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"Brief-Affäre" - DOSB: Hörmanns Rücktritt gefordert

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DOSB-Chef Alfons Hörmann wird in einem anonymen Brief mit harten Vorwürfen konfrontiert. Die Spitze des Verbandes steht hinter ihm, ein Landessportbund fordert den Rücktritt.

Mitglieder des Olympischen Sportbundes fordern den Rücktritt ihres Präsidenten Alfons Hörmann. In einem anonymen Schreiben hatten Mitarbeiter*innen der Verbandzentrale angeblich dessen Führungsstil kritisiert und beklagten eine „Kultur der Angst“.

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DOSB-Präsident Alfons Hörmann steht wegen seines angeblich unangemessenen Führungsstils in der Kritik und unter gehörigem Druck. Während die Führungsgremien des Deutschen Olympischen Sportbundes dem 60-jährigen Sportfunktionär und Wirtschaftsmanager geschlossen das Vertrauen ausgesprochen haben, gibt es die erste Forderung nach seinem Rücktritt und Zweifel an einer erstgemeinten Aufklärung. Hörmann wird in einem angeblich von Mitarbeitern verfassten anonymen Brief vorgeworfen, eine "Kultur der Angst" in der DOSB-Zentrale in Frankfurt am Main geschaffen zu haben.

Klett findet deutliche Worte

Stefan Klett, Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, wird in einem ZDF-Interview sehr deutlich: "In unseren Augen hat Herr Hörmann den Bezug zur Sportbasis, zu den Vereinen gleichermaßen wie auch leider zum IOC verloren. Das Tischtuch ist an vielen Stellen zerschnitten. Jetzt kommt das mit den Mitarbeitern dazu und das hat bei uns im Präsidium und bei mir als Präsident das Fass zum Überlaufen gebracht", so der 53-Jährige.

Unserer Ansicht nach müsste Alfons Hörmann jetzt im besten Sinne seinen Rücktritt einreichen.
Stefan Klett im ZDF-Interview

DOSB-Präsident Alfons Hörmann wird ungebührlicher Umgang mit Mitarbeitenden vorgeworfen. NRW-Landessportchef Stefan Klett fordert Konsequenzen.

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Vorwurf der "Kultur der Angst"

In dem offenen Brief waren zuvor detailliert interne Vorgänge geschildert und Vorwürfe gegen die Führungsgremien und explizit gegen Hörmann erhoben. Es hieß unter anderem:

Respekt und Fairplay vermissen wir jeden Tag in unseren Führungsgremien, vor allem bei unserem Präsidenten Alfons Hörmann.
Offener Brief von angeblich DOSB-Mitarbeiter*innen

Unter Hörmanns Führung habe "sich unter den Mitarbeiter*innen eine 'Kultur der Angst' im DOSB etabliert". Die oder der Verfasser hätten daher "Angst davor, bei der Nennung unserer Namen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen, vielleicht sogar unsere Arbeitsstelle zu verlieren". Klett stellt im ZDF-Interview klar, dass er davon ausgehe, dass das Schreiben - obwohl anonym - echt sei.

DOSB-Gremien verteidigen Hörmann

Vorstand und Präsidium des DOSB stärkten am Freitag ihrem Chef in einer separaten Erklärungen den Rücken. Der Vorstand mit Veronika Rücker an der Spitze wies die in dem anonymen Brief aufgeführte Kritik an Hörmann "in aller Klarheit" zurück. "Aus unserer Perspektive können wir keinerlei Verhaltensweisen erkennen, die - wie in dem offenen Schreiben unterstellt - 'jegliche Form des Respekts und Anstands vermissen lassen'."

Auch das DOSB-Präsidium stellte sich hinter Hörmann und sprach ihm "das uneingeschränkte Vertrauen und unsere vollumfängliche Unterstützung" aus. Gleichzeitig werde man im intensiven Austausch mit den Mitarbeitern die Vorwürfe prüfen.

Zweifel werden laut

Zweifel an einer offenen Aufklärung der Anschuldigungen hegt die Sportausschussvorsitzende des Bundestages. "Die nach meiner Wahrnehmung fast pathetisch anmutenden Solidaritätsbekundungen von Präsidium und Vorstand, die im Ergebnis allerdings in krassem Widerspruch zu dem öffentlich gewordenen Hilfeschrei von Teilen der Belegschaft stehen, kommen für mich keineswegs überraschend", sagte Dagmar Freitag (SPD).

Die gewählten Formulierungen ließen befürchten, dass "eine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit den Vorwürfen eher nicht erfolgen" werde.

Vorwürfe standen schon einmal im Raum

Eine Reihe von Fachverbänden hatte vor der Wiederwahl von Hörmann, der seit 2013 Präsident des Dachverbandes ist, im Dezember 2018 vergeblich den Aufstand geprobt. Auch damals wurde ihm vorgeworfen, besonders im Zuge des Ringens um die Leistungssportreform keinen adäquaten Umgangston mit seinen Funktionärskollegen zu pflegen.

Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon Union, meldete sich ebenfalls zu Wort: "Der Brief überrascht mich nicht. Man muss die Kritik ernst nehmen." Engelhardt war 2018 Hörmann bei der Wahl um das Präsidentenamt beim Deutschen Olympischen Sportbund deutlich unterlegen.

Er könne verstehen, dass "die Leute als abhängig Beschäftigte" den Brief anonym geschrieben haben, weil sie "negative Folgen" befürchten müssen. "Dann müssen die Vorwürfe glaubhaft ausgeräumt werden." Die Vorgänge, die da passiert sein sollen, "sind ja so mehrfach von entsprechenden Leuten geäußert worden".

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