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DOSB-Führungskrise im Zeitraffer : Von der "Briefaffäre" zur Kandidaten-Kür

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DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat den deutschen Sport-Dachverband in die größte Krise seit seiner Gründung manövriert. Am 4. Dezember soll der Neuanfang beginnen. Eine Chronik.

Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, der Einkleidung Team Deutschland für die Winterspiele in Peking 2022
Alfons Hörmann, Präsident des DOSB, bei der Einkleidung des Team Deutschland für die Winterspiele in Peking 2022
Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Seit acht Jahren ist Alfons Hörmann Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, bis Ende 2022 sollte seine zweite Amtszeit währen. Der 61 Jahre alte Unternehmer und CSU-Politiker ist also kein Versehen, er wurde einmal wiedergewählt. Doch nun endet seine Ära - nicht ganz freiwillig - bei der Mitgliederversammlung am 4. Dezember in Weimar.

Nach der so genannten "Briefaffäre" hinterlässt Hörmann den DOSB in einem desolaten Zustand. Von Fairness, Toleranz oder Respekt, den viel beschworenen Werten des Sports, war zuletzt wenig zu spüren, die zurückliegenden Monate waren turbulent.

Kritik an Hörmanns Führungsstil

6. Mai: Ein anonymer Brief von Mitarbeitern der DOSB-Zentrale in Frankfurt wird öffentlich, in ihm wird eine "Kultur der Angst" beschrieben. Vor allem Hörmanns Führungsstil wird kritisiert.

Der DOSB sucht neben einem neuen Präsidenten auch zuletzt abhanden gekommene Umgangskultur und Glaubwürdigkeit.

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8. Mai: Der DOSB beteuert nach einer Präsidiumssitzung, dass die Werte des Sports, Fair Play, Respekt und gegenseitige Wertschätzung, die Basis des gemeinsamen Handelns seien und teilt mit: "Präsidium und Vorstand haben die unabhängige Ethikkommission des DOSB gebeten, die Vorwürfe aufzuklären und zu bewerten."

7. Juni: Die DOSB-Ethikkommission um den früheren Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rät dem Präsidium zur Vertrauensfrage und empfiehlt vorgezogene Neuwahlen am Ende des Jahres. "Es gibt zu viel Selbstbespiegelung, Demotivation und Gerüchte, Unzufriedenheit und Unklarheiten. Das ist ein Zustand, der auch mit dem Führungsverhalten von Präsidium und Vorstand zusammenhängen muss", urteilte die Kommission.

Beschluss: Vorgezogene Neuwahlen

16. Juni: Nachdem Hörmann zunächst alle Vorwürfe zurückgewiesen und sich mit Händen und Füßen gegen seine Absetzung gewehrt hatte, teilt der DOSB nun mit, dass das Präsidium einstimmig entschieden habe, auf die zunächst für September angekündigte Vertrauensabstimmung zu verzichten. Es werde im Dezember direkt vorgezogene Neuwahlen geben und Hörmann werde nicht mehr kandidieren, er wolle den Weg frei machen für einen Neuanfang.

2. November: Der DOSB stellt das Zwischenergebnis einer vom eigenen Präsidium beauftragten Analyse der internen Kultur in der DOSB-Geschäftsstelle vor: Es seien "keine Belege für eine flächendeckende Kultur der Angst im DOSB" gefunden worden.

Drei Kandidaten vorgeschlagen

8. November: Die vom DOSB beauftragte Findungskommission um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff schlägt zwei Kandidaten und eine Kandidatin für die Wahl zum neuen DOSB-Präsidenten/zur neuen DOSB-Präsidentin vor: Den scheidenden Tischtennis-Weltverbands-Präsidenten Thomas Weikert und den CSU-Politiker Stephan Mayer sowie Claudia Bokel, ehemalige Weltklasse-Fechterin und Präsidentin des Deutschen Fecht-Verbandes.

Thomas Weikert
Interview

DOSB - Kandidat Weikert: - "Traue mir zu, ein wenig anders zu sein" 

Thomas Weikert, Noch-Präsident des Internationalen Tischtennis-Verbandes, will am 4. Dezember zum DOSB-Chef gewählt werden. Er möchte ein nahbarer Chef sein, sagt er im Interview.

9. November: Das frühere Vorstandsmitglied Karin Fehres macht öffentlich, dass sie via Anwaltsschreiben unter Androhung einer Strafanzeige und Zivilklage vom DOSB aufgefordert worden sei, sich als Verfasserin der anonymen Mail vom 6. Mai zu bekennen. "Die Unterstellungen sind absurd und haltlos", teilte Fehres mit.

Ihr war im November 2020 unerwartet und ohne Begründung vom DOSB gekündigt worden. Und nun habe ein Sprachgutachten sie angeblich als wahrscheinlichste Verfasserin der anonymen Mail ermittelt. Die Frage nach Sinnhaftigkeit und Rechtmäßigkeit der Beauftragung von Sprachspezialisten und Anwälten durch Hörmann, die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und Finanz-Vorstand Thomas Arnold dürfte den DOSB noch eine Weile beschäftigen.

Aus für Vorstands-Chefin Rücker

12. November: Nun muss auch Vorstands-Chefin Rücker gehen. Der DOSB teilt mit, man habe sich mit der 51-Jährigen auf "eine einvernehmliche Beendigung der Zusammenarbeit" zum Jahresende verständigt.

13. November: Ein Schreiben der drei DOSB-Vorstände Dirk Schimmelpfennig (Leistungssport-Vorstand), Thomas Arnold (Finanzvorstand) und Christina Gassner (Sportjugend-Geschäftsführerin) an die DOSB-Mitarbeiter wird bekannt: Demnach haben Hörmann und Rücker mit ihrem juristischen Vorgehen gegen das frühere Vorstandsmitglied Karin Fehres gegen einen gemeinsamen Beschluss des Vorstandes gehandelt.

Mayer zieht Kandidatur zurück

14. November: Die drei Kandidaten für das Präsidentenamt stellen sich in Düsseldorf den Mitgliedsverbänden vor: Weikert tut das mit Verve und wirbt seither gekonnt für sich. Mayer verkündet nur überraschend seinen Rückzug. Von Bokel sind keine Äußerungen zu ihrer Kandidatur bekannt, und für eine Stellungnahme ist sie seither nicht erreichbar.

4. Dezember: Bei der Mitgliederversammlung des DOSB in Weimar endet die Ära Hörmann. Eine neue Präsidentin oder ein neuer Präsident wird gewählt - zunächst allerdings nur für ein Jahr.

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