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Was die Corona-Pause mit Sportlern macht

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Psychische Gesundheit - Was die Corona-Pause mit Sportlern macht

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Abgesagte Wettkämpfe, Meisterschaften und Olympia: Ist die psychische Gesundheit von Leistungssportlern gefährdet? Wie sie mit der Zwangspause umgehen.

Portrait von Max Hartung
Max Hartung (Mitte) jubelt mit seinen Team-Kollegen. Damit ist es wegen Corona jetzt erstmal vorbei.
Quelle: dpa

Max Hartung kommt sich vor wie in einem Science-Fiction-Film. Olympia verschoben, alle anstehenden Wettkämpfe abgesagt, die Trainingshalle geschlossen. Zudem hat der Weltklasse-Fechter aus Dormagen gerade zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbracht, weil seine Freundin Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte. "Ich denke immer wieder, dass morgen alles vorbei ist", sagt Hartung.

Hartung denkt seit zwölf Jahren in olympischen Zyklen. Er war bei den Spielen 2012 in London und 2016 in Rio dabei und hatte die Qualifikation für Tokio 2020 so gut wie sicher. Der Sport bestimmt den Alltag des 30-Jährigen.

Fechtmaske, Fechthandschuhe, Degen
Fechtmaske, Fechthandschuhe und Degen müssen derzeit ungenutzt bleiben.
Quelle: dpa

Die Verschiebung der Tokio-Spiele auf den Sommer 2021 erlebt er als "unvorstellbar". Denn: "Da hängt so viel Lebensplanung dran." Andererseits hatte er sich vor allen anderen klar positioniert, eine Verlegung gefordert und angekündigt nicht teilzunehmen, sollte Olympia wie geplant in diesem Jahr ausgetragen werden.

Corona: Krise als Chance?

Bei Hartung kommt aktuell zwar noch keine Langeweile auf, aber:

Die Situation fühlt sich sehr komisch an. Ohne anstehende Turniere fehlt die Orientierung, so lange keinen Fixpunkt zu haben, auf den wir hin trainieren, das kennen wir ja gar nicht.
Max Hartung, Fechter

Das ist es, was dem Sportpsychiater Valentin Markser Sorgen bereitet. Er behandelte den Fußball-Torhüter Robert Enke, der an Depressionen litt und 2009 Suizid beging. In einem Interview mit dem SWR sagte Markser zu den aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie: "Es ist eine brutale, unvorbereitete Begegnung mit sich selbst."

Viele Sportler haben sich so einseitig auf ihre Wettkampfpersönlichkeit konzentriert, dass sie viele andere Seiten ihrer Persönlichkeit vernachlässigt haben.
Valentin Markser, Sportpsychater

Für Achter-Ruderer Martin Sauer zerrt die Olympia-Verschiebung "erheblich an der Motivation":

Achter-Ruderer Martin Sauer fühlt sich angesichts der Olympia-Verschiebung wegen der Coronakrise wie ein Athlet, der kurz vor Ziel erfährt, dass es doch noch weitergeht. Das zerre an der Motivation, sagt er im Gespräch mit Marc Windgassen.

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4 min
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Wenn das System ins Wanken gerät

Athleten könnten sich aktuell nicht mehr auf das verlassen, was sie eigentlich können, nämlich körperliche Leistung zu erbringen. "Das nagt am Selbstwertgefühl. Das gesamte System gerät plötzlich ins Wanken", sagt Markser.

Und das könne über längere Zeit die psychische Gesundheit von Sportlern gefährden. Die Verschiebung der Spiele hat für viele Athleten ihre ganze Lebensplanung verändert. "Sie müssen das Chaos an Folgen entwirren, und dazu wurden auch noch ihre Trainingssituation und ihr Wettkampfkalender über den Haufen geworfen."

Endlich mal Zeit für Details

Viele Sportler nehmen die veränderte Situation aktuell dennoch sehr gelassen an und interpretieren die Verschiebung der Spiele als gewonnene Zeit. "Ich bin ganz entspannt", sagt etwa die ehemalige Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz. Sie könne jetzt an Details feilen, die sonst im dicht getakteten Trainingsalltag zu kurz kämen.

Spitzenturnerin Sarah Voss genießt die Zeit mit der Familie. "Sonst bin ich ja ständig unterwegs. Jetzt ist es sehr schön, dass wir füreinander da sind", sagt sie.

Auf Dauer können seelische Probleme entstehen

Markser hat auch für diesen Optimismus eine Erklärung. Selbstvertrauen sei eine wichtige Eigenschaft erfolgreicher Sportler. "Sie können lange Zeit vieles verdrängen. Aber wenn diese Phase zu lange dauert, dann können bei seelisch anfälligen Athleten Krisen auftreten", so der Psychiater im SWR.

Torben Blech, Stabhochspringer und Psychologiestudent hat Verständnis für diese Theorie. Die Situation sei schwierig und könne je nach Veranlagung eines Athleten sicher Probleme verursachen.

Er selbst schuftet im Heimtraining, stemmt Gewichte, rennt durch den Wald - und sagt: "Nach dieser Pause bin ich halt rein körperlich ein Biest - so muss man das sehen."

Zehnkämpfer Niklaus Kaul hat durch die Olympia-Verschiebung "mehr Zeit, an den Schwächen zu arbeiten":

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul findet es im Interview mit Tibor Meingast "sehr schlau", die Olympischen Spiele n Tokio wegen der Corona-Krise erst 2021 auszutragen.

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