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DFB-Elf | WM-Quali : Die neue Freiheit des Joachim Löw

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Joachim Löw macht vor seinen letzten WM-Qualifikationsspielen als Bundestrainer einen entschlossenen Eindruck - und nimmt die Mannschaft in die Pflicht.

Bei Joachim Löw gibt die Kleiderwahl mitunter schon Aufschluss darüber, in welcher Gemütslage sich der Bundestrainer befindet. Einen Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island (Donnerstag 20.45 Uhr) trug Löw ein weinrotes Shirt, was durchaus als Signal zum Aufbruch verstanden werden kann. Tatkräftig anpacken ist angesagt bei der Abschiedstournee des Bundestrainers, der mit seinem selbstbestimmten Abgang nach dem EM-Sommer keinerlei Kompromisse mehr machen muss.

So formulierte der Bundestrainer auch für seine Mannschaft eine klare Ansage für die kommenden Aufgaben:

"Wir können keine Rücksicht mehr nehmen. Punkte machen, Siege einfahren, Automatismen schärfen, Basis legen,
Joachim Löw

Ein wohlfeiler Forderungskatalog. Löw will eine "leidenschaftliche Mannschaft" sehen, "die verbissen um den Sieg und Fortschritte kämpft". Auch vier Monate später hängt noch das 0:6-Debakel in Spanien der DFB-Auswahl nach. Die will diesen Rucksack, der wie Blei auch am Bundestrainer hing, am besten durch drei überzeugende Siege in der WM-Qualifikation abstreifen.


EM-Erfolg als Abschiedsgeschenk


Löw verlangt in den anstehenden Spielen gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien "eine Reaktion von der Mannschaft". Er fordert, dass sie auch ohne die verletzten Toni Kroos, Niklas Süle und Robin Gosens "fußballerische Klasse, gute Spiele und gute Ergebnisse" zeigt. Der 61-Jährige kann für sich reklamieren, dass nach fast 15 Jahren alle mehr auf sein Gesamtwerk blicken – und seine Kicker auf der Zielgeraden in der Bringschuld sind.

Defensiv-Allrounder Emre Can würdigte Löw als "guten Trainer und wundervollen Menschen", der gegenüber jedem respektvoll sei. Und Kapitän Manuel Neuer, der am Samstag seinen 35. Geburtstag feiert, erwartet keine Präsente für sich, sondern, "dass wir diese erfolgreiche Ära mit einem tollen Abschluss krönen". Vielleicht sogar mit dem Titel als Europameister, was Löw nach zwei unnötig vergeigten Halbfinals (2012 und 2016) und einem verlorenen Finale (2008) noch nicht geschafft hat. Man habe in den Ansprachen des Trainers gemerkt, erzählte Neuer, "dass er sehr motiviert und ehrgeizig ist - er will unbedingt".

Die Leitplanken setzt wieder Löw

Der Trainer selbst wird nach eigener Aussage auch wieder zur aktiven Körpersprache zurückfinden, nachdem die apathischen Bilder bei der Lehrstunde in Sevilla ihn selbst rückblickend verstörten. Überdies wird an der Kommunikation gefeilt: Einzelne Spieler würden konkret angesprochen, dass sie "klare Anweisung, klare Kommunikation" auslösen. Nur Alibi-Sprech will Löw nicht mehr hören. Insgesamt wirkte er sehr stringent in seinen Ansagen vor dem ersten Länderspiel des Jahres. Vielleicht hat ihm das selbstbestimmte Ende noch eine Freiheit verschafft, die auch wegen der Corona-Umstände zuletzt abhanden gekommen war.

Er kann jetzt erst recht wieder die Leitplanken setzen; er kann den Kurs bestimmen. Dass ihm das offenbar gut tut, bestätigte auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff, der gerade einen "sehr enthusiastischen" Bundestrainer erlebt. Der langjährige Weggefährte sagte:

Ein Trainer, der weiß, das ist sein letztes Turnier, trifft seine Entscheidungen wirklich in freier Konsequenz. Jogi kann das Optimum für den Moment herausholen - das ist gut.
Bierhoff über Löw

Und noch etwas könnte leistungsfördernd wirken: Löw räumte ein, dass ihn letztlich in erster Linie eine EM oder WM anspornt: Wenn er das Gebilde über Wochen nach seinen Vorstellungen formen kann wie ein Künstler, blüht der Ästhet Löw auf. Turniere seien "das Salz in der Suppe", so Löw, "das macht mir Spaß und Freude." So umdribbelt er auch lässig seine persönliche Zukunftsfrage. Er könne versichern, dass er bis zur EM "keine Gespräche" führe. Sofort eine andere Aufgabe im Sommer zu übernehmen, den Schalter einfach umzulegen, sei "ehrlicherweise nicht möglich".

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