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Kommentar

Fußball-EM 2022 : Ein Turnier zum Verlieben

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Die 13. Fußball-Europameisterschaft der Frauen setzt völlig neue Maßstäbe - auf und außerhalb des Platzes.

Ellen White mit dem EM-Pokal
Ellen White mit dem EM-Pokal
Quelle: Reuters

England - Deutschland - Wembley. Für die einen ein Mythos, für mich die Krönung eines heißersehnten Quantensprungs im internationalen Frauenfußball. Gratulation den neuen Europameisterinnen aus England, dem besten Team dieses Turniers, aber auch den deutschen Elite-Kickerinnen für die eindrucksvolle Rückkehr in die Weltspitze.

Frauenbundesliga aus Dornröschenschlaf wecken

Lange vor dem ersten Anpfiff bei der EM wurden bereits alle erdenklichen Superlative bemüht. Zuschauerzahlen, Medienverbreitung, Prämien, ein Turnier der Rekorde. Trommeln gehört zum Handwerk, alles andere wäre ja auch unprofessionell.

Im Finale der Fußball-EM haben die DFB-Frauen gegen Gastgeber England 1:2 nach Verlängerung verloren.

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Wichtig ist aber nun eine unverblümte, nicht von Eigeninteressen gesteuerte Sichtweise, sondern eine Nachhaltige. Die Pläne, diese EM-Euphorie auch auf den nationalen Fußball zu übertragen, heißt die Frauenbundesliga endlich aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken, mit Leben zu füllen. Kreative Konzepte nicht zu Papiertigern verkommen zu lassen, wie so häufig in der Vergangenheit.

Klasse Fußball gezeigt

Optimismus ist angebracht, denn es gibt gute Gründe, warum es diesmal gelingen kann. Erstens - und das möchte ich unmittelbar mit einer kleinen Liebeserklärung an die Protagonistinnen verknüpfen: Es war in Breite und Spitze der qualitativ beste Fußball, den ich in den letzten zwanzig Jahren von Frauen gesehen habe.

Lag bei der EM 2017 überwiegend der Fokus auf gut organisierten Defensivkonzepten, an denen sich die Favoritinnen zu häufig die Zähne ausbissen, überzeugten die Topteams diesmal mit unglaublicher Kreativität, mit Tempo, Athletik und technischen Feinheiten. Stellvertretend dafür die unzähligen Tempodribblings, vornehmlich der flotten Flügelspielerinnen. Das Spiel mit und gegen den Ball ist qualitativ geradezu explodiert.

Der Weg der DFB-Frauen zur Weltspitze

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Riesiges Vermarktungspotential

Zweitens: Geschlechtergerechtigkeit ist in unserer Gesellschaft zu einer zentralen Aufgabe geworden. Was in vielen sozialen Bereichen bereits signifikante Fortschritte gemacht hat, muss im Sport, respektive im Fußball, noch wachsen.

Ohne Frauen in Führung und einen stark ins Zentrum gerückten Frauenfußball ist keine Zukunft zu gestalten. Zudem wimmelt es nur so vor spannenden Persönlichkeiten, deren Geschichten es unbedingt wert sind, erzählt zu werden. Das Vermarktungspotenzial ist riesig.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf Twitter eine gleiche Bezahlung von Frauen und Männern im Fußball gefordert. Gut so, findet die ehemalige deutsche Nationalspielerin Tabea Kemme.

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Equal Pay ist Pflicht

Equal Pay – zugegeben ein nicht immer ausreichend reflektierter Kampfbegriff – wäre ein logischer Anfang. Es geht nicht um gleiche Bezahlung von völlig unterschiedlich agierenden Wirtschaftsunternehmen, also um Gehalt durch Vereine, sondern ausschließlich um Prämienausschüttung eines gemeinnützigen Verbandes. Das Totschlagargument, der Männerfußball erwirtschafte einen Großteil der Einnahmen, ist keine angemessene Position.

In Wahrheit geht es nämlich um den Ausgleich einer historisch gewachsenen Ungerechtigkeit. Wenn die Herren eines Verbandes Jahrzehnte lang den Frauen das Fußballspielen verbieten oder sie ins Lächerliche ziehen, kann nichts wachsen. Stattdessen hatte man einen exponierten Wachstumsraum ausschließlich für Männer geschaffen.

Die 14 deutschen Treffer und drei Gegentore bei der Fußball-EM in England im Schnelldurchlauf.

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DFB: Nette Anpassung reicht nicht

Die Zeit ist überreif jene historischen Fehleinschätzungen zu korrigieren, im Sinne einer deutlichen Kompensation. Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. Die smarte Anpassung, die der DFB bislang vorgenommen hat, ist nett, aber nicht mit der ausreichenden Symbolkraft für Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft versehen. So wie ich den neuen Präsidenten Bernd Neuendorf wahrnehme, ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Denn Fußball kann mehr, das steht auch auf seiner Agenda ganz oben.    

Dritter Punkt, der mich erstmals an Veränderung glauben lässt: Es ist ein sehr starker öffentlicher Druck entstanden, weil viele wundervolle Organisationen, Initiativen diese Notwendigkeit der Gleichbehandlung Fußball spielender Männer und Frauen mit Expertise und Kompetenz vorantreiben. Zuerst in den USA, dann in Skandinavien, in England, Spanien und jetzt auch in Deutschland.

Alle möglichen Versuche, die Angelegenheit Frauenfußball wieder unter den Teppich kehren zu können, wie in früheren Jahren, werden scheitern. Den grandiosen Finalistinnen sei Dank!

Frauenfußball-EM 2022

Sport - Fußball-EM 2022 

Das war die Fußball-Europameisterschaft 2022 der Frauen in England: Spiele in voller Länge, Highlight-Videos und vieles mehr.

Alle Spiele, alle Tore

Englands Torschützin Beth Mead jubelt nach ihrem Treffer zum 1:0.

Fußball-EM 2022 - England nach Tore-Gala im Endspiel 

Die Gastgeberinnen aus England sind nach einem 4:0-Sieg erstmals seit 2009 wieder in ein EM-Endspiel eingezogen. Schweden war anfangs gefährlich - dann dominierten die "Lionesses".

26.07.2022
von Marcel Bergmann
Videolänge
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