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Interview

Frauenfußball - Popp: "Habe das Gefühl, dass sich etwas tut"

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Alexandra Popp, Kapitänin der deutschen Fußballerinnen, erklärt, warum die ersten Länderspiele wichtig sind, und sie eine Kampagne für homosexuelle Profis unterstützt.

Archiv: Alexandra Popp
Dynamisch und meinungsstark: Alexandra Popp
Quelle: imago

Nach dreimonatiger Verletzungspause kehrt Alexandra Popp, die Allrounderin vom VfL Wolfsburg, für das Mini-Turnier "Three Nations. One Goal" mit Länderspielen gegen Belgien (Sonntag, 18 Uhr) in Aachen und gegen Niederlande (Mittwoch, 18:30 Uhr) in Venlo in die DFB-Auswahl zurück.

ZDFheute: Das Mini-Turnier, das die gemeinsame Bewerbung dieser drei Länder für die Frauen-WM 2027 sichtbar machen soll. Welche Bedeutung hat das?

Alexandra Popp: Für uns hat das einen hohen Stellenwert. Das sind für uns gute Tests, die uns fast an die Leistungsgrenze führen. Wir können das Augenmerk darauf richten, unsere Defizite zu analysieren und an der Weiterentwicklung zu arbeiten. Unser klares Ziel ist es, beide Spiele zu gewinnen. Wir wollen mit einem Spielstil Dominanz ausstrahlen, viel Ballbesitz haben und im Optimalfall viele Tore schießen.

ZDFheute: Auch die DFB-Frauen treten in Aachen und Venlo wieder vor leeren Rängen an. Haben Sie sich an Geisterspiele eigentlich schon gewöhnt?

Popp: Ich war durch meine Verletzung ja fast drei Monate raus, aber diese Spiele sind nicht schön, gar keine Frage. Man vermisst die Fans schon. Gerade weil die Tribünen leer sind, haben die Spiele viel mit mentaler Kraft zu tun. Aber grundsätzlich nehmen wir das so hin, denn wir sind glücklich, dass wir überhaupt spielen dürfen.

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ZDFheute: Die DFL hat in einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog mit dem DFB festgeschrieben, den Frauenfußball, aber auch Frauen im Fußball zu fördern. Was würden Sie konkret vorschlagen, wenn Sie in der "Taskforce Zukunft Profifußball" gesessen hätten?

Equal Pay, auf jeden Fall - aber man müsse auch an Equal Play denken, sagt Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Interview mit Tibor Meingast - und appelliert auch an eine bessere Vermarktung des Frauenfußballs.

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Popp: Wo fängt man? Das ist ja oft die Frage aller Fragen. Dadurch, dass wir Spielerinnen uns die meiste Zeit in den Vereinen aufhalten, sollte man meines Erachtens dort beginnen. Das beginnt mit professionellen Strukturen, dass man im Optimalfall für die gesamte Frauen-Bundesliga von Vollprofis sprechen kann - das ist einfach noch nicht überall der Fall, obwohl das immer alle denken. Ich glaube, dann wäre auch die Liga ausgeglichener. Aber dazu braucht es Geld.

Es ist wichtig, dass wir in Deutschland die nächsten Schritte einleiten, sonst wird es die kommenden Jahre schwerer.
Alexandra Popp

Ich habe schon das Gefühl, dass sich etwas tut - vielleicht nicht so schnell, wie man sich das wünschen würde, aber wir arbeiten daran, dass wir in einigen Jahren im internationalen Vergleich auch wieder eine große Rolle spielen können.

ZDFheute: Mit dem Appell "Ihr könnt auf uns zählen!" haben jetzt mehr als 800 deutsche Fußballer und Fußballerinnen homosexuellen Spielern ihre Unterstützung zugesichert. Warum haben sie den Aufruf zusammen mit ihrer Vereinskollegin Almuth Schult unterzeichnet?

Popp: Wir wollen niemand irgendwie drängen, sich zu outen. Ich glaube aber einfach, dass dies Thema auf dem Fußballplatz und in anderen Sportarten grundsätzlich nichts zu suchen hat. Jeder sollte leben und lieben, wie er will. Wenn man Fußball spielt, ist es egal, ob jemand auf Frauen oder Männer steht - es geht einzig und allein um die Leistung.

Der norwegische Spitzenschiedsrichter Tom Harald Hagen hat seine Homosexualität öffentlich gemacht. Über die zahlreichen Reaktionen zeigte sich der Unparteiische überrascht.

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Ich denke, dass es für manchen, der sich outen würde, eine gewisse Befreiung sein könnte, durch die die Leistung sogar noch ein paar Prozente besser werden könnte. Für alle Aktiven, die den Appell unterzeichnet haben, war es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Wir haben das Jahr 2021! Sich darüber Gedanken machen zu müssen, ist schon traurig genug.

        

Wir wollen denjenigen den Rücken stärken, die den Mut zu einem Coming-out aufbringen.  
Alexandra Popp

ZDFheute: Almuth Schult ist gerade als Trainingsgast bei der Nationalmannschaft dabei, obwohl sie beim VfL Wolfsburg nur noch die Torhüterin Nummer drei ist. Welchen Eindruck haben Sie nach der Babypause von der früheren Stammtorhüterin der DFB-Frauen?

Popp: Ich glaube jeder, der Almuth kennt, weiß, dass sie ein Wettkampftyp ist. Sie nimmt ihre Rolle sehr, sehr sportlich, aber man merkt auch, dass sie hoch motiviert ist. Sie will das Ganze mit Leistung wieder ändern, das spricht für ihren Charakter: Sie gibt nicht auf, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, will sie das schaffen.
Sie ist weiterhin eine wichtige Führungsspielerin, gerade an meiner Seite. Für mich persönlich macht sie es im Training nach so kurzer Zeit sehr gut: Sie ist unheimlich präsent, hält fast jeden Ball in einer Eins-zu-Eins-Situation. Man merkt natürlich, dass ihr noch Spielpraxis fehlt.

Das Gespräch führte Frank Hellmann.

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