Sie sind hier:

DFB-Führung - Zeigen Frauen den Weg aus der Krise?

Datum:

Im DFB ist der Führungs-Notstand ausgebrochen. Dabei zeigt eine Studie, wie Sportorganisationen viele Probleme vermeiden könnten: mit mehr Geschlechtervielfalt in der Führung.

DFB-Logo

"Wir brauchen mehr Frauen im Fußball, weil wir die Gesellschaft so vielfältig abbilden wollen, wie sie tatsächlich ist. Weil grauhaarige Funktionäre vielleicht immer dasselbe denken und manchmal viel zu schnell die Ellenbogen ausfahren." Das sagte DFB-Präsident Fritz Keller am Internationalen Frauentag vor gut zwei Monaten.

Kellers Rücktritt macht die Tür auf

Unter den 17 Mitgliedern des DFB-Präsidiums befindet sich allerdings nur eine Frau. Schneller als erwartet gibt es nun die Chance, dies zu ändern.

Ausgerechnet Kellers angekündigte Bereitschaft, sein Amt zur Verfügung zu stellen nach seinem Vergleich von Vizepräsident Rainer Koch mit NS-Richter Roland Freisler sowie die angekündigten Rückzüge von Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius machen nun die Tür weit auf für eine Neuaufstellung des Führungsgremiums - mit mehr Frauen an der Macht?

Profifußball, Führungsposition, Frau: Eine Konstellation, die in Deutschland fast nicht vorkommt. Warum? Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Frauen mit jeder Menge Expertise.

Beitragslänge:
35 min
Datum:

Zum Beispiel Kraus, Jones, Keßler, Schenk und Groth

An geeigneten Kandidatinnen für die Führung des DFB mangelt es nicht. So haben beispielsweise die drei Ex-Nationalspielerinnen Katja Kraus, Steffi Jones und Nadine Keßler nach ihren aktive Laufbahn erfolgreich in verschiedenen Führungsposition gearbeitet.

Ihr Interesse bekundet haben bereits Ex-Leichtathletin und Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk sowie Ute Groth, die Vorsitzende von DJK TuSa Düsseldorf.

Die Basis meldet sich

Während Schenk lediglich eine Übergangsphase bis zur Neuwahl managen will, bewirbt sich Groth als Vertreterin der Basis bereits zum zweiten Mal als DFB-Präsidentin. "Ich glaube, eine Veränderung im DFB kann nur stattfinden, wenn man ein komplett neues Team organisiert", sagt Groth.

Vertreter aus Amateurvereinen aller Bundesländer suchen wieder den Kontakt zu mir. Es ist die Basis, die sich da wieder meldet.
Ute Groth

Wenn es nach den Erkenntnissen der Diversitätsforschung geht, dürfte an einer starken Beteiligung von Frauen an der DFB-Führung kein Weg vorbeiführen. Jedenfalls wenn man verhindern will, dass die Funktionärsebene weiter ein hermetisches System bleibt, "das sich um sich selbst dreht und aus sich selbst nährt", wie es das ehemalige HSV-Vorstandsmitglied Katja Kraus beschrieb.

Mehr Vielfalt - weniger Probleme

"Wenn der Vorstand eines Sportvereines eine höhere Geschlechtervielfalt aufweist, gibt es in bestimmten Bereichen der Organisation weniger Probleme", sagt Pamela Wicker, Professorin für Sportmanagement und Sportsoziologie an der Universität Bielefeld, gegenüber ZDFsport.

"Das gilt insbesondere für alles, was mit den Humanressourcen zu tun hat, also mit der Bindung und Gewinnung von Mitgliedern, Ehrenamtlichen, Trainer*innen, Übungsleiter*innen und Schieds-/Kampfrichter*innen", so die Expertin. Auch im Bereich Finanzen sähe es mit größerer Geschlechter-Diversität besser aus.

Bessere Entscheidungen

Wicker hat gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln die Auswirkungen von Geschlechtervielfalt in den Vorständen von Sportvereinen untersucht. Für den Bereich der Bundes- und Landesverbände gibt es zwar eine entsprechende Studie noch nicht. "Aber die Erkenntnisse aus der Unternehmensforschung sowie aus unseren Studien über Sportvereine in Deutschland sowie Sportverbände in Kanada deuten darauf hin, dass eine größere Geschlechtervielfalt auch in deutschen Sportverbänden positive Wirkungen auf die Organisation haben könnte", sagt Wicker.

Wenn eine Arbeitsgruppe wie zum Beispiel ein Vorstand vielfältig zusammengesetzt sei, würden viele verschiedene Informationen, Kontakte, Ressourcen und Perspektiven eingebracht. "Die Entscheidungsfindung ist dann vielleicht schwieriger, bringt aber höherwertigere Lösungen hervor", so Wicker.

Kein Durchwinken mehr

Wer es gewohnt sei, dass Entscheidungen schnell durchgewunken werden, habe möglicherweise Schwierigkeiten damit, wenn etwas auch mal in Frage gestellt oder ausführlicher diskutiert wird, so Wicker.

So muss es dem Vorsitzenden des Japanischen Olympischen Komitees (JOC), Yoshiro Mori, gegangen sein, der sich darüber beschwert hatte, dass Vorstandssitzungen mit "vielen Frauen" länger dauern würden. Es hagelte Proteste, Mori musste zurücktreten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.