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Nach Grosjeans Feuerunfall - Kritische Fragen und eine FIA-Untersuchung

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Nach dem dramatischen Feuerunfall von Formel-1-Pilot Romain Grosjean stellen die Fahrer dem Weltverband FIA kritische Fragen. Dieser überprüft nun alle Sicherheitssysteme.

Der brennende Bolide von Romain Grosjean beim Grand Prix von Bahrain am 29.11.2020 in Sakhir
Der brennende Bolide von Romain Grosjean, aus dem er sich selbst befreien konnte.
Quelle: epa

Die Erleichterung darüber, dass Romain Grosjean seinen Horror-Feuerunfall beim Großen Preis von Bahrain mit relativ leichten Brandverletzungen überstand, war natürlich speziell bei seinen Fahrerkollegen groß. Trotzdem stellten diese auch kritische Fragen, wollten Antworten speziell zu zwei Punkten. Sebastian Vettel fasste zusammen:

Die Leitplanke hätte nicht nachgeben und sich öffnen dürfen und das Auto sollte auch nicht so in Flammen aufgehen.
Sebastian Vettel

Vettel weiter: "Es wurden viele Maßnahmen getroffen, damit es nicht Feuer fängt, von daher weiß ich nicht, was da passiert ist."

FIA überprüft alle Sicherheitsmaßnahmen

Nun hat die FIA eine offizielle Untersuchung eingeleitet, in der es natürlich auch um diese Schwerpunkte geht, in der aber auch alle anderen Sicherheitsmaßnahmen von Cockpitschutz, HANS-System, internen Feuerlöschern bis zur Struktur der Sicherheitszelle und den Aktionen der Rettungskräfte im Detail unter die Lupe genommen werden sollen.

Dazu sammelt man vor allem alle verfügbaren Daten, speziell aus den verschiedenen Video-Streams. So gibt es unter anderem eine Zeitlupen-Cockpit-Kamera, die auf den Fahrer gerichtet ist und mit 400 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet hat, was genau während des Unfalls von Romain Grosjean passierte.

Reifenstapel vor Leitplanke beim nächsten Rennen in Bahrain

In sechs bis acht Wochen sollen Ergebnisse vorliegen und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme wurde bereits für dieses Rennwochenende in Bahrain eingeführt, das auf der gleichen Strecke, wenn auch mit einem veränderten, verkürzten Layout mit mehr Geraden stattfindet: Die Leitplanke an der Unfallstelle zwischen den Kurven drei und vier wird mit einer Reihe Reifenstapeln zusätzlich abgesichert.

Grundsätzlich kommen heute an vielen Rennstrecken auch speziell entwickelte Kunststoff-Elemente, die sogenannten TecPro-Barrieren, zum Einsatz. Allerdings - aus Kostengründen - meist nur in Kurven oder Bremszonen, die als kritisch gelten. Und nicht wie an Grosjeans Unfallstelle entlang einer Geraden.

Warum brach das Feuer an Grosjeans Wagen aus?

In Sachen Feuergefahr gibt es freilich keine schnellen Patentlösungen. Der ehemalige F1-Konstrukteur Gary Anderson erklärte nach Grosjeans Unfall:

Dadurch, dass der gesamte hintere Teil des Wagens abgetrennt wurde, wurden die eigentlich schützenden Crashstrukturen aufgerissen, die Tankblase lag völlig frei.
Gary Anderson

"Dazu kommt, dass sich in dieser Region des Autos die unter Hochspannung stehenden Batterien befinden - das ist natürlich eine extrem kritische Mischung", so Anderson weiter.

Wobei wahrscheinlich der Tank gar nicht wirklich zerstört wurde: "Die Tankzelle ist unglaublich stark konstruiert, ich vermute, das Feuer kam von einer gerissenen Verbindung", sagte F1-Sportchef Ross Brawn.

Hätten sich 100 Liter Sprit entzündet, hätten wir ein noch sehr viel größeres Flammenmeer gesehen.
Ross Brawn

Währenddessen versucht Haas-Fahrer Romain Grosjean alles, um zumindest beim WM-Finale von Abu Dhabi wieder im Auto zu sitzen. Das größte Problem derzeit ist seine linke Hand. Die ist am stärksten verbrannt, "außerdem habe ich mir den linken Daumen verknackst, möglicherweise ist auch das Gelenkband beschädigt, vor allem ist die Hand noch immer stark geschwollen", berichtete der Franzose.

Sollte sein Blitz-Comeback nicht klappen, stünde Mick Schumacher, der neue Stammfahrer bei Haas für 2021, für ein vorzeitiges Formel-1-Debüt bereit: "Ich hätte drei freie Trainings, um mich an das Auto zu gewöhnen", so Schumacher.

Natürlich wäre es eine gewaltige Herausforderung, aber es wäre für meine Lernphase gewiss förderlich, wenn ich mit der Arbeit schon früher beginnen könnte.
Mick Schumacher
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