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DFB-Team nach dem Schweiz-Remis - Noch viele Baustellen bis zur EM

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Das Gerüst bei der deutschen Nationalmannschaft für die EM im kommenden Sommer steht noch immer nicht. Beim 3:3 gegen die Schweiz wackelte die Abwehr wieder bedenklich.

Manuel Neuer und Yann Sommer hatten nach Schlusspfiff noch mächtig Redebedarf. Den beiden besten Bundesliga-Torhütern hatte das unterhaltsame Nations-League-Nachbarschaftsduell zwischen Deutschland und der Schweiz (3:3) nämlich am allerwenigsten gefallen.

Sie fühlten sich als die Leidtragenden des munteren Treibens, so dass der Münchner und der Mönchengladbacher Schlussmann eine ganze Weile im leeren Kölner Stadion zur Erörterung an der Mittellinie zusammenstanden. Neuer erklärte danach:

Für beide Torhüter war es nicht schön. Wir haben eindeutig zu viele Gegentore kassiert.
Manuel Neuer

Der 34 Jahre alte Kapitän der DFB-Auswahl hatte zwar auch "gute Sachen" gesehen, doch die spielten sich eben nicht in seinem Hoheitsgebiet ab. So schön anzusehen die Tore durch Timo Werner (28.), Kai Havertz (55.) und Serge Gnabry (60.) waren, so tölpelhaft wirkte das Aggieren bei den Gegentreffer von Mario Gavranovic (5. und 56.) sowie Remo Freuler (26.). Spaß vorn, Chaos hinten. Die Rückkehr zur Viererkette führte zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten.

Dringend gesucht: Ein Abwehrchef

Matthias Ginter und Antonio Rüdiger wirkten wie ein schlecht abgestimmtes Gespann, das sich gerade beim Kicken auf dem Schulhof in der großen Pause kennengelernt hatte. Speziell der beim FC Chelsea aufs Abstellgleis geschobene Rüdiger stiftete mit seinen Ausflügen heillose Verwirrung. Händeringend wird mit Blick ein Abwehrchef gesucht, der Halt und Orientierung vermittelt - und auch verbal vorangeht.

Übrigens leistet in dieser Hinsicht auch Neuer deutlich zu wenig Hilfestellung. "Kuriose Gegentore", sah der als Absicherung vorgesehene Joshua Kimmich. Jubilar Toni Kroos bemängelte nach seinem 100. Länderspiel die Mithilfe beim ersten und dritten Gegentor - er selbst verschuldete mit einem Ballverlust das zweite. Der an allen drei deutschen Treffern beteiligte Havertz empfahl mit 21 Jahren allen Ernstes, "erwachsener zu verteidigen".

Sieben Gegentore in drei Spielen

Binnen sieben Tagen hat sich die Nationalelf nun in der Domstadt zwei Mal ein 3:3 geleistet. Insgesamt belegen sieben Gegentore in drei Länderspielen eine fehlende Balance. Was beim 3:3 gegen die Türkei noch zu Testzwecken geduldet war, konnte im Wettkampfmodus gegen die Schweiz nicht als Bagatelle abgetan werden. Die Ausmusterung der Weltmeister Mats Hummels und Jerome Boateng wirkt daher bis heute sportlich fragwürdig.

Beide galten jahrelang als Fixpunkte einer standfesten Innenverteidigung. Ihr Nachfolger sollte Niklas Süle sein, der jedoch die Spätfolgen eines Kreuzbandrisses noch nicht auskuriert hat. "Bei ihm muss man vorsichtig sein. Wenn er gesund ist, ist der Niklas natürlich ein sehr wichtiger Spieler", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der nach eigener Aussage "bewusst ein hohes Risiko eingegangen" sei.

Löw: "Verteidigen können wir besser"

Sein Fazit: "Verteidigen können wir als Mannschaft insgesamt besser. Das müssen wir optimieren." Sonst könnte es schließlich in einer Vorrundengruppe gegen Frankreich und Portugal ein böses Erwachsen geben, die Fehler noch konsequenter bestrafen als die in der Nations League vom Abstieg bedrohten Schweizer. Insgeheim dürfte sich Löw mit seinem Faible für die Dreierkette vielleicht sogar bestätigt fühlen, die eben der Defensive zwar mehr Stabilität verleiht, aber die Handlungsoptionen der Offensive einschränkt.

In Sachen Kreativität und Spielfreude bot die DFB-Elf in diesem Jahr ihre beste Leistung. Zudem sah der Bundestrainer einen "Schritt nach vorne, was Einsatzbereitschaft, Kampfgeist und Moral angeht, einen 0:2-Rückstand umzudrehen. Dass wir zurückgekommen sind, war gut."

Nur niemand sollte sich darauf verlassen, dass dies auch in einem Achtel- oder Viertelfinale bei einer EM gegen einen Gegner aus dieser Kategorie gelingt. Das Erreichen des Halbfinals, wie von DFB-Präsident Fritz Keller ausgerufen, nennt auch der Bundestrainer als "Minimalziel". Er ist sicher: "Die Mannschaft hat echtes Potenzial. Wenn wir noch ein paar Dinge optimieren, können wir uns freuen." Wohl zumindest auf unterhaltsamen Fußball.

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