Was macht der Frauenfußball aus dem EM-Boom?

    Bolzplatz by Manu Thiele:Was macht der Frauenfußball aus dem EM-Boom?

    von Ralf Lorenzen
    |

    Selten war der Frauenfußball so im Fokus wie im Augenblick. Wird die Aufbruchstimmung nun für nachhaltige Veränderungen genutzt? Darum geht es heute bei Bolzplatz by Manu Thiele.

    Wie kann die Frauen-Bundesliga die EM-Euphorie nutzen? Das diskutiert Sportjournalist Manu Thiele im neuen Bolzplatz.20.09.2022 | 18:12 min
    Auch wenn keine Tore fielen - der Start stimmte. 23.000 Zuschauer kamen zum Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München. Das ist Liga-Rekord und scheint die Hoffnung zu bestätigen, der während der EM 2022 entstandene Hype um den Frauenfußball könnte sich auf den Bundesliga-Alltag übertragen.
    Zumal auch die kleineren Stadien in Wolfsburg, Köln und Bremen deutlich besser besucht waren als im Schnitt der vergangenen Saison.

    Die Saisoneröffnung mit dem großartigen Zuschauerrekord im Deutsche Bank Park war nach den EM-Erlebnissen ein richtungsweisender Abend für den deutschen Frauenfußball

    Siegfried Dietrich, Generalbevollmächtigter Eintracht Frankfurt Fußball AG

    Dennoch sehen Skeptiker die Gefahr, dass diese Initialzündung schnell verpuffen könnte. Die wenigen Teams, die unter Vollprofi-Bedingungen spielen, dominieren die Liga zu stark, um an jedem Wochenende auf jedem Platz spannenden Wettbewerb zu erleben. Die Frauen-Bundesliga hat sich an der Spitze rasant entwickelt, dabei aber eine Unwucht ausgebildet.

    Dauer-Meister VfL Wolfsburg und Bayern München

    In der 1990 zunächst zweigleisig gestarteten Liga dominierten zunächst Klubs aus kleineren Städten wie der TSV Siegen. Später bildeten reine Frauenfußballvereine aus größeren Städten wie Turbine Potsdam und der FFC Frankfurt die Spitze.
    Die Profiklubs hielten sich lange mit dem Aufbau von Frauenteams zurück. Beim Start der eingleisigen Liga 1997 war der Hamburger SV als einziger Männerbundesligist dabei - und meldete das Frauenteam 2012 als Sparmaßnahme freiwillig ab.
    Die Rekordkulisse in Frankfurt beim Auftaktspiel der Frauen-Bundesliga weckt die Hoffnung, dass sich die Euphorie der EM in der kommenden Saison fortsetzt.20.09.2022 | 1:30 min
    Im gleichen Jahr begann die Wachablösung durch die jetzigen Branchenführer Bayern München und VfL Wolfsburg - von der Saison 2012/2013 ab machten die beiden Vereine die Meisterschaft unter sich aus.
    Dahinter gibt es unter den zwölf Frauenbundesligisten mittlerweile weitere sechs Teams unter dem Dach eines großen Profiklubs.

    Unterschiedliche Geschäftsmodelle

    Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich allerdings erheblich. Während die Topklubs ihren Spielerinnen ermöglichen, vom Fußball zu leben, hat sich beispielswiese der SV Werder Bremen ein behutsames Wachstum auf die Fahnen geschrieben.
    Die Werder-Spielerinnen arbeiten oder studieren neben dem Fußball größtenteils noch - und kämpfen jedes Jahr um den Klassenerhalt.
    Die meisten Experten sind sich einig, dass die Attraktivität der Frauenbundesliga nachhaltig nur erhöht werden kann, wenn sich alle Spielerinnen auf den Fußball konzentrieren können.
    Dabei geht es zunächst nicht um die gleiche Bezahlung wie im Männerbereich. "Da sprechen wir von einem Mindestgehalt von 2.000, 3.000 Euro im Monat. So kannst du die Entwicklung im Frauenfußball nachhaltig voranbringen", sagt Nationalspielerin Lina Magull.

    Vorbild England

    Bis alle Bundesligisten die erforderlichen Mittel dafür selbst erwirtschaften, ist wohl eine weitere Querfinanzierung aus dem Männer-Bereich nötig. Dabei geht es nicht nur um Geld, das zeigt ein Blick nach England, wo die Professionalisierung weiter fortgeschritten ist.
    "Mit der Zugehörigkeit zu den Premier-League-Klubs geht der Zugang zu modernen Trainingsgeländen einher", sagt Laura Vetterlein von West Ham United auf der Plattform B42:

    Konkret heißt das, dass wir dort auf drei Rasenplätze, einem Kunstrasen-Platz sowie einer überdachten Kunstrasenhalle trainieren.

    Laura Vetterlein

    "Dazu bietet die Academy einen Kraftraum, Mediaräume, Physioeinrichtungen sowie eine Cafeteria, in der die Mannschaft nach den Einheiten verpflegt wird", so Vetterlein.

    Bis 2027 zurück an die Spitze

    Neben besserer Bezahlung und Infrastruktur geht es bei Bolzplatz by Manu Thiele um bessere Sichtbarkeit im Fernsehen, attraktivere Anstoßzeiten und weitere Schritte, um das vom DFB propagierte Ziel zu erreichen, 2027 wieder zur europäischen Spitze zu gehören.

    Sport
    :Bolzplatz

    Sportjournalisten analysieren die Bundesliga sowie die Champions League und erklären, wie das Fußballgeschäft funktioniert. Kritisch und auf den Punkt.
    Bolzplatz by Manu Thiele
    Thema

    Mehr zum Thema