorgen. Wenn die nächsten beiden Spieltage, wie es gerüchteweise heißt, unverschlüsselt gezeigt würden, käme es nicht zu großen Fußball-Partys in den Wohnzimmern.
  • Das Argument, dass andere Sportarten ihre Spielzeiten abbrechen mussten und der Fußball keine Sonderrolle spielen solle, ist populistisch. Wenn der Fußball in der Lage ist, den Saisonfortgang zu organisieren, dann sollte man ihn lassen. Es ist niemandem gedient, aus einem konstruierten Gerechtigkeitsgefühl Dinge zu unterlassen, wenn sie denn möglich sind. Auch der gesellschaftliche Zusammenhalt wird dadurch nicht gefährdet. Dieser ist ganz anderen Gefahren ausgesetzt als der Übertragung von Bundesligaspielen. Gezielte Falschinformationen in den sozialen Medien, Hassattacken auf Politiker und Mediziner, die Rückkehr des Denunziantentums sollten uns viel eher besorgen als Dortmund gegen Schalke vor einer Geisterkulisse.

Contra

  • Ein Spiel ohne Zweikämpfe existiert nicht. Wenn man inzwischen monatelang zu hören bekommt, dass Abstand halten das vordringliche Ziel ist, so ist die Austragung von Mannschaftssportarten absurd. In der Tat ist das der einzige Punkt, der gegen das Gleicheitsprinzip in der Gesellschaft verstößt.
  • Bei einer Infektion müssen im Anschluss beide beteiligten Mannschaften in eine 14-tägige Quarantäne. Geschieht das mehrfach, ist das gesamte Konzept hinüber. Dann hilft nur noch der Saisonabbruch.
  • Sogenannte Geisterspiele haben mit Fußball nichts zu tun. Sogar organisierte Fangruppen sind sehr skeptisch, was die Austragung solcher Begegnungen betrifft. Sie dienen ausschließlich dazu, dass die TV-Rechteinhaber ihre letzte Rate bezahlen. Als Nebeneffekt gäbe es einen Meister und zwei Direktabsteiger sowie die Vergabe der internationalen Plätze - aber irgendwie interessiert das niemanden mehr so richtig.

Béla Réthy ist ZDF-Reporter und -Fußball-Kommentator.

Im Video: Was DFL-Chef Christian Seifert zum möglichen Neustart im ZDF-Interview sagt.

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Beitragslänge:
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