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Rote Teufel: Insolvenz statt Aufstieg

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1. FC Kaiserslautern - Rote Teufel: Insolvenz statt Aufstieg

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Rote Zahlen bei den Roten Teufeln. Über 20 Millionen Euro Schulden hat der vierfache Deutsche Fußballmeister angehäuft. Nun soll eine "Planinsolvenz" den Traditionsklub retten.

Archiv: 1. FC Kaiserslautern, Fritz-Walter-Stadion, Luftaufnahme
Das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg über der Stadt Kaiserslautern. In seinen besten Zeiten gab der viemalige Deutsche Meister der gebeutelten Region immer wieder Halt und Selbstbewusstsein.
Quelle: Reuters

Über 20 Millionen Euro Schulden hat der 1. FC Kaiserslautern angesammelt. Eine sogenannte "Planinsolvenz" soll den Traditionsklub vor dem Aus retten.

Tradition lebt über ihren Verhältnissen

Die 3. Liga ist ein Sammelbecken von Traditionsvereinen. Deshalb ist für Spannung und Emotion gesorgt. 

Aber die Liga ist auch eine Ansammlung von finanziellen Sorgenkindern.  Denn die meisten Vereine leben über ihre Verhältnisse. In der Saison 2018/19 wurde der Umsatz zwar auf 185 Millionen Euro gesteigert, doch im Durchschnitt wies die Liga einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro pro Verein aus.

Dieses "über die Verhältnisse leben" hat oft mit der Selbstwahrnehmung zu tun. Denn viele Klubs sehen sich eigentlich noch als Erstligist. Wollen so schnell wie möglich wieder nach oben und stecken viel Geld in Spielergehälter und Ablösesummen.

Abstieg mit Schulden und jährliche Verluste beim FCK

So auch der viermalige Deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern, der bereits bei seinem Abstieg 2018 einen Schuldenberg von 17 Millionen mitbrachte. Zu diesem gesellte sich nun ein jährlicher Verlust von 5 Millionen Euro in der dritten Liga.

Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Juli werden nun Forderungen von mehreren Millionen fällig, die der Klub nicht bedienen kann. Unter anderem auch, weil er wegen Corona und den dadurch fehlenden Zuschauereinnahmen kaum mehr liquide Mittel hat.

Die Verhandlungen mit den größten Geldgebern endeten ergebnislos. Der Verein wollte einen Schuldenerlass von 90 Prozent, die Gläubiger nur eine Stundung.

Der Betzenberg hat viele Sternstunden erlebt. Doch Misswirtschaft und sportliche Fehleinschätzungen haben aus dem stolzen Betze sportliche Provinz gemacht.

Beitragslänge:
3 min
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Insolvenz in Eigenverwaltung

Nun nimmt der Klub also die Ausfahrt "Planinsolvenz" oder Insolvenz in Eigenverwaltung. Ein Szenario mit Risiken, aber auch großen Chancen. Der größte Vorteil bei der Planinsolvenz: Das Management bleibt selbst am Ruder und leitet den Klub weiter, bleibt somit sozusagen am Ball.

Es wird dabei meistens durch einen Insolvenzexperten ergänzt und von einem Sachwalter unterstützt. Doch während ein Insolvenzverwalter bei einer Regelinsolvenz quasi Trainer ist und das Spiel bestimmt, sitzt ein Sachwalter nur auf der Tribüne und beobachtet.

Drei Monate Zeit

Nachdem der Antrag gestellt ist, hat der 1. FCK drei Monate Zeit, bis das Gericht das Verfahren offiziell abweist oder eröffnet. In dieser Zeit darf es auch zu keinerlei Hinweisen auf Nachteile für die Gläubiger kommen und es muss Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung bestehen.

Zudem übernimmt die Bundesagentur für Arbeit das Gehalt für die Spieler. Maximal aber bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 6.900 Euro. Damit übernimmt die Allgemeinheit zwar zunächst diese Kosten, aber bei erfolgreicher Sanierung muss der Klub dieses Geld zurückzahlen.

1. FC Kaiserslautern: Chronologie eines Absturzes

Diese und andere finanzielle Erleichterungen muss der Klub nun zwingend nutzen, um sein Augenmerk auf den Insolvenzplan (deshalb auch Planinsolvenz) zu richten. Er muss möglichst eine schlüssige Zukunftsvision enthalten und die Gläubiger überzeugen, denn über die Hälfte muss am Ende zustimmen.

Deshalb benötigt der 1. FCK nun auch eine Menge Verhandlungsgeschick. Weniger bei den Fans, bei denen man durch eine Fananleihe mit 3 Millionen Euro in der Kreide steht, als bei den großen bisherigen Geldgebern, die natürlich einen möglichst hohen Teil ihres eingesetzten Kapitals zurückhaben möchten.

Chance auf Neuanfang

Ob die Gläubiger nun doch noch einmal auf den 1. FCK zugehen, weil sie sich mehr Geld von einem Verfahren außerhalb der Planinsolvenz erhoffen oder, ob nun alles seinen geregelten Gang geht ist nach wie vor offen. Für den 1. FCK bedeutet diese Situation jedenfalls die große Chance ohne Altschulden einen finanziell gesunden Neuanfang zu starten.

Tipp:

Fans aus Kaiserslautern - Choreographie für Fritz Walter

Sport -
Überlebenskampf eines Traditionsvereins
 

20 Jahre nach der Meisterschaft ist der FCK in die dritte Liga abgestiegen. Vor dem Traditionsverein liegen schwere Monate und eine Rettungsmission, die heikler erscheint als alle zuvor.

von Oliver Trust

Helfen würde es vor allem den Anhängern und der sowieso schon gebeutelten Region, die möglicherweise bald mit einem neuerlichen Tiefschlag zu kämpfen hat: dem Abzug der wirtschaftlich kaum zu ersetzenden US-Truppen aus der Pfalz.

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