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Der Clásico als Balsam für die Fußballseele

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Fußball | Primera Division - Der Clásico als Balsam für die Fußballseele

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Spanien leidet unter Corona. Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid soll die Stimmung aufhellen. Bessere Laune braucht auch Real - nach der Niederlage gegen Donezk.

Fußball, Primera Division, FC Barcelona - Real Madrid, 19.12.2019: Barcelonas Keeper Marc-Andre ter Stegen rettet vor Sergio Ramos (Real)
Szene aus dem Clasico vom 19.Dezember 2019: Barcelonas Keeper Marc-Andre ter Stegen rettet vor Sergio Ramos (Real).
Quelle: ap photo/Emilio Morenatti

Man tut, was man kann - besonders in diesen Zeiten. Weil zum 244. Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid am Samstag keine Fans ins Camp Nou dürfen, wird umso mehr in das Fernseherlebnis investiert. Eine fahrende Kamera soll dabei aus der Not eine Tugend machen: Da niemandem die Sicht versperrt werden kann, soll die Kamera die Spieler bis zu 70 Meter begleiten.

Die internationale Dominanz ist weg

Opulente Fernsehbilder können die fehlende internationale Dominanz der spanischen Vereine jedoch nicht verdecken: Erstmals seit 2007 erreichte zuletzt kein spanischer Verein das Champions-League-Halbfinale. Und am ersten Spieltag der neuen Saison ging Atlético Madrid mit 0:4 in München unter, derweil sich Real beim 2:3 gegen Donezk blamierte.

Uns fehlt ein bisschen von allem, aber vor allem unser Selbstvertrauen, was das Wichtigste ist."
Zinedine Zidane, Trainer Real Madrid zum Champions-League-Spiel gegen Donezk

Die Leistung des amtierenden Meisters fügte sich geradewegs in das triste Gesamtszenario, der muss die erste Krise der Saison meistern: "Uns fehlt ein bisschen von allem, aber vor allem unser Selbstvertrauen, was das Wichtigste ist", analysiert Trainer Zinedine Zidane die Situation nach dem Spiel gegen Donezk.

Schachtjor Donezks Tete bejubelt ein Tor im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid am 21.10.2020.

Fußball | Champions League -
Schachtjor Donezk blamiert Real Madrid
 

Real Madrid hat zum Start der Champions League gründlich danebengelangt. Gegen den mit einer B-Elf angereisten Außenseiter Schachtjor Donezk setzte es eine 2:3-Heimniederlage.

Leere im größten Stadion Europas

Die fehlende Atmosphäre von sonst 99.000 Menschen in Europas größtem Stadion werden natürlich auch die schönen Kamerafahrten nicht aufwiegen. Doch wie schon bei der ersten Corona-Welle gehört Spanien auch bei der zweiten zu den unfreiwilligen Vorreitern. Für eine Rückkehr von Zuschauern gibt es daher weiter keinen Termin.

"So wie die Dinge stehen, ist das nicht ratsam", bekräftigte Gesundheitsminister Salvador Illa zuletzt. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich daran in diesem Jahr noch etwas ändert", ergänzte Sportstaatssekretärin Irene Lozano.

Regionaler Flickenteppich

Allerdings bestimmt die Zentralregierung nur über die nationalen Profiligen. Im Amateurbereich wie in europäischen Wettbewerben können die regionalen Behörden gewisse Zuschauerkontingente bewilligen. Im unterklassigen Fußball und bei den Frauen ist das vereinzelt schon geschehen.

Für den Europapokal könnten die jeweiligen Gesundheitsämter kommende Woche nach ihren derzeitigen Quoten in Sevilla (Champions League) und Granada (Europa League) bis zu 800 Fans sowie in San Sebastián (Europa League) bis zu 600 Fans genehmigen.

Mit Zuschauern gegen Deutschland?

Auch das Länderspiel der deutschen Nationalelf in Sevilla am 17. November könnte vor kleinem Publikum stattfinden. In Madrid und Barcelona blieben die Stadiontore diese Woche dagegen auch in der Champions League geschlossen.

Die öffentliche Debatte über das Thema hält sich dabei in engen Grenzen. Die Bedürfnisse des Fußballs sind aktuell nachrangig. Zu angespannt ist die Gesamtlage, die sich aktuell in Madrid etwa in einem Verbot zum Verlassen der Stadt oder in Katalonien, in der Region Barcelonas, in der Zwangsschließung von Bars und Restaurants äußert.

Feilschen um Gehaltskürzungen

Weiter gedämpft wird die Stimmung durch die wirtschaftlichen Covid-Folgen. Der FC Barcelona schrieb zuletzt 97 Millionen Euro Verluste und befindet sich dieser Tage in komplizierten Verhandlungen mit seinen Profis um einen Gehaltsverzicht von 30 Prozent. Bei Real Madrid sollen die Kürzungen des Frühjahrs von bis zu 20 Prozent auch für die laufende Saison übernommen werden.

Überschuss auf dem Transfermarkt

Im Sommer gaben die Königlichen keinen Cent für neue Spieler aus, erzielten aber fast 100 Millionen Euro mit Verkäufen. Auch Barça verzeichnete ein positives Transfersaldo, ebenso die Primera División als Ganzes - als einzige der fünf großen Ligen. Mit insgesamt 384 Millionen Euro gaben die 20 Vereine laut transfermarkt.de nur ein Viertel der englischen Premier-League-Klubs aus (1,44 Milliarden Euro) und so wenig wie nie in den vergangenen acht Jahren.

Der entsprechende Substanzverlust, so die Sorge vieler Beobachter, könnte weitere Rückschritte nach sich ziehen. Noch hält Spanien in der UEFA-Fünf-Jahreswertung knapp die Spitzenposition vor England. Doch der Trend zeigt nach unten.

Immerhin sorgt nun der Clásico für ein bisschen Abwechslung. "Barça gegen Real bleibt das Spiel des Jahres unter allen Bedingungen und Breitengraden", kommentiert die Sportzeitung "As".

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