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Bayern-Chef mahnt - Rummenigge: "Höherschalten" für Frauenfußball

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Der deutsche Frauenfußball ist nicht mehr weit weg, auf Vereinsebene den Anschluss zu verlieren. Eine Bestandsaufnahme von Karl-Heinz Rummenigge könnte den DFB hellhörig machen.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.
Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: Sein Klub ist in der Frauen-Bundesliga eines von zwei Top-Teams.
Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/Pool/dpa/Archivbild

Mit markigen Worten hat Karl-Heinz Rummenigge Partei für den deutschen Frauenfußball ergriffen. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern kritisierte in einem Interview auf der Klubhomepage am Karfreitag: "Man muss ehrlich sein: Der Frauenfußball ist im deutschen Fußball bisher im Grunde ein Stiefkind."

Einer der mächtigsten Männer forderte, der Frauenfußball müsse hierzulande "schleunigst höherschalten". Seine Sorge gilt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Frauen-Bundesliga.

Der neue TV-Vertrag in England weckt Neidgefühle

England baut mit enormer Unterstützung des Verbandes, der Vereine und der Medien gerade die stärkste Frauen-Liga der Welt auf. Während der DFB jedem der zwölf Frauen-Bundesligisten rund 300.000 Euro aus der Zentralvermarktung garantiert (davon 89.000 Euro aus der medialen Verwertung), stößt die englische Women’s Super League (WSL) mit einem millionenschweren TV-Vertrag in neue Dimensionen vor.

Allein der Vertrag mit dem Sender "Sky" soll mehr als zehn Millionen Euro einbringen. Die BBC steuert weitere rund acht Millionen Euro für 22 frei empfangbare Partien dazu.

Olympique Lyon, Europas Top-Team

Auch Spanien und Italien erfinden sich für den Frauenfußball gerade neu. Sportlich bildet die Benchmark das französische Topteam Olympique Lyon, das im Vorjahr gegen den VfL Wolfsburg zum fünften Mal in Folge die Trophäe gewann.

Danach kritisierte der Sportliche Leiter Ralf Kellermann die fehlende Konkurrenzsituation in der Frauen-Bundesliga: "Wir wünschen uns, dass alles enger zusammenrückt."

Frauen-Bundesliga als Drei-Klassen-Gesellschaft

Es besteht seit Jahren eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Vorne machen der VfL Wolfsburg und FC Bayern den Meistertitel seit 2013 unter sich aus und dominieren auch die laufende Saison wieder.

Dahinter folgen Lizenzvereine unter dem Männerdach, die sich in erster Linie der Ausbildung junger Spielerinnen verschrieben haben: Vorbildlich betrieben vom Tabellendritten TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen, SC Freiburg und der neuen Marke Eintracht Frankfurt.

Professionellen Strukturen fehlen

Die reinen Frauenfußballvereine Turbine Potsdam und SGS Essen schlagen sich tapfer in der zweiten Kategorie.

Die dritte Gruppe bilden die Abstiegskandidaten MSV Duisburg und SC Sand sowie die Aufsteiger SV Meppen und Werder Bremen, zu denen das Gehalts- und Leistungsgefälle am größten ist. Hier fehlen teils die professionellen Strukturen.

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Dietrich: "Gut angelegtes Geld"

Siegfried Dietrich, Sportdirektor von Eintracht Frankfurt und Sprecher der Frauen-Bundesligen, wünscht sich, dass alle großen Männermarken in den Frauenfußball investieren. Die derzeitigen Verluste seien "keine roten Zahlen, sondern eine harte Währung: nämlich gut angelegtes Geld in den größten Wachstumsmarkt des Fußballs."

Die Debatte um den besten Rahmen für mehr Sichtbarkeit und neue Vermarktungsmöglichkeiten ist neu entfacht. Rummenigge schlug vor, die Frauen "gemeinsam mit dem DFB in die Unabhängigkeit" zu entlassen. Eine eigenständige Struktur sei aus seiner Sicht sinnvoller, "als an die DFL angedockt zu werden, sonst würden sich die Frauen als fünftes Rad am Wagen Männerfußball fühlen".

DFB will die Frauen-Bundesliga nicht an die DFL verlieren

Eine Übernahme durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) lehnt auch der DFB ab. Die zuständige Direktorin Heike Ullrich hält den DFB für den "richtigen Liga-Träger". Wegen der Verzahnung zum Nachwuchs und zu den Nationalmannschaften ist die Haltung nachvollziehbar.

Ullrich setzt auf "gemeinsame Ansätze" von DFL und DFB und glaubt, dass "der Frauenfußball für Vereine, Verbände und Unternehmen zum Game-Changer werden kann".

Sie hat sicherlich Recht, dass der Frauenfußball für "Nachhaltigkeit, Diversität und Gleichberechtigung immens viele Argumente und Darstellungsformen" bietet, doch davon müssen Vereine, Verbände und Unternehmen in Deutschland offenbar erst noch überzeugt werden.

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von Ron Ulrich
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